Eine Enttäuschung gibt es für die Freunde des Waldsportbads: Nachdem eigentlich schon nach der aktuellen Badesaison der Umbau der Einrichtung beschlossene Sache war, legte nun die Stadtverwaltung im Gemeinderat neue Zahlen vor. Fazit: Die Stadt hat kein Geld für die Sanierung des Waldbades.

Nachdem zunächst düstere Zahlen im Haushalt aufzeigten, dass die Stadt finanziell derzeit auf sehr wackeligen Beinen unterwegs ist (siehe untenstehender Bericht), zeigte Bürgermeister Gallus Strobel in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 21. Juli, neue Zahlen für die geplante Sanierung auf.

Nach der früheren Kostenschätzung von 3,8 Millionen Euro liege nun eine Kostenberechnung vor, die schon bei 4,5 Millionen Euro liege – die derzeitigen Baupreise allerdings legten nahe, dass man mit einer weiteren Kostensteigerung um rund 20 Prozent rechnen müsse – wodurch Gesamtkosten von 5,4 Millionen entstünden bei einem dann zu finanzierenden Eigenanteil von 2,6 Millionen Euro.

Die ab September 2021 geplante Sanierung des Waldsportbads ist aufgrund der immensen Kostensteigerungen für die nächsten paar Jahre vom Tisch, da die Stadt vor weiteren hohen Investitionen steht. Bild: Hans-Jürgen Kommert
Die ab September 2021 geplante Sanierung des Waldsportbads ist aufgrund der immensen Kostensteigerungen für die nächsten paar Jahre vom Tisch, da die Stadt vor weiteren hohen Investitionen steht. Bild: Hans-Jürgen Kommert

Höhere Zuschüsse als die insgesamt zugesagten 1,83 Millionen Euro seien auf keinen Fall möglich. Allerdings sei eine Verschiebung um ein Jahr „förderungsunschädlich“. Zusätzlich sei aber zu bedenken, dass die Stadt daneben Maßnahmen wie die Umgestaltung des Kurparks weiterführe und den Neubau der Friedhofskapelle umsetze. Zugleich stünden in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen im Feuerwehrwesen an.

Daher müsse man schweren Herzens zum jetzigen Zeitpunkt von der Sanierung des beliebten Bads Abstand nehmen und die Zuschüsse zurückgeben. Das Bad werde in bisheriger Art weitergeführt, zugleich prüfe Bautechniker Sven Ketterer die Möglichkeit, durch eine Fachfirma Injektionen unter dem maroden Becken zur Stabilisierung durchführen zu lassen. Im Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung hieß es ursprünglich, die Sanierung wird aufgegeben – auf dringlichen Antrag von Klaus Wangler (CDU), dem die Ratsmitglieder mehrheitlich zustimmten, wurde das geändert auf „zurückgestellt“.

Es täte auch dem Gremium weh, so Wangler. Mit den zunächst eingeplanten Zuschüssen von 45 Prozent hätte man trotz angespannter Haushaltslage sanieren können. Doch obwohl man das Vorhaben stetig abgespeckt habe, stünden nun 5,4 Millionen Euro im Raum, so dass bei der angespannten Haushaltslage auf die Sanierung verzichtet werden müsse. In der abgespeckten Version fehle sowieso vieles, vielleicht könne man in vier bis fünf Jahren eine verbesserte Möglichkeit anbieten.

Mit einer Träne im Auge schließe sich die Fraktion der Freien Wähler dieser Darstellung an, so Fraktionssprecher Michael Hummel. Eine jetzige Durchführung würde die Stadt auf Jahre hinaus der finanziellen Handlungsfähigkeit berauben.

Dem widersprach Susanne Muschal (SPD). Sie unterstrich die Bedeutung des Waldsportbads für die Bevölkerung, die Schulen, Reha-Patienten und den Tourismus. Es wäre ärgerlich, nun 1,83 Millionen Zuschuss zu verlieren. Sie machte darauf aufmerksam, dass die Verschiebung um ein Jahr ebenso „förderunschädlich“ sei wie eine Umplanung. So könnte zum Beispiel das neue Becken direkt ins vorhandene eingesetzt werden. „Wenn wir das jetzt nicht machen, war es das mit der Sanierung des Waldsportbads, alles andere wäre Augenwischerei“, so Muschal. Die Frage müsse nicht lauten, ob man sich das Bad leisten könne, sondern ob man es sich gegenüber der Bevölkerung leisten könne, das Bad zu schließen.

Burkhart Müller (CDU) wollte wissen, ob es möglich wäre, die für die Badsanierung bereit gestellten Rücklagen von einer Million Euro mit einem Sperrvermerk „Waldsportbad“ zu versehen. Am Ende stand ein Mehrheitsbeschluss mit elf Stimmen zur Verschiebung des Umbaus und zur Weiterführung wie bisher.

Auf die Frage, ob dann auch die frühzeitige Schließung der Einrichtung zum 31. August erledigt sei, erklärte Verwaltungsmitarbeiter Werner Breig: „Wir haben diesen Termin gewählt, weil wir in der ersten Septemberwoche anfangen wollten mit der Sanierung. Ob länger oder gar kürzer geöffnet wird, hängt immer auch von der Witterung ab – wie in den Jahren davor.“