Die kirchliche Landschaft verändert sich. Auch der Pfarrgemeinderat der katholischen Pfarrgemeinde Triberg Maria in der Tanne wurde im April letztmals in seiner bisherigen Form gewählt. „Wir gehen auf eine große Veränderung zu“, betont Pfarrer Andreas Treuer.

Weniger Pfarrer

Der Leiter der Seelsorgeeinheit nennt die Gründe: „Weil es weniger Gläubige, daher weniger Pfarrer gibt und auch die Zahl der Diakone sowie Gemeindereferenten zurückgeht.“ „Im Jahr 2030 werden die wenigen Priester, die es noch gibt, zu über 70 Prozent über 60 Jahre alt sein“, blickt Treuer in die Zukunft: „Das ist keine gute Aussicht.“ Letztendlich finde deshalb eine Umstrukturierung der Erzdiözese statt. Aktuell gebe es 234 Kirchengemeinden. Daraus sollen laut Erzbischof Stephan Burger sukzessive 40 werden, bis spätestens 2030. „Früher ist wahrscheinlicher“, gibt Treuer im Beisein von Diakon Klaus-Dieter Sembach und Gemeindereferentin Birgit Kurzbach zu bedenken.

Weniger Gemeinden

Der Schwarzwald-Baar-Kreis werde zweigeteilt. „Da, wo es notwendig wird, sollen Stellen nicht mehr besetzt werden, wird zusammengeführt. Es kann sein, dass es auch Pilotprojekte gibt. Wahrscheinlich dort, wo es die wenigsten Priester gibt“, vermutet Treuer. „Die bestehenden Gemeinden werden alle aufgelöst. Es wird nur einen Pfarrer geben, der leitet.“ Die Pfarrgemeinde Maria in der Tanne werde künftig also in der neuen Pfarrei Villingen aufgehen. Dort werde das Zentrum sein.

Weniger Gottesdienste

„Daher müssen wir unsere Gemeinden jetzt schon fit machen für die Situation der in wenigen Jahren anstehenden, riesigen Veränderung“, so Treuer. „Das heißt: Eucharistie kann nicht mehr an jedem Sonntag in jedem Ort stattfinden, sondern konsequenterweise in einer großen Kirche. Wir müssen lernen, flexibel zu sein. Die Menschen werden sich auf den Weg machen müssen, da Gottesdienste flächendeckend vor Ort nicht mehr stattfinden werden.“

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Treuer weiter: „Wo sie es nicht hinbekommen, sich eigenständig zu Wort-Gottes-Feiern zu treffen, also Gemeindeteams, Gruppierungen, auch Laien aus der Gemeinde heraus, sich seitens der Erzdiözese schulen zu lassen, um Feiern ohne Kommunion oder beispielsweise Stundengebete anzubieten, wird es nichts geben.“ Auch Sembach betont: „Die Kirche muss sich wandeln, von der versorgten Gemeinde hin zur mitsorgenden.“ Dem stimmt auch Kurzbach zu: „Es muss ein Umdenken geben, dahingehend, dass Wort-Gottes-Feiern die Akzeptanz bekommen wie eine Eucharistiefeier.“

Höhere Vielfalt

Es sei nicht sinnvoll die Vorstellung zu haben, dass weiterhin alles so sein muss wie zuvor, fährt Treuer fort. „Ich sehe in der Corona-Krise die Chance, mit den erforderlichen Änderungen, die ohnehin auf uns zukommen, jetzt schon anzufangen“, ergänzt der Geistliche und verweist auf die Instruktionen der Erzdiözese Freiburg zur Feier der Liturgie in Zeiten der Corona-Krise: „Im Blick auf die zu treffenden Vorkehrungen ist gut abzuwägen, welche und wie viele Gottesdienste in einer Kirchengemeinde gefeiert werden können. Ein sukzessiver Einstieg und die Konzentration auf bestimmte Gottesdienste legt sich für den Anfang nahe. Die Vielfalt der Gottesdienstformen (neben Messerfeier und Wort-Gottes-Feier auch das Stundengebet, die Eucharistische Anbetung, das Rosenkranzgebet und vieles mehr) ist anzustreben.“

Neue Wege

Wie Treuer, Sembach und Kurzbach weiter ausführen, habe man mehrfach versucht Stundengebete unter der Woche in den Gemeinden zu installieren oder die Eucharistische Anbetung in der Wallfahrtskirche sowie Vorabendmessen anzubieten. „Hier wurde ganz deutlich mit den Füßen abgestimmt, indem man einfach wegblieb“, resümiert Treuer. Er sehe einen Spalt, der sich zwischen den alten Vorstellungen und der Notwendigkeit, auch neue Wege zu gehen, auftut. „Wir brauchen Offenheit für andere Formen“, appelliert er an die Gläubigen. Auch die Gottesdienste am Samstagabend müssen seiner Ansicht nach nicht mehr sein, denn auch schon vor der Corona-Krise hätten alle Kirchgänger an den Sonntagen, von der Anzahl her, in einem Gottesdienst zusammengefasst werden können.

