Ein großer Hund mit Hängeohren jagt ein Reh und verletzt es schwer. Der zuständige Jäger kann das Tier nur noch von seinen Qualen erlösen. Das war vor etwa zehn Wochen. Der Tierschutzverein Triberg und Umgebung erstattete damals Anzeige gegen Unbekannt.

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„Wir beobachten derzeit immer wieder, dass sich die Menschen in diesen verrückten Zeiten vermehrt ein Haustier holen – und häufig sind es Hunde. Viele werden sozusagen gebraucht übernommen, kommen oftmals über spezielle Organisationen aus dem Ausland oder werden als süße Welpen von dubiosen Händlern erworben. Mit der Erziehung sind diese oft überfordert, gerade bei größeren Rassen. Dann werden die Hunde Gassi geführt und frei laufen gelassen oder sie leben an einem einzeln stehenden Haus sowieso frei“, sagte die Vorsitzende der Triberger Tierschutzorganisation, Angela Nock, zu dem Vorfall, für den es Zeugen gab. Gerade bei hohem Schnee hätten die durch Hunger geschwächten Wildtiere gegen einen gut gefütterten Hund keinerlei Chancen zu entkommen.

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Die Situation hat sich für das Wild durch das Einschreiten des Tierschutzverbandes längst noch nicht entspannt. Darauf macht Hans Reiner, Vorsitzender des Hegerings Triberg, jetzt aufmerksam. Gerade weibliche, geschlechtsreife Rehgeißen hätten nun erneut ein Problem: Sie befinden sich kurz vor der Ablage ihres Nachwuchses. Eine Rehgeiß neige dazu, nicht mehr ganz so beweglich zu sein, wenn die Schwangerschaft schon weit fortgeschritten ist. Schon nach kurzer Verfolgungsjagd müssten sie aufgeben, weil sie auch recht kurzatmig seien. Wenn in den nächsten Tagen die Kitze geboren werden, sind auch diese durch freilaufende Hunde gefährdet.

Jagdtrieb wie beim Wolf

„Und wenn mir ein Hundehalter erklärt, sein Hund würde nicht wildern, ist er sich über die Herkunft seines Vierbeiners nicht klar – der Hund ist wie sein Vorfahre Wolf ein Prädator, will heißen ein Beutegreifer. Und selbst der liebste Hund hat in der Regel einen Jagdtrieb. Es sei denn, er wäre sehr alt“, legt der erfahrene Jäger nach.

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Derzeit haben er und seine Kollegen in Schonach bereits mehrfach diese Erfahrung gemacht. „wir können entweder nur eine tote Geiß feststellen oder wir müssen sie am Ende gar erlösen“, sagt Hans Reiner mit deutlichem Frust in der Stimme. Daher auch sein dringender Appell an alle Hundehalter: „Nehmt eure Hunde an die Leine – im Interesse unserer Rehe und ihres Nachwuchses.“