Die Rotarierin Ingrid Schneider-Winter aus Müllheim im Markgräflerland ist eng mit dem Projekt „Haus der Hoffnung“ in Nepal verbunden. Die pensionierte Pädagogin arbeitete auch schon in einem der Kinderheime. Sie hatte dem Rotary-Club Furtwangen-Triberg die Situation in Kathmandu und speziell in den Kindereinrichtungen kürzlich in einem Vortrag nähergebracht.

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Für Club-Präsident Uwe Vollmer war klar: Für das Projekt sollte der RC Furtwangen-Triberg ebenfalls einen Beitrag leisten. So kam es zur Spendenübergabe stellvertretend an Ingrid Schneider-Winter. „Wir waren im ständigen Austausch über die Frage nach der zur Zeit sinnvollsten Verwendung des Geldes“, berichtet der Präsident. Letztlich wurde entschieden, Laptops und Gitarren für die Kinder anzuschaffen.

Bild: Rotary-Club

Wegen Corona waren in Nepal bis zuletzt wieder die Schulen zu, zeitweise gab es eine totale Ausgangssperre – eine extreme Herausforderung für Einrichtungen wie das „Haus der Hoffnung“. Mit den aus dem Schwarzwald gespendeten Laptops konnte Online-Unterricht stattfinden. Die neuen Instrumente kamen bei den Kindern und Jugendlichen bestens an, sie hatten sich die Gitarren gewünscht. „Der Verein freut sich sehr darüber, dass er dank dieser Spende die musische Erziehung entscheidend fördern kann“, sagte Vereinsvorsitzende Ellen Dietrich.

Die neuen Gitarren sorgen für große Freude im „Haus der Hoffnung“.
Die neuen Gitarren sorgen für große Freude im „Haus der Hoffnung“. | Bild: Rotary-Club

Ingrid Schneider-Winter findet, dass man hierzulande von den Nepalesen viel lernen kann. Trotz aller Probleme seien die nämlich immer hoffnungsvoll und schauten auch in der größten Not immer nur nach vorne. Sie sagt zusammenfassend: „Immer wieder werden die Menschen in diesem Land in ihren Bemühungen um ein besseres Leben zurückgeworfen, sei es durch Erdbeben wie 2015 oder aktuell durch die Corona-Krise. Und immer bleiben sie zuversichtlich und suchen nach Lösungen.“

Ingrid Schneider-Winter aus Müllheim berichtet Präsident Uwe Vollmer von den Rotariern Furtwangen-Triberg vom Nepal-Projekt.
Ingrid Schneider-Winter aus Müllheim berichtet Präsident Uwe Vollmer von den Rotariern Furtwangen-Triberg vom Nepal-Projekt. | Bild: Rotary-Club

Internet: http://www.hausderhoffnung-nepal.de

Armes Land ist in der Pandemie hilflos

  • Das Hilfsprojekt: Um Menschen im Himalaya-Staat zu unterstützen, wurde vor 23 Jahren der Verein „Haus der Hoffnung“ gegründet. Er übernahm seinerzeit eine kleine Einrichtung für die Betreuung von 14 Kindern und Jugendlichen aus ärmlichen Verhältnissen und entwickelte diese kontinuierlich weiter. Vor Ort ist er unter dem Namen „Self Help Nepal“ registriert. Inzwischen gehören zum „Haus der Hoffnung“ drei Einrichtungen in Kathmandu, in denen über 150 bedürftige Kinder und Jugendliche aus ganz Nepal eine Chance auf Bildung erhalten. Für diese spendete der Rotary-Club (RC) Furtwangen-Triberg jetzt einen Betrag in Höhe von 2600 Euro.
  • Wirtschaftliche Lage: Nepal ist ein Entwicklungsland. Der Internationale Währungsfond listet den Staat nach seinem Bruttosozialprodukt aktuell auf Rang 144 von 188 Ländern. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit unterhalb der Armutsgrenze, fast jedes zweite Kind gilt als chronisch unterernährt. Das höchstgelegene Land im Himalaya-Gebiet ist reich an Natur- und Kulturschätzen, hat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, erlebte 2015 ein katastrophales Erdbeben und leidet aktuell besonders unter der Corona-Krise.
  • Corona-Krise: „Nepal versinkt im Corona-Chaos“ – unter dieser Überschrift sendete die Deutsche Welle erst kürzlich einen Beitrag. Nachdem die explosionsartige Ausbreitung des Coronavirus von Indien nach Nepal übergeschwappt war, kollabierte demnach das Gesundheitssystem des Himalaya-Staates – und das in Zeiten einer politischen Krise. Mitte Mai registrierten die nepalesischen Behörden 9317 neue Infektionen innerhalb von 24 Stunden. Fast täglich wurden neue Höchstwerte gemeldet. Dafür verantwortlich soll die indische Mutante des Coronavirus gewesen sein, die immer häufiger nachgewiesen wurde. Covid-19-Infektionen wurden im ganzen Land registriert, darunter auch in den Basislagern am Mount Everest und am Achttausender Dhaulagiri. Im Verhältnis zu den Bevölkerungszahlen stieg die Infektionskurve in Nepal inzwischen stärker an als in Indien. Tausende Menschen starben nach Covid-Infektionen.
  • Medizinische Versorgung: Das nepalesische Gesundheitssystem ist nicht leistungsfähig, wie immer wieder berichtet wird: Während zum Beispiel in Deutschland auf 200 Einwohner ein Arzt kommt, werden in Nepal im Schnitt 140.000 Menschen von einem einzigen Mediziner versorgt. Nach einem Bericht der Behörden vom Mai 2020 standen für die fast 30 Millionen Einwohner Nepals gerade einmal 1595 Betten auf Intensivstationen und 480 Beatmungsgeräte zur Verfügung. Hinzu kommt die angespannte innenpolitische Lage: Die kommunistische Regierung ist zerstritten und stark mit sich selbst beschäftigt, sodass ein gutes Corona-Management in der aktuellen dramatischen Situation weiter nicht in Sicht ist.
  • Bandbreite der Hilfe: Das „Haus der Hoffnung“ fördert noch weitere Projekte in der Himalaya-Region und finanzierte zuletzt zum Beispiel Lebensmittelpakete, die dringend benötigt wurden, weil die Bevölkerung in den Dörfern der Tiefebene Terai wegen des Corona-Lockdowns kein Einkommen hatte und Hunger litt. Auch ein Dorf in dem weit im Westen liegenden Distrikt Jajarkot bekam Hilfe. Der Monsunregen, der dieses Jahr bereits im März begann und nicht nachlassen wollte, hatte dort zu Erdrutschen geführt, bei denen zwölf Menschen starben, viele verletzt wurden oder durch das Mitreißen ihrer Häuser ihr ohnehin schon weniges Hab und Gut verloren.