Krisentaugliche Kirche

Für die Schonacher Kirche St. Urban als Ort der sonntäglichen Eucharistie spricht laut Treuer in der aktuellen Krisensituation: Sie ist die Kirche, die die größte Teilnahmemöglichkeit an der Eucharistie bietet, eine klare Trennung in der Eingangs- und Ausgangssituation aufweist, über einen weiten Kirchplatz verfügt, der die Möglichkeit zum Sicherheitsabstand garantiert. Ferner lebt die Mehrheit der Katholiken der Raumschaft in Schonach. Weitere Pluspunkte sind die Erreichbarkeit und die Parkmöglichkeiten.

Der Vorplatz der Kirche ist nicht krisentauglich.
Der Vorplatz der Kirche ist nicht krisentauglich. | Bild: Christel Börsig-Kienzler

Triberg scheidet aus

Warum die Stadtkirche Triberg nicht im Blick war und ist beantwortet Treuer mit dem Hinweis auf die wenigen ausgewiesenen Plätze nach den Sicherheitsvorkehrungen. Auch sei sie aufgrund ihrer Lage deutlich schlechter erreichbar, zu Fuß und mit dem Auto. Der Eingangs- und Ausgangsbereich sei zudem am großen Portal komprimiert und der Kirchplatz sehr klein beim Zusammentreffen der Kirchgänger.

Anmeldung ist Pflicht

Schon vor der Corona-Krise hätten sich die wenigsten Triberger Christen im sonntäglichen Hauptgottesdienst ab 10.30 Uhr in der Stadtkirche eingefunden. „Die Eucharistiefeier selbst ist derzeit in ihrem Vollzug aufgrund der Sicherheitsauflagen auch mit einem größeren Aufwand verbunden, zum Beispiel was die Ordnerdienste betrifft“, wie Treuer mitteilt. Eine Anmeldung per Internet oder telefonisch sei vorgegeben, es habe jedoch noch niemand weggeschickt werden müssen.

Zweite Eucharistiefeier

Bis dato habe der Platz in der einen Eucharistie, die als Mitte die „Communio, die Kommunion, die Gemeinschaft“ habe, ausgereicht für alle, die mitfeiern wollten. „Sollte es aufgrund des Andrangs notwendig sein, wird in jedem Falle eine zweite Eucharistiefeier angeboten“, verspricht der Geistliche. Aus den bereits genannten Gründen sollte diese seiner Ansicht nach allerdings ebenso in St. Urban in Schonach angeboten werden.

Feier geht vor Örtlichkeit

„Es kann ja in dieser Krisenzeit kaum darum gehen, bestimmte Kirchenräume zu füllen, einen Ritus ablaufen zu lassen. Die Feier an sich ist das Wichtigste, nicht der Raum und der Ort“, sagt Treuer mit Blick auf den Antrag des katholischen Frauenbunds Triberg, künftig regelmäßig Sonntagsgottesdienste in der Triberger Stadtkirche zu feiern. Dies hatte Treuer bereits abgelehnt.

Risikogruppen

Über die Bereitschaft der Frauenbundmitglieder, bei der Organisation von Gottesdiensten oder als Ordner mitzuhelfen, freut sich der Geistliche eigenen Angaben zufolge, allerdings gehöre die Mehrzahl der Frauen einer Risikogruppe an und dürfe laut Ordinariat daher nicht für solche Dienste eingesetzt werden.

Ökumene als Lösung

Abschließend macht Treuer noch darauf aufmerksam, dass er in der aktuellen, schwierigen Zeit auch eine Chance für die Ökumene sieht: „Nur im gemeinsamen Zeugnis sind wir überzeugend.“ Wer an „seinem Ort“ die Möglichkeit zur Mitfeiern eines Gottesdienstes einfordere, könne das auch bei den evangelischen Geschwistern der Raumschaft finden, so Treuer, der wie er betont, „seit 25 Jahren den Weg der Ökumene geht.“