Herr Strobel, Sie leiten seit 1. Februar 2002 als CDU-Bürgermeister die Geschicke der Wasserfallstadt und wurden am 12. November 2017 mit 95 Prozent der gültigen Stimmen wiedergewählt. Seit wann sind beziehungsweise waren Sie Mitglied bei den Christdemokraten?

Da muss ich ausholen. Bei der Gemeinderatswahl im Oktober 1999 kandidierte ich in meiner Heimatgemeinde Schonach auf der CDU-Liste und wurde gewählt. Aus Freundschaft zu meinen CDU-Kollegen am Ratstisch trat ich damals in die Schonacher CDU-Ortsgruppe ein. Ich fungierte gleich als stellvertretender Fraktionssprecher im Gemeinderat und nach rund einem Jahr war ich auch Ortsverbandsvorsitzender. Dieses Ehrenamt übergab ich später an Herbert Fehrenbach – nach meiner Wahl zum Triberger Bürgermeister im November 2001. Der CDU-Kreisverband meldete mich daraufhin um beziehungsweise beim Stadtverband Triberg an. Von 2004 bis 2014 gehörte ich auch dem Kreistag an. In dieser Zeit war ich zudem im CDU-Kreisvorstand aktiv. Ich lege allerdings Wert auf die Feststellung, dass ich in der Wasserfallstadt von Anfang an sagte, dass ich in Triberg keine Parteipolitik für die CDU machen werde, sondern ein Bürgermeister für alle Bürger bin.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie lange befassten Sie sich mit dem Gedanken, aus der CDU auszutreten?

Sagen wir mal so. Es hat lange gedauert und hat mit der CDU in Triberg überhaupt nichts zu tun. Auch nicht mit der CDU-Landespolitik. Die Bundespolitik war der Grund dafür, sie hat mich in den vergangenen Jahren sehr geärgert, angefangen mit der Griechenland-Rettung, die nicht die Rettung Griechenlands war, sondern die der Banken und dem Flüchtlingsherbst, bei dem für zig Milliarden Euro 1,5 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland geholt wurden. Auch der Bundeskanzler der Republik Deutschland ist an Recht und Gesetz gebunden, steht nicht darüber. Das Schlimme ist, dass das Merkel-Mädchen aus eigener Machtvollkommenheit sich über Gesetz und Recht hinweggesetzt hat und die Milchbubis um sie herum in Vertretung des deutschen Volkes mehr oder weniger mitgemacht haben. Konkret meine ich damit die CDU-Leute. Jetzt haben wir das gleiche Theater wieder: der fahrlässige Umgang mit der deutschen Automobilindustrie und die völlig unsinnige Klimarettung.

Was gab letztendlich den Ausschlag für Ihren CDU-Austritt und wann war der genau?

Meine Austrittserklärung ging bereits im Mai an den Kreisverband. Dessen Vorsitzender, Bundestagsabgeordneter Thorsten Frei, wollte mit mir darüber reden. Das haben wir auch getan. Er konnte mich jedoch nicht umstimmen. Am 12. Juli bekam ich daher die Bestätigung meines Austritts vom Kreisverband. Ein wesentlicher Grund für mein Verlassen der CDU ist auch die Haltung der Bundesregierung zur bereits erwähnten Klimarettung. Es ist doch so: Die Sonne macht weitgehend das Klima der Erde und nicht der Mensch, sein Beitrag ist vernachlässigbar. Ich habe Frau Merkel schon mehrfach geschrieben, was ich von ihren Entscheidungen halte. Sie hat diesbezüglich in den vergangenen Jahren schon mehrere Schriftstücke von mir erhalten. Bereits 2016 habe ich sie aufgefordert, zurückzutreten. Ich habe aber nie eine Antwort erhalten.

Was konkret ärgert Sie denn an der Klimaschutz-Politik der Bundesregierung?

Dass man die Menschen für die Kosten des CO2-Ausstoßes verantwortlich macht, sie abzocken will – das ist unsinnig und es wird immer schlimmer.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie haben Ihre Parteifreunde auf Ihren schon lange von Ihnen angekündigten und nun vollzogenen Austritt reagiert?

Viele haben gesagt, dass sie meinen Schritt verstehen. Es gibt allerdings auch Stimmen, die befürchten, dass ich für sie auf der CDU-Seite nicht weiter kämpfe. Meine Aufgabe ist aber weiterhin Triberg. Mein Austritt ist rein persönlich und hat daher nichts mit meinem Amt zu tun. Ich bin nach wie vor von Herzen Bürgermeister von Triberg. Wir haben Riesenerfolge und es geht weiter, davon bin ich überzeugt. Der Edeka-Markt kommt, der Netto baut schon und auch der Lidl will bauen. Außerdem müssen wir schauen, dass wir 2020 mit der Unterstadt ins Stadtsanierungsprogramm reinkommen und neue Perspektiven aufzeigen, das alles braucht viel Zeit und kostet viel Mühe.

Wie geht es nun weiter? Handeln Sie künftig als parteiloser Bürgermeister oder sind Sie zwischenzeitlich gar schon in eine andere Partei eingetreten?

(lacht) Mitglieder der Triberger Sozialdemokraten (SPD) haben mich gefragt, ob ich nicht in ihre Partei eintreten will. Ich sagte nein. Ich bin froh, dass ich nun aus der CDU raus bin und ich will nirgends mehr rein. Unser früherer Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) sagte immer: „Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit.“ Davon hat sich die heutige Bundespolitik weit entfernt. Ich sehe mich derzeit zu keiner Partei hingezogen. Aber es gibt eine Partei, die Alternative für Deutschland (AfD), die das mit dem Unsinn der Klimarettung verstanden hat. Keine Angst, das heißt aber nicht, dass ich dort Mitglied bin oder werde. Meine Aufgabe heißt, wie schon gesagt, Triberg. Bis 31. Januar 2026 bin ich gewählt. Und ich habe die Absicht, bis dahin mein Amt auszuüben – natürlich vorausgesetzt, ich bleibe gesund.

Befürchten Sie nicht, dass Ihr Rückzug aus der CDU Auswirkungen auf das Verhältnis zum Gemeinderat, dessen stärkste Fraktion nach wie vor die Christdemokraten stellen, sich verschlechtern wird oder das Ganze Auswirkungen im Hinblick auf Zuschüsse für die Stadt haben könnte?

Was den Gemeinderat betrifft, habe ich keinerlei Befürchtungen. Auch sonst nicht. Schon gar nicht in Bezug auf Zuschüsse. Da habe ich keine Sorgen, dass es zum Nachteil für Triberg werden könnte. Es war nie der Stil der baden-württembergischen Landesregierung, sich an der Parteizugehörigkeit eines Bürgermeisters auszurichten. Erwin Teufel ging es als Ministerpräsident beispielsweise nie um Parteipolitik, er wollte stets nur wissen, was der Gemeinderat möchte. Und was Bundesmittel anbelangt (lacht): Die verteilt das Land.