Anhaltende Trockenheit macht nicht nur den Landwirten zu schaffen. Auch der Schienenverkehr kann durch die Witterungsbedingungen beeinträchtigt werden. Die Tunnelfahrten mit einem Dampfsonderzug bei Triberg waren bisher aber nicht von einem Fahrverbot betroffen.

Volle Bahnsteige sind am Triberger Bahnhof eher eine Seltenheit. Doch wenn die Eisenbahnfreunde Zollernbahn gemeinsam mit der Stadt wie jeden Sonntag im Juli und August ihre Schwarzwaldbahn-Erlebnisfahrten anbieten, warteten mitunter nicht nur etliche Bahnfans und Touristen mit gezückten Kameras auf die Einfahrt der historischen Dampflok 50 2988. Auch die Triberger Feuerwehr war mit ihrem neuen Tanklöschfahrzeug vor Ort.

Mit Volldampf in den Bahnhof Triberg: Die historische Dampflok 50 2988 der Eisenbahnfreunde Zollernbahn zieht nicht nur Wagons sondern auch etliche Besucher an.
Mit Volldampf in den Bahnhof Triberg: Die historische Dampflok 50 2988 der Eisenbahnfreunde Zollernbahn zieht nicht nur Wagons sondern auch etliche Besucher an. | Bild: Lukas Nagel

Doch es handelte sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, die nichts mit der Hitze oder der anhaltenden Trockenheit zu tun habe, wie Zugführer Markus Schmidt von den Eisenbahnfreunden im Gespräch mit dieser Zeitung beteuert. „Wir sind heute mit einer anderen Lok als im Normalfall unterwegs, und der Tank fasst weniger Wasser“, erklärt er das Nachfüllen in den 26 Kubikmeter großen Tank.

5000 Liter Wasser als Sicherheitsreserve

5000 Liter des kühlen Nasses pumpe die Feuerwehr nur als Reserve in den Wassertank, damit auf der Strecke von Triberg nach St. Georgen und von dort nach Hausach und zurück in die Wasserfallstadt alles glatt laufe.

„Fatal wäre es, wenn wir mitten auf den Gleisen stehen bleiben würden, weil das Wasser nicht ausreicht“, ­erläutert Schmidt und ergänzt: „Sicherheit steht im Bahnverkehr an erster Stelle. Deshalb greifen wir zu dieser Maßnahme.“ Dampflokomotiven werden mit Kohle und Wasser angetrieben.

Sicherheit ist im Bahnverkehr besonders auch in heißen und trockenen Sommern wichtig. „Mit unseren Dampfloks dürfen wir nur bis Waldbrandgefahrenstufe vier fahren. Ab dann gilt ein Fahrverbot“, klärt der Zugchef auf Nachfrage auf.

Die vom Deutschen Wetterdienst herausgegebenen Daten lägen immer am Freitag vor der jeweiligen Fahrt vor. Am vergangenen Sonntag lag sie für Villingen-Schwenningen bei Stufe zwei. Auch wenn die Waldbrandgefahr nicht akut sei, achte man besonders auf die Sauberkeit des Funkenfängers.

Gottfried Philipp hat Erfahrung beim Kommentieren der besonderen Zugfahrten: An seinem Arbeitsplatz zeigt er den ersten Flyer für die Dampfsonderzüge aus dem Jahr 2003.
Gottfried Philipp hat Erfahrung beim Kommentieren der besonderen Zugfahrten: An seinem Arbeitsplatz zeigt er den ersten Flyer für die Dampfsonderzüge aus dem Jahr 2003. | Bild: Lukas Nagel

Gottfried Philipp, der seit Jahrzehnten die Tunnelfahrten im Auftrag der Stadt moderiert, ist froh, dass auch im Sommer Dampfloks für die besonderen Fahrten eingesetzt werden. „Angefangen hat alles mit einem Schienenbus der Deutschen Bahn“, sagt Philipp. „Es war vor mehr als 25 Jahren nicht ohne weiteres möglich, mit Dampfloks zu fahren.

Bis 1985 galt sogar ein von der Bahn verhängtes Verbot“, erinnert sich der Schonacher. Seit 2003 gebe es jedoch die Fahrten mit einer Dampflok, deren Reiz größer sei als der eines Schienenbusses. Gottfried Philipp wies die Mitfahrer nicht nur auf landschaftliche Besonderheiten hin, sondern hatte auch Hintergrundinfomationen zur Baugeschichte der Schwarzwaldbahn in petto.

18 Tunnels auf einem kurzen Abschnitt

Vom Bahnhof der Wasserfallstadt ging es nach St. Georgen. Dieses tunnelreiche Stück der Schwarzwaldbahn wolle man den Besuchern nicht vorenthalten. „Ganze 18 Tunnels gibt es auf diesem kurzen Streckenabschnitt“, informiert Philipp.

In der benachbarten Bergstadt wurde die Lok, deren Besatzung aus Lokführer Pirmin Lexer, Heizer Florian Kienzler und Lotse Horst Buck bestand, dann umgekoppelt. Von St. Georgen ging es nach Hausach, von dort aus trat der Zug die Heimfahrt nach Triberg an.

Der Waldbrandgefahrenindex WBI beschreibt das meteorologische Potenzial für die Gefährdung durch Waldbrand. Er zeigt die Gefahr in fünf Stufen an. Während der Waldbrandsaison in Deutschland, die normalweise von März bis Oktober dauert, stellt der Deutsche Wetterdienst täglich aktualisierte Waldbrandgefahrenprognosen bereit.

Die Berechnung des WBI erfolgt auf der Grundlage stündlicher Werte. Als Eingangsdaten in das Berechnungsmodell werden Lufttemperatur, relative Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsmenge sowie die kurz- und langwellige Strahlung der Atmosphäre verwendet.