In Sachen Ökumene sind sie schon seit vielen Jahren auf einem guten Weg. Nun erläutern der katholische Pfarrer Andreas Treuer und sein evangelischer Kollege Markus Ockert, warum es bis auf Weiteres keine Präsenzgottesdienste in der Raumschaft Triberg gibt.

Pause dauert schon viele Wochen

Pandemiebedingt sind die Präsenzgottesdienste in der evangelischen Trinitatisgemeinde Triberg, Schonach, Schönwald quasi seit Weihnachten ausgesetzt. „Nur an Heiligabend gab es noch eine offene Kirche“, blickt Pfarrer Markus Ockert beim Pressegespräch zurück. „Einzelne Familien konnten sich mit viel Abstand im Durchlauf segnen lassen.“

An Weihnachten letzte Präsenzgottesdienste

In den katholischen Gotteshäusern der Pfarrgemeinde „Maria in der Tanne“ gab es ebenfalls an Weihnachten letztmals Präsenzgottesdienste und zwar bis am zweiten Feiertag. „Dies, obwohl die Pfarrgemeinderatsmitglieder schon zuvor mehrheitlich dafür waren, die Gottesdienste abzusagen“, informiert Pfarrer Andreas Treuer im Nachhinein und ergänzt: „Diakon Klaus-Dieter Sembach und mir war dies jedoch zu knapp so kurz vor den Feiertagen.“

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Absprache so gut es geht

Treuer und Ockert wollen auch in der momentanen Situation weiterhin mit einer Stimme sprechen. „Das heißt, wir zwei schwätzen miteinander und sprechen uns so gut es geht miteinander ab“, sagt Treuer mit Blick auf Ockert, der zustimmend nickt. Dieses Vorgehen trägt aus ihrer Sicht „sicher zur Stabilisierung der öffentlichen Situation bei.“

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Lockdown erneut verlängert

„Eigentlich war es angedacht, ab Aschermittwoch wieder Präsenzgottesdienste abzuhalten“, erläutert Treuer. „Bis auf Weiteres werden diese nun jedoch ausgesetzt. Wir hatten zwar eine Wiederaufnahme der Feiern zu Beginn der österlichen Bußzeit im Blick, Bund und Länder haben jetzt allerdings die Maßnahmen zur Eindämmung der immer noch akuten Corona-Pandemie erneut verlängert. In diesem Zusammenhang hält auch die evangelische Kirche am Aussetzen der Gottesdienste fest.“

Der katholische Pfarrer Andreas Treuer feiert derzeit keine Präsenzgottesdienste im gewohnten Rahmen.
Der katholische Pfarrer Andreas Treuer feiert derzeit keine Präsenzgottesdienste im gewohnten Rahmen. | Bild: Niklas Fehrenbach

Kirchengemeinderat vor Ort entscheidet

Die Landeskirche habe zwar Empfehlungen zum weiteren Fahrplan gemacht, jedoch entscheide der Kirchengemeinderat vor Ort. „Da der empfohlene Inzidenzwert unter 50 liegen und 14 Tage bestätigt sein sollte, er in unserem Gebiet aktuell jedoch noch darüber liegt“, so Ockert Anfang der Woche, „hat unser Kirchengemeinderat beschlossen, solange der erweiterte Lockdown besteht, auch die Präsenzgottesdienste auszusetzen. Sollte der Wert runtergehen und eine gewisse Stabilität vorliegen, werden wir in Absprache wieder Gottesdienste abhalten.“

Solidarität mit Vereinen und Verbänden

Gegenwärtig weiter auf die gottesdienstlichen Feiern zu verzichten, signalisiert laut Treuer und Ockert, dass sie als Gemeinden die Entscheidungen der politisch Verantwortlichen mittragen, und Solidarität mit den Vereinen und Verbänden üben, die ebenfalls auf ihre Zusammenkünfte verzichten müssen. Selbst Familien und Freunde müssten mit Einschränkungen leben.

Im Verzicht zusammenstehen

„Es stimmt, dass die Kirche in unserem Land frei ist. Und es gibt sicher wichtige Themen, bei denen es gilt, sich als Glaubensgemeinschaft gegenüber unserer Gesellschaft zu positionieren – wenn es beispielsweise um den Schutz des Lebens an seinem Beginn und Ende und um Ähnliches geht“, sagt Treuer, und betont: „Jetzt geht es um unser aller Wohl, und wir sollten auch im Verzicht zusammenstehen.“

Kritischer Blick auf Alternativen

Treuers Ansicht nach sollte man zudem kritisch sehen: „Eucharistiefeiern unter Corona-Bedingungen bleiben, bei aller Mühe und Gestaltung, immer hinter dem zurück, was sie sein sollen und wollen: Es fehlt der Gemeindegesang, der Ausdruck des Gotteslobes ist. Die Atemschutzmasken und der gebotene Sicherheitsabstand beschränken, ja verunmöglichen die Begegnung und die Gemeinschaft. Kommunion mit sterilen Handschuhen, einer Zange oder hinter Plexiglas gereicht, ist kaum im Sinne des Stifters. Zudem muss auf das Reichen des Kelches verzichtet werden. Die Gemeinde ist in Teilen der Feier zur Passivität gezwungen, wo doch gerade ein aktives Mittun aller ein Anliegen des II. Vaticanums war.“

„Vorübergehendes Provisorium“

Wie Treuer bemerkt: „Auch gestreamte Messfeiern bleiben ein vorübergehendes Provisorium“. Es fehlt seiner Meinung nach „die konkret erlebbare Gemeinschaft und damit auch das Entscheidende: die Kommunion.“ Die momentan weit verbreitete Euphorie ob solcher medialen Feiern sei mit Vorsicht zu genießen. „Nicht alles, was machbar ist, ist in jedem Fall auch sinnvoll.“

Gemeinschaft feiern

Ockert weist darauf hin, dass bei den evangelischen Christen die virtuelle Wortverkündigung gleichwertig mit der Abendmahlfeier sei, beispielsweise wenn jemand im Gottesdienst nicht präsent sein könne. „Der eigentliche Sinn ist aber auch bei uns, Gemeinschaft zu feiern“, so Ockert.

Aktuell werden katholische Sonntagsgottesdienste im Fernsehen und im Internet angeboten. In der Pfarrgemeinde „Maria in der Tanne“ werden gemeinsam mit der Trinitatisgemeinde am Sonntag um 10 Uhr die Glocken geläutet als Aufruf zum stillen Gebet. Eine Wochenschlussandacht von Pfarrer Ockert wird jeweils am Freitag auf Youtube.com (Suchbegriff: Trinitatis Triberg) eingestellt.

Ansonsten bleiben laut Treuer und Ockert das persönliche Beten und das Lesen in der Heiligen Schrift immer noch die besten Alternativen.