Eine Abordnung der Triberger Gemeinderatskandidaten der Freien Wähler besuchte die Firma Grieshaber Schwarzwaldstahl in der Unterstadt. Das Unternehmen würde gerne expandieren, allein es fehlt eine wichtige Voraussetzung – der notwendige Platz.

Rund 200 Jahre besteht die Firma bereits

Geschäftsführer Cornel Grieshaber erzählte den Bewerbern für einen Gemeinderatssitz einiges über die Geschichte des Unternehmens. Gegründet wurde Grieshaber als Zulieferer für eine stetig wachsende Uhrenindustrie „entweder 1818, dann sind wir schon über 200 Jahre alt – es kann aber auch 1819 gewesen sein, dann sind es gerade 200 Jahre, so ganz genau haben wir das nicht herausbekommen“.

Betrieb immer wieder weiterentwickelt

Irgendwann habe sein Vorfahr mitbekommen, dass man Uhrenbestandteile auch aus Metall fertigen könnte und sei darauf eingegangen. Das Bürogebäude an der heutigen Bundesstraße B  500 sei noch Bestandteil der Gründerzeit. Immer wieder wurde angebaut, auch das Portfolio änderte sich immer wieder – so sei Grieshaber eine der größten Nagelschmieden geworden, auch Ketten oder metallene Blumentöpfe habe man damals gemacht.

Früherer Chef nach Amerika geflohen

Seinerzeit war ein Herr Kammerer Chef, der aber dann vor seinen Gläubigern nach Amerika geflohen sei – er sei „liderlich geworden“, stehe in den Büchern, so der Firmenleiter. Das sei etwa um 1850 gewesen. Größter Gläubiger sei der Furtwanger „Ochsenschlosser“ Grieshaber gewesen, der es dann geschafft habe, die Firma zurück zur Rentabilität zu führen.

Tonnenweise Nägel im Wald vergraben

Die Fertigung von Ketten habe nach dem Ersten Weltkrieg geendet, doch Nägel gab es weiterhin. Mehrere Tonnen habe man im Wald vergraben – und als dann Maschinen abgebaut und als Reparationen zu den Siegermächten gingen, habe man die Nägel ausgegraben und verkauft – und die Maschinen zurückgekauft. Zwischen den Gebrüdern habe es dann irgendwann einen Richtungsstreit gegeben, sodass ein Teil der Drahtwarenproduktion nach Müllheim ausgelagert wurde. In den 1980er-Jahren wurde diese Tochter wieder aufgelöst.

Heute wird hochpräziser Draht erzeugt

Was produziert die Firma heute? „Heutzutage ziehen wir Draht verschiedener Durchmesser und von unterschiedlicher Qualität von knapp unter einem bis zu etwa 16 Millimetern zu exakt definierten Durchmessern mit einer Genauigkeit im Tausendstel-Millimeter-Bereich, aus roh gewalztem Stahl“, klärte der Firmenchef auf.

Kunde in den USA bleibt Schwarzwaldstahl treu

Die Kunden seien zumeist Drehereien, Teile gingen noch heute bis in die USA, wo sie seit Trump einem Strafzoll unterworfen seien. Dennoch sei der dortige Kunde bis dato treu geblieben, da zum einen die amerikanische Konkurrenz entsprechend ihre Preise erhöht habe, die Amerikaner andererseits nicht die geforderte Qualität schafften.

Überschaubare Konkurrenzsituation

Die Masse der Kunden arbeite in der Schweiz, dazu gebe es einige im Großraum Stuttgart sowie im Raum Tuttlingen. Die Konkurrenz-Situation in Deutschland sei im Rahmen – die Mehrzahl ähnlicher Betriebe liege im Saarland, in Baden-Württemberg gebe es nur zwei.

Problematischer Standort mit vielen Brücken

„Fast alle ähnlich gearteten Betriebe liegen an Flüssen, damals war die Wasserkraft unabdingbar.“ Selbst heute sei noch eine Turbine in Betrieb, die bis zu einem halben Megawatt Strom pro Jahr liefere. Nicht jedoch im letzten Jahr, als die Gutach sehr trocken wurde. Problematisch sei die Lage der Firma, die sich über eine erstaunliche Länge hinzieht – die Topografie sei eine Herausforderung. Allein fünf Brücken führen über die Gutach, überall sind schiefe Ebenen zwischen den einzelnen Bauwerken.

Platzbedarf viel größer als das Angebot

Oberhalb des Hauses, wo eine Versicherung eine Agentur betreibt, ist das heutige Ende. Bereits zugekauft habe man das Gelände des Hotels Bären und des darüber liegenden Hauses. Allerdings seien das verhältnismäßig kleine Grundstücke. Man habe wesentlich größeren Bedarf, so Grieshaber beim Firmenrundgang, der erstaunliche Dinge für die Besucher zutage brachte.

Gewerbegebiet Adelheid nicht optimal

Im Anschluss debattierte man noch über Möglichkeiten, Firmen in Triberg zu halten. So äußerte Grieshaber durchaus Kritik zum Gewerbegebiet Adelheid, wo die Grundstücke seiner Ansicht nach eher einen zu kleinen und zudem unglücklichen Zuschnitt hätten – dazu wiederum zumeist mit Gefälle.

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