Triberg – Leicht verärgert präsentierte Bürgermeister Gallus Strobel den zweiten Quartalsbericht des Jahres dem Gemeinderat. Nicht alles lief in diesem Quartal zufriedenstellend.

  • Neue Belastungen: Gewerbesteuer-Rückzahlungen in Höhe von 195  000 Euro treffen den Verwaltungshaushalt empfindlich, zumal durch die Verzögerungen beim Bau des Parkdecks Badinsel erhebliche Mindereinnahmen zu erwarten seien, so der Verwaltungsleiter bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Ebenso stünden Mehrausgaben von ebenfalls 195  000 Euro für den Bau des Parkdecks ins Haus. Und damit nicht genug, fällt der Zuschuss für die Stadtsanierung um 31  000 Euro geringer aus, da weniger Parkplätze als geplant realisiert werden können. Von diesen Veränderungen abgesehen entwickle sich der Haushalt noch planmäßig. Keine Abweichung ergab sich hinsichtlich der Eigenbetriebe Wasserversorgung und Tourismus. Der Stadtrat nahm die finanziellen Entwicklungen zur Kenntnis.
  • Neues Haushaltsrecht: Ein ebensolches Ärgernis stellt für Strobel die Umstellung der bisherigen kameralistischen Haushaltsführung auf die doppelte Buchhaltung dar, die so genannte Doppik. Er habe so lange als irgend möglich an der Kameralistik festgehalten, nun aber sei dies nicht mehr möglich. Allerspätestens bis Januar 2020 müsse die Haushaltswirtschaft auf das Neue Kommunale Haushaltsrecht (NKHR) umgestellt werden. Das neue Haushaltsrecht orientiere sich im Wesentlichen an der Buchführung von Unternehmen und solle eine effizientere Mittelbewirtschaftung ermöglichen. „Alle, die das schon eingeführt haben, jammern darüber – schließlich müssen zum Teil erhebliche Abschreibungen erwirtschaftet werden“, ärgerte sich Strobel.
  • Externe Berater nötig: Wesentliche Grundlage zur Erstellung der Eröffnungsbilanz sei die Vermögensbewertung. Demnach sind alle Vermögensgegenstände mit Anschaffungs- und Herstellungskosten zu bewerten, jeweils abzüglich der Abschreibungen. Die dazu notwendigen Arbeiten zur erstmaligen Bewertung seien sehr aufwändig, weshalb die Stadtverwaltung vorschlage, dazu einen externen Dienstleister heranzuziehen, der die prüfungssichere Erfassung und Bewertung der Vermögenswerte vornimmt. Zwei Angebote lagen vor, das günstigere stammt von der Firma Rödl und Partner zum Nettopreis von 28  500 Euro. Dazu bieten die Fachleute die Möglichkeit, die Mitarbeiter der Stadt Triberg im Rahmen eines Coachings zu begleiten, dazu mit dem Gemeinderat Klausurtagungen durchzuführen. Die Beratertage werden einheitlich zum Tagessatz abgerechnet, die bei Rödl und Partner mit 1000 Euro pro Tag zu Buche schlagen. Mittel in Höhe von 30  000 Euro seien im Haushalt eingestellt, dazu sei geplant, in die Haushalte 2019 und 2020 weitere Mittel einzubringen, hieß es in der Sitzung.
  • Reaktion der Räte: „Wird die doppelte Buchführung deutschlandweit eingeführt oder ist das ein Alleingang in Baden-Württemberg?“ Das wollte Susanne Muschal (SPD) wissen. Generell betreffe das ganz Deutschland, wurde sie von Verwaltungsmitarbeiterin Christin Rinnus aufgeklärt, es gebe aber noch Ausnahmen. Es sei nicht alles gut, was aus der Wirtschaft kommt, wusste Muschal – gerade in Kommunen könne man nicht immer Spitz auf Knopf rechnen. Klaus Nagel (FWV) schloss sich den klaren Worten des Bürgermeisters zu diesem Thema an. Fridhelm Weber (SPD) fragte wegen der Klausurtagung an – die könne durchaus auch erst im nächsten Jahr stattfinden, auf jeden Fall aber vor dem ersten Haushalt nach Doppik, versicherte ihm der Bürgermeister. Der Gemeinderat schloss sich den Ausführungen einstimmig an, so dass die Firma Rödl und Partner beauftragt werden kann.