55 Jahre lebendige Städtepartnerschaft, das ist schon etwas – und wie in den Jahrzehnten zuvor, wurde der unrunde Geburtstag der Partnerschaft in Triberg groß gefeiert. Nach dem Festakt, bei dem der Himmel abschließend Freudentränen vergoss, wurde am Samstag und Sonntag im und um das Kurhaus gefeiert.

Eröffnet wurde der erste Festabend durch Bürgermeister Gallus Strobel, der das Engagement der französischen Künstlerin Saliha Ollivier, der Ehefrau von André Ollivier, dem einstigen Präsidenten des Partnerschaftskomitees in Fréjus, würdigte. Sie präsentierte, wie schon bei der Geburtstagsfeier zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft in Südfrankreich, eine Ausstellung über deren Verlauf. Den musikalischen Rahmen der Ausstellungseröffnung gestaltete die heimische Formation „Bordell-Vielharmoniker“. Sie schaffte es in kürzester Zeit, den Funken überspringen zu lassen.

Nach dem vom Wirteverein der Raumschaft Triberg servierten Abendessen begannen die Freunde von der Côte d’Azur mit ihren sehens- und hörenswerten Auftritten. Dabei wurde deutlich, dass die einstige Kolonialmacht Frankreich für die ehemaligen Kolonien auch Einwanderungsland ist. Moderiert wurden die Darbietungen in Deutsch und Französisch abwechselnd von Francesca Hermann und Sabine Kobek.

Das Programm begann mit dem Chor CIP, denn auch in Frankreich spielen Italiener eine Rolle – der Name steht für „Club Italianiste de Provence“, mithin eine Vereinigung von Menschen mit italienischen Wurzeln. Neben der herausragenden Solistin bestachen Sängerinnen und Sänger mit flotten Arrangements in italienischer und französischer Sprache. Etwas ganz Besonderes ist „Ofafolau 83“, gegründet im Jahr 2009. Die Gruppe besteht aus zehn Kindern und 20 Erwachsenen und gründet sich auf die Kultur und Traditionen der Inselgruppe Wallis und Futuna im Südpazifik. Diese Traditionen in Tanz und Gesang zeigten sie erstmals in Deutschland. Pfarrer Andreas Treuer fand das so motivierend, dass er die Gruppe bat, die sonntägliche Prozession zur Stadtkirche anzuführen. Die Gruppe bot martialisch anmutende Tänze ihrer ursprünglichen Heimat, einst französische Kolonie.

Philippe Rigoulot, Präsident des Partnerschaftskomitees Fréjus, holte sich im Anschluss die Motoren der Organisation seitens der Triberger auf die Bühne, beginnend mit Stadtmarketingleiter Nikolaus Arnold und seinen Mitarbeiterinnen, dazu viele weitere Helfer bis hin zu Sabine Kobek, der Sekretärin des Bürgermeisters. Sie alle wurden mit individuellen Geschenken, darunter auch Muschelketten, die ihnen Mitglieder der Gruppe „Ofafolau“ umhängten, bedacht. Mit einem großartigen Tanzorchester, der Fréjuser Formation „Azur Danse“, bei der Rigoulot am Schlagzeug glänzte, endete der Abend mit Tango und Walzer.

Ausklang mit „Azur Danse“ – die siebenköpfige Gruppe begeistert mit wunderbarer Tanzmusik.
Ausklang mit „Azur Danse“ – die siebenköpfige Gruppe begeistert mit wunderbarer Tanzmusik. | Bild: Hans-Jürgen Kommert

Am Samstag in der Frühe stand für die rund 200 Gäste aus der Partnerstadt Fréjus eine besondere Zugfahrt auf dem Programm. Mit einer historischen Diesellok fuhr der Zug bis Hausach und kehrte dort um. Der Triberger Wolfgang Gissler sorgte in französischer Sprache für Aufklärung über die Schwarzwaldbahn. Diese Fahrt war zugleich der Auftakt zu einem Triberg-Tag, an dem den Südfranzosen auch der Wasserfall und der Greifvogelpark nahegebracht wurden. Derweil hatte der Flohmarkt in der Innenstadt seinen Betrieb aufgenommen. Zahlreiche Besucher schauten sich an, was angeboten wurde. Rege war der Handel bei guten Wetterbedingungen. Auch die Gäste aus Frankreich ergatterten Schnäppchen.

Einen flotten Tanz legen die jungen Triberger Turnerinnen aufs Parkett.
Einen flotten Tanz legen die jungen Triberger Turnerinnen aufs Parkett. | Bild: Hans-Jürgen Kommert
Mit martialisch anmutenden Tänzen aus der einstigen südpazifischen Kolonie Wallis et Futuna besticht die Gruppe "Ofafolau 83".
Bild: Hans-Jürgen Kommert
Der Chor CIP aus Fréjus singt italienische und französische Lieder.
Der Chor CIP aus Fréjus singt italienische und französische Lieder. | Bild: Hans-Jürgen Kommert

Im Festzelt zeigten die jungen Turnverein-Tänzerinnen einen Tanz, bevor der Fréjuser Chor CIP auftrat, um vom Tanzorchester „Azur Danse“ abgelöst zu werden. In der Spothalle ging es zur Sache bei einem Handball-Freundschaftsspiel und vor dem Abendessen sang Carla Landi aktuelle Folk- und Popsongs, unterstützt von Philippe Rigoulot, dem Präsidenten des Partnerschaftskomitees, am Schlagzeug.

Wer am Samstagabend pünktlich zum Auftritt der Partyband „Die Silbertaler“ da war, konnte vor dem Kurhaus noch einmal die Gruppe „Ofafolau 83“ mit ihren rituellen Gesängen und Tänzen erleben. Im Festzelt kochte derweil schon die Stimmung. Die Österreicher mit ihrem Frontmann Oliver Seboth heizten den Gästen bis tief in die Nacht hinein kräftig ein.