Reibungslos verlief die erste Landtagswahl in Corona-Zeiten in der Raumschaft. In den drei Gemeinden Triberg, Schonach und Schönwald gab es keinerlei Probleme, auch nicht in Bezug auf die Einbehaltung der gültigen Corona-Verordnung.

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  • Triberg: „In den Wahllokalen war es am Sonntag sehr ruhig, weil es einen großen Anteil an Briefwählern gab“, sagt Tribergs Hauptamtsleiterin Barbara Duffner. Von den 3117 Wahlberechtigten hätten 1062 Personen ihre Stimme per Briefwahl abgegeben (58,38 Prozent). Bei der Wahl 2016 seien es noch 546 gewesen. Da überall im Vorfeld der Wahl mit einer deutlichen Steigerung der Briefwähler gerechnet worden war, habe man beim Auszählen auch mehr Helfer eingesetzt. „Es klappte alles recht schnell, auch mit dem neuen Programm vom Rechenzentrum Freiburg mit dem es zuvor viele Test gegeben hatte“, sagt Duffner und freut sich, dass am Wahlabend „alles prima“ lief. Janice Ketterer habe bei ihrer Premiere als Wahlleiterin alles „hervorragend gemacht“, lobt die Hauptamtsleiterin. Die insgesamt 47 Wahlhelfer hätten gut zusammengearbeitet. Die Hygienemaßnahmen wie Spuckschutz, Desinfektionsmittel und so weiter hätten sich bewährt und die Abstandsregeln seien eingehalten worden. In jedem Wahlraum waren jeweils nur zwei Wähler gleichzeitig zulässig.
  • Schonach: Auch in Schonach lief laut Sarah Brinkhus „alles perfekt“. Sie fungierte ebenfalls erstmals als Wahlleiterin. Bereits um 19 Uhr seien alle vier Schnellmeldungen an das Landratsamt rausgegangen. Die Reduzierung der bisher fünf Wahllokale auf zwei und die Aufstockung auf zwei Briefwahlteams habe sich bewährt. Von den 3029 Wahlberechtigten hätten 1452 Personen ihre Stimme per Briefwahl eingereicht. Am Sonntag seien 32 Wahlhelfer inklusive Einweisungsdienst für die Wähler sowie Reinigungsdienste tätig gewesen.
  • Schönwald: „Diesmal lief alles glatt“, berichtet Monika Ganter erfreut. Ungern denkt sie an die Bürgermeisterwahl Mitte November vergangenen Jahres zurück, bei der Software-Probleme die Auswertung verzögerten und „ganz schön viel Nerven kosteten“. Doch am vergangenen Sonntag sei „alles reibungslos“ unter Corona-Bedingungen verlaufen. Kein Wunder, die Wahlhelfer – diesmal waren es 22 und drei Ordnungsdienstmitarbeiter – seien durch die Erfahrungen bei der Bürgermeisterwahl nun ein eingespieltes Team. So war es auch kein Problem, die 1163 eingereichten Stimmen, darunter 719 per Briefwahl, der 1941 Wahlberechtigten, auszuzählen.
  • Repräsentativer Wahlbezirk: Mehraufwand hatte Monika Ganter diesmal trotzdem, da erstmals seit sie als Wahlleiterin tätig ist, der Gemeinde Schönwald vom statistischen Landesamt ein repräsentativer Wahlbezirk zugewiesen wurde. Für diesen musste sie nun eine gesonderte Auswertung vornehmen, die am Dienstagmorgen per Kurierdienst abgeholt wird.
  • Wahlanalyse: Eine historische Niederlage kassierte bei den Landtagswahlen am Sonntag die CDU in Baden-Württemberg, wo sie jahrzehntelang durch Spitzenergebnisse glänzen konnte. In der Raumschaft Triberg verloren die Christdemokraten in jeder der Gemeinden zweistellig. Profitiert hat dabei der FDP-Kandidat Frank Bonath, der aufgrund der Besserstellung kleinerer Parteien nun in den Landtag einziehen wird. Wie beurteilen die Kommunalpolitiker in der Raumschaft Triberg das Ergebnis?
Angela Nock,  Grüne, Triberg
Angela Nock, Grüne, Triberg | Bild: Foto Carle Triberg
  • Angela Nock, Kreistagsmitglied der Grünen, äußerte sich folgendermaßen: „Rosarote Brille runter oder auf lassen? Der nächste Veggie-Day kommt bestimmt. Malu Dreyer zeigt, auf was es ankommt: Authentizität. Martina Braun ist auf jeden Fall gut dabei, ich freue mich sehr für sie, sie hat gekämpft, ist viel gelaufen, hat geredet“, sagt Nock. Persönlich würde sie sich eine Ampel als künftige Landesregierung wünschen.
Georg Wiengarn, CDU, Triberg
Georg Wiengarn, CDU, Triberg
  • Georg Wiengarn, Vorsitzender des CDU-Ortsvereins Triberg, zeigt sich wenig überrascht: „Glückwunsch an Martina Braun, schade für Raphael Rabe – dieses Ergebnis hat er nicht zu verantworten“, gibt er sich pragmatisch. Positiv zu sehen sei, dass die Wähler trotz der „Watsch‘n“ für die etablierten Parteien in der bürgerlichen Mitte gewählt hätten und dabei die sogenannten Alternativen immer mehr in der Versenkung verschwänden. „Hoffen wir, dass es einen Fortbestand der grün-schwarzen Regierung gibt, um weiterhin ein starkes Land Baden-Württemberg zu haben“, sagte Wiengarn.

