Für Jungimker gab es jetzt einen Hygienekurs. Vom Kreisvorsitzenden Bernd Möller aus Königsfeld wurden die Neulinge dabei auch über den Honig, seine Bestandteile und seine Bedeutung aufgeklärt.

„Honig ist ein von Honigbienen zur eigenen Nahrungsvorsorge erzeugtes und vom Menschen genutztes Lebensmittel aus dem Nektar von Blüten oder den zuckerhaltigen Ausscheidungsprodukten verschiedener Insekten, dem sogenannten Honigtau“, erläuterte der Bienensachverständige.

Mehr als nur Pflanzensaft

Für den Experten ist Honig ein Lebensmittel mit geradezu unglaublichen Fähigkeiten. Es sei mehr als nur Pflanzensaft, Zuckergemisch oder ausgeschiedene, nicht verdauliche Restbestandteile einer Läusenahrung – wobei der Honigtau nicht den Darm passiert, sondern über einen Bypass direkt entsorgt wird. Nein, Honig sei ein „lebendes Nahrungsmittel“, das erst nach der Bearbeitung der Grundsubstanzen im Honigmagen der Biene entsteht.

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Bienen können durch ein Enzym die Anteile der verschiedenen Zuckerarten beeinflussen. Fructose und Glukose machen fast 70 Prozent aus. Die Saccharose, aus der Industriezucker praktisch komplett besteht, ist im Honig mit nur einem Prozent vertreten, Maltose und andere Doppelzucker machen gut sieben Prozent aus. Mehrfachzucker sind mit gut einem Prozent enthalten. Wer nun scharf nachrechnet, stellt fest, dass man da noch keine 80 Prozent damit erreicht hat. Der Rest sei Wasser, so der Experte.

Gesetz regelt die Ernte

Entnommen werden darf Honig erst nach der Reifung, denn wenn die Honigbiene ihr Erzeugnis einlagert, besteht dieser zunächst aus sehr viel Wasser, das die Stockbienen durch Erwärmung langsam entfernen. „Honig darf laut Gesetz erst dann geerntet werden, wenn der Feuchtigkeitsgehalt unter 20 Prozent liegt.

Der Verband der Imker geht noch weiter und verlangt weniger als 18 Prozent. Je geringer der Wassergehalt, desto zähflüssiger ist der Honig – und desto länger ist er haltbar“, erklärt der Spezialist. Denn ist der Wassergehalt zu hoch, neigt der Honig zum Gären und kann dann nur noch in Likör oder im Met Verwendung finden.

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Wichtig für den Menschen ist in erster Linie die Glukose, also der Traubenzucker, denn jegliche Muskulatur kann ausschließlich mit diesem Zucker arbeiten. Traubenzucker geht direkt, ohne jede Verdauungstätigkeit ins Blut über und ist somit innerhalb weniger Minuten nachweisbar. Allerdings benötigt der Körper dazu Phosphorsäure – die im Honig bereits in genau der richtigen Dosierung vorhanden ist.

Interessant für Diabetiker

Der enthaltene Fruchtzucker (Fructose) ist vor allem für Diabetiker interessant – er ist insulin-unabhängig. Er wird als Glykogen in Leber und Muskulatur gespeichert und bei Bedarf als Glukose in Blut oder Zellen abgegeben.

Weitere freiwerdende Stoffe wie Milchsäure, Brenztraubensäure oder organisches Phosphat regen die Herztätigkeit an. Weiterhin enthält Honig Cholin, einen Stoff, der die Leber schützt.

Enzyme bleiben im Darm wirksam

Honig enthält eine Vielzahl weiterer Enzyme. Diese machen einen guten Teil seiner Bedeutung für die menschliche Ernährung aus. Honigkolloide schützen diese Enzyme vor vorzeitiger Denaturierung und Abbau durch Proteasen. Hierdurch können sie lange im Darm wirksam bleiben. Zum Teil werden sie wohl auch durch Carrier-Mechanismen von den Darmzellen aufgenommen.

Enzyme denaturieren jedoch ab 42 Grad Celsius, sie erleiden Hitzeschäden, daher sollte Honig keinesfalls höher erhitzt werden. Honig kann aber über viele Jahre ohne Qualitätseinbußen gelagert werden.

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Vielerlei Mineralstoffe, Spurenelemente, organische Säuren sowie Hormone sind im Honig enthalten, was aber sehr stark von der Art des Honigs, vom Standort und den Pflanzen abhängig ist – daher lassen sich europäische Honig im Gegensatz zum neuseeländischen Manuka-Honig praktisch nicht standardisieren.

Schlechter ist er deshalb noch lange nicht, er verfügt laut Bernd Möller über nahezu identische Fähigkeiten. Inhibine sowie Vitamine ergänzen die Inhaltsstoffe. Inhibine greifen in den Stoffwechsel von Bakterien, Hefen und Pilzzellen ein. Sie wirken bakteriostatisch, hemmen somit die Vermehrung dieser Zellen oder gar bakterizid, töten diese also ab.