Wertvoll, zugleich erschütternd können private Aufzeichnungen für die Nachwelt sein. Das gilt auch für einige Gremmelsbacher Notizen über Naturereignisse, Beschreibungen und Schicksalsschläge – und die Reaktion der Betroffenen darauf.

  • Historische Einordnung: Es gibt Splitter aus der Dorfgeschichte, die für den einzelnen Betroffenen ein schweres Schicksal darstellten und sicherlich auch das direkte Umfeld bewegten. Von den hier aufgeführten Ereignissen hätte die Nachwelt aber vermutlich niemals Kenntnis erhalten, hätte nicht Johann Stellhammer sie für bedeutend genug gehalten, um sie zukünftigen Generationen zu überliefern. Stellhammer war von 1861 bis 1870 der Ratschreiber in Niederwasser und von 1870 bis 1888 der Bürgermeister. Da manche Episode, das Geschehen auf wenig mehr als einem halben Kilometer Dorfstraße, ihrer Natur nach nicht den Weg in die Akten finden konnte, bleiben Einzelheiten dem Forscher zugänglich, der diese in den Gang der Ortsgeschichte einordnen und den Abstand früheren Denkens zum heutigen ermessen kann.
  • Zerstörerischer Felssturz: Gefährlich war es, an manchen Stellen im Untertal zu leben, die Natur rührte sich, 1841 oder 1842 löste sich ein Fels in größerer Höhe am Hauberg und zertrümmerte ein Wohnhaus. Eine Mauer an der Untertalstraße und ein ebener Platz dahinter erinnern noch daran. „Dasselbe wurde weiter abwärts gebaut und ist jetzt das Gasthaus ‚Zum Pflug‘ von Josef Günter“, so Stellhammer.
Der Hohlenstein wird schon im 19. Jahrhundert als malerisch und imposant beschrieben.
Der Hohlenstein wird schon im 19. Jahrhundert als malerisch und imposant beschrieben. | Bild: Archiv Volk
  • Imposanter Felsblock: Die Romantik des Hohlensteins fand er „im Thal Gremmelsbach bei dem Wohnhause dieses Namens“ erwähnenswert. Er ist 70 Fuß hoch – erst im Laufe des Schwarzwaldbahnbaus von 1867 bis 1873 wechselt das Längenmaß zum Meter, entwickelt im Laufe der Französischen Revolution (1789) – „genau am Thalweg mit einer Höhlung thalwärts, ein imposanter Felsblock, mit Rissen, sehr malerisch gelegen“. Ein besonderes Ereignis konnte Stellhammer damit nicht verbinden.
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  • Pension und Mühlen: Am meisten weiß Johann Stellhammer von der späteren Pension „Schoch“ zu berichten. Kurz ist zunächst die Erwähnung des „Wasserfelsens beim Lochmüller“, der für den öffentlichen Bedarf mahlte. Die beiden anderen Mühlen waren die Steinbismühle und die „Furtwänglermühle“ im unteren Leutschenbach.
  • Loch-Bewohner: Das Untertal hieß das „Loch“, seine Bewohner wurden ungeniert „Lochacher“ genannt. Der Wasserfelsen, heute unbekannt, war „ein mäßiger Felsblock und enthält eine Gedenktafel mit der Inschrift: Den 29. Oktober 1824 Wasserstand“, zweifellos ein ungewöhnlich starkes Hochwasser, das in Erinnerung bleiben sollte.
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  • Skurrile Heilmittel: Bei der folgenden Tragödie weiß man nicht, ob man sich mehr vom Grauen der schweren Krankheit erschüttern, von Mitleid mit den vom Schicksal Geschlagenen erfüllen lassen sollte oder sich über die Skurrilität des vermeintlichen Heilmittels belustigt fühlen darf. Was sich hier etwa 1865 ereignete, ordnete Stellhammer zu Recht (am 10. Juni 1886) beim Aberglauben ein. Dass dieses Phänomen im Leben früherer Zeiten eine enorme Rolle spielte, eine geistige Macht war, ist dem Volkskundler wohlbekannt, und Beispiele braucht er nicht weit herzuholen. Immerhin gibt es ein „Lexikon des Aberglaubens“. Das will etwas heißen. Gegen Unheil auf dem Hof hilft ein in ein Säckchen eingenähter, vertrockneter Frosch an der Küchendecke. Der Stotterer lässt seinen Namen ins Innere der großen Glocke im Kirchturm schreiben – und ist sein Leiden los.
So schlank sieht man die Tannen im Untertal selten. Die Äste haben eine tonnenschwere Last zu tragen.
So schlank sieht man die Tannen im Untertal selten. Die Äste haben eine tonnenschwere Last zu tragen. | Bild: Archiv Volk
  • Alberne Wallfahrt: Was wir jedoch hier erfahren, bricht alle Rekorde. Josef Haas, der Lochmüller, (sein Nachfolger Fidel Schoch wird ausdrücklich genannt, damit kein Zweifel bleibt) war schwer lungenkrank. Er war noch jung und mit der Tochter des Tonisbauern in Niederwasser, Theresia Kuner, verheiratet. „Er beziehungsweise seine Frau soll eine Wallfahrt nach Einsiedeln gelobt (versprochen) haben, wenn er wieder gesund würde.“ In der größten Verzweiflung sollte die Hilfe des Himmels auf die abenteuerlichste Weise erzwungen werden. Die Wallfahrt dorthin sollte jemand auf allen Vieren, also auf Händen und Füßen machen, wofür 1000 Gulden geboten wurden. Kaufmann J. A. Köbele in Triberg übernahm den Auftrag, einen Wallfahrer für diesen Preis zu engagieren. Auch Stellhammer wollte Köbele dafür gewinnen, zweifelte aber selbst, dass sich jemand „zu diesem albernen, unsinnigen und vermessenen Unternehmen“ bereiterklären könnte. Und so war es dann auch. Josef Haas starb bald darauf, seine Witwe kehrte zu ihrer Schwester nach Niederwasser zurück, wo sie sich, obwohl auch selbst schwer krank (ebenfalls schwindsüchtig) noch mit Johann Rombach auf dem Rendsberg verheiratete und ebenfalls schon nach sechs Wochen dort starb.