Triberg – Wieder einmal hat er zugeschlagen als Autor, allerdings ist er diesmal eher in zweiter Reihe: Dieter Stein tritt als Co-Autor des bekannten Krimi-Autors Ernst Obermaier auf. Mit dem Historienkrimi „Volldampf Schwarzwaldbahn“ um deren Erbauer Robert Gerwig treffen die beiden den Nerv dieser Tage, denn rechtzeitig zu den Schwarzwaldbahntagen am kommenden Wochenende stellten sie nun den Krimi im holzgeschnitzten Triberger Rathaussaal vor.

Obermaiers letzter Krimi „Wer mordet schon im Schwarzwald?“ stieß auf eine sehr gute Resonanz, daher sei er geradezu versessen gewesen, einen weiteren Krimi in die Region Triberg zu platzieren, erzählt Obermaier. Doch da er sich ausgerechnet die Zeit um den Bau der Schwarzwaldbahn auserkoren hatte, suchte er einen Co-Autor, der ihm mit dem Lokal- und Zeitkolorit auf die Sprünge helfen sollte. Hier stieß er auf den Triberger Heimatschriftsteller, Lebenskünstler und Hintergässler Dieter Stein, den er allerdings zunächst überreden musste. „Wir wollen nicht die Kluftingers des Schwarzwalds werden“, betonen die beiden Autoren im Gespräch. Vielmehr stehe die Genialität Gerwigs im Mittelpunkt der Betrachtungen, zugleich würdigen sie den Mann in einer nie erschienenen kriminalistischen Form. Hatte doch der Bau dieser Eisenbahnlinie mit ihrer Fertigstellung 1873 einen entscheidenden Einfluss auf diese Region.

Es gelang den Autoren ein wirklichkeitsnahes Bild vom Leben und Arbeiten des Ingenieurs mit dem Schwerpunkt 1871 bis 1873 zu zeichnen. Sie hielten sich eng an die überlieferten Daten und Fakten, obwohl ein Großteil der Unterlagen zu Gerwig 1942 bei einem Luftangriff in der Landesbibliothek von Karlsruhe verbrannten.

Fündig wurden die Autoren im Privatarchiv des Tribergers Werner Oppelt. Darin vor allem die Nachforschungen von Albert Kuntzemüller, die er in seinem Buch “Robert Gerwig„ 1949 im Freiburger Verlag von Erwin Burda veröffentlichte. Die Einblicke dieses Autors in die Archive von Luzern und Bern der Schweizerischen Bundesbahnen und dem Eidgenössischen Bundesarchiv lieferten Hintergrundmaterial zu Gerwigs Tätigkeit als Oberingenieur der Gotthardbahn.

Stein interviewte dazu sogar noch Nachkommen der damaligen italienischen Bauarbeiter und der Triberger Schwarzwaldbahn-Experte Armin Kienzler lieferte neben fundiertem Fachwissen auch einige historische Fotos.

Schlussendlich tritt ein weiterer Triberger in Erscheinung: Für das Titelbild konnte man Stadtmarketingleiter Nikolaus Arnold gewinnen. Diesen hatte einst der aus Gremmelsbach stammende Fotograf Michael Kienzler für das begleitende Buch zum im Jahr 2010 im Triberger Kurhaus aufgeführten Musical „Gerwig“ in der Uniform eines Schaffners der Großherzoglich Badischen Eisenbahn abgelichtet. Das Musical stammt aus der Feder von Rolf „Royce“ Langenbach und Peter Bruker.

Gerade für Eisenbahnfreunde ist der etwas andere Krimi ein sehr lesenswertes Buch, das zur Überbrückung langer Wartezeiten bei den Verlagen in einer vorerst kleineren Auflage im Selbstverlag Dieter Steins erschienen ist. „Mein erstes Buch mit ISBN-Nummer“, schmunzelt Stein.

Erhältlich ist das Buch in der Triberger Buchhandlung Schönenberger, per E-Mail unter volldampfschwarzwaldbahn@t-online.de sowie selbstredend bei den Schwarzwaldbahntagen, die am kommenden Wochenende steigen, beim Triberger Bahnhof.

Der Krimi

Im Jahr 1871: Der in Karlsruhe geborene Robert Gerwig wartet auf seine Anstellung als Oberingenieur bei der schweizerischen Gotthardbahn. Ein italienischer Arbeiter stürzt von der Hornberger Eisenbahnbrücke. Seine schwangere Freundin aus Deutschland verjagt der Vater vom Hof und ein Flößer ist unglücklich in sie verliebt. Diebstähle, Vergewaltigung, Sabotage und ein Mord im Triberger Hotel „Ochsen“, dem jetzigen Parkhotel Wehrle, beschäftigen die örtliche Polizei auf der Suche nach dem Mörder.