Gerhard Kienzler, Grüne, Schonach
Gerhard Kienzler, Grüne, Schonach | Bild: Silke Reents
  • Gerhard Kienzler strahlt. In Schonach, lange Jahrzehnte „schwärzeste“ Gemeinde im Land, hat er vor nicht allzu langer Zeit eine Offene Grüne Liste (OGL) gegründet und sitzt nun im Gemeinderat des Skidorfs. Es sei wirklich sehr gut gelaufen für die Grünen – „wir liegen hier sogar über dem Landesdurchschnitt. Ihn hätte vor allem die Wählerbewegung fasziniert – „schon beim Auszählen wurde deutlich, dass der CDU der Rombach-Effekt fehlt. Da gab es große Augen bei vielen Zählern“, sagte er. Immerhin sei nun die grüne Politik auch in Schonach spürbar. Wenn man bedenke, dass die CDU noch vor zehn Jahren bei 60 Prozent gelegen habe, sei das Ergebnis im Ort umso erstaunlicher. Im Land seien nun die Karten neu gemischt.

Karl Rombach,  CDU, Schonach
Karl Rombach, CDU, Schonach | Bild: Büro Braun
  • Karl Rombach, scheidender CDU-Landtagsabgeordneter aus Schonach sagt: „Ich habe am Sonntag mitgefiebert und finde das Abschneiden meines Nachfolgers sehr bedauerlich – allerdings gibt es nichts zu beschönigen, das Ergebnis ist, wie es ist.“ Er habe am Wahlabend den Gewählten gratuliert, auch jenen von anderen Parteien. Nun sei er auf dem Weg zu einer Fraktionssitzung, bei der das künftige Vorgehen in Bezug auf die Koalitionsverhandlungen erörtert werde, informiert Rombach am Montagvormittag. Ob die CDU künftig mitregiere, liege dabei eher in anderen Händen, so sein Fazit.

Hans-Peter Schwer, SPD, Schönwald
Hans-Peter Schwer, SPD, Schönwald
  • Hans-Peter Schwer sitzt in Schönwald für die SPD im Gemeinderat. Das Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl habe ihn nicht wirklich überrascht, auch dass die CDU Federn lassen musste, sei absehbar gewesen. „Ich habe eigentlich sogar damit gerechnet, dass es weiter abwärts geht“, räumt er ein. Er sehe viel Missmut in der Bevölkerung, auch über die Bundespolitik. Überrascht habe ihn allerdings das sehr gute Abschneiden der Grünen – „deren Ideen sind zum Teil schon sehr weit links“, findet der Bürgervertreter.

Adalbert Oehler, CDU, Schönwald
Adalbert Oehler, CDU, Schönwald
  • Adalbert Oehler, seit mehr als 30 Jahren CDU-Vorsitzender in Schönwald, gab sich nicht überrascht: „Ich habe zwar ein schlechtes Ergebnis für uns erwartet – aber nicht, dass es so weit geht“, kommentiert er im Gespräch mit unserer Zeitung. In der Kommunalpolitik sehe er keine Schuld, auch sei die Strategie zur Landtagswahl in Ordnung gewesen. Am Meisten geschadet habe sicher das „Hin und Her“ bei der Bekämpfung der Pandemie. „In Baden-Württemberg hat man definitiv Winfried Kretschmann gewählt“, bilanziert Oehler. Eigentlich überrascht sei er lediglich vom sehr guten Ergebnis der FDP, die auch in Schönwald zugelegt habe – obwohl er sich nicht bewusst sei, den Kandidaten Frank Bonath jemals vor Ort erlebt zu haben.