Zuletzt erhitzte der Stacheldraht um den geplanten Greifvogelpark die Gemüter. Kaum ist der zurückgebaut, gibt es erneut Proteste. Geht es nach der Tierrechtsorganisation Peta, ist damit noch lange nicht Schluss.

Es ist Punkt 12 Uhr, als sich die sieben Demonstranten vor dem Triberger Rathaus positionieren. Drei von ihnen haben sich Sträflingskleidung und Gummimasken übergeworfen, ihre Hände und Füße sind gefesselt. Ihre vier Mitstreiter blicken grimmig drein, halten die Protestplakate in die Höhe. „Die Herrscher der Lüfte gehören in die Freiheit“ oder „Folterpark Triberg stoppen“ steht auf den Schildern.

Initiator dieser stillen Demonstration ist die Tierrechtsorganisation Peta, die sich bereits seit geraumer Zeit gegen den Bau des geplanten Greifvogelparks einsetzt. Als „reine Profitgier“ bezeichnet Sebastian Szogs, Aktionskoordinator bei Peta, die Vorgehensweise des Investors und der Stadt. „Der geplante Park ist ein Gefängnis, in dem Greifvögel und Eulen ein Leben lang eingesperrt oder an Fußfesseln festgebunden sind“, sagt Szogs. Wie zur Bestätigung rasselt einer der drei Demonstranten in Sträflingskleidung mit seinen Ketten.

Der Stacheldraht ist wieder weg. Nun sieht es am Gelände so aus. <em>Archivfoto: Markus Reutter</em>
Der Stacheldraht ist wieder weg. Nun sieht es am Gelände so aus. Archivfoto: Markus Reutter | Bild: Reutter

Dass Stadtverwaltung und Gemeinderat diesbezüglich anderer Meinung sind, ist längst bekannt. Denn das Projekt ist quasi schon in trockenen Tüchern. Mittlerweile, so Hauptamtsleiterin Barbara Duffner auf Nachfrage unserer Zeitung, fehle nur noch die Zoogenehmigung. Man erwarte sie in „absehbarer Zeit“. Auch die bis vor kurzem noch ausstehende Baugenehmigung für das Betriebsgebäude wurde mittlerweile erteilt.

Im Rathaus spürt man daher auch die schwindende Geduld mit den Kritikern. Erst im Dezember sagte Bürgermeister Gallus Strobel hinsichtlich der Diskussion um den aufgestellten Nato-Stacheldraht es sei ihm „zu blöd“ sich weiter zu Peta und ihrem Vorgehen zu äußern. Während der Demonstration blieb das Rathaus bewusst geschlossen. „Wir wollten dem allem aus den Weg gehen, Diskussionen vermeiden“, begründet Duffner den Entschluss der Stadt. Eine Entscheidung, die Szogs freut: „Ein geschlossenes Rathaus ist ja auch eine Reaktion.“

Während des rund einstündigen Protests fallen zwar immer wieder neugierige Blicke von Passanten auf das Schauspiel, viele von ihnen laufen dennoch ohne ein Wort weiter. Der Platz vor dem Rathaus bleibt weitestgehend leer, einige Greifvogelpark-Gegner schießen Fotos oder sichern ihre Unterstützung zu. So wie Elisabeth Spath, die zwar nicht mehr in Triberg lebt, hier aber aufgewachsen ist. „Das ist doch alles rückläufig – Zoos, Parks“, stellt sie den Profit solcher Anlagen in Frage. Sie befürworte einen Naturpark mit Wanderwegen und Vogelführungen, wie es bereits von Peta als Alternative vorgeschlagen wurde.

Doch manch einer reagiert auch wütend. „In Afrika sterben täglich Kinder, das interessiert niemand“, ruft ein Passant im Vorbeigehen in Richtung der Demonstranten. „Da geht’s den Vögeln doch noch gut.“

Nach einer Stunde packen die Demonstranten ihre Sachen. Szogs ist zufrieden, man habe seinen Standpunkt klar gemacht. Er hoffe, dass man die Verantwortlichen noch zum Umdenken bewegt, bevor die letzte Genehmigung erteilt ist. Ob die Proteste irgendwann ein Ende finden? „Wo Tiere leiden, wird Peta einschreiten“, antwortet Szogs. Auch wenn der Park gebaut werde, ändere sich daran nichts.