Jeder, der mit der Triberger Musikszene vertraut ist, kennt diese Truppe, die mit ihren schrägen Instrumenten schon seit Jahrzehnten im In- und Ausland für Ausgelassenheit, Spaß und beste Unterhaltung sorgt. Anlässlich einer Ehrung, die den Bordellos in diesem Jahr zuteil wurde, resümierte der Laudator: „Ihr seid das Beste, was Triberg jemals an musikalischen Verrücktheiten hervorgebracht hat.“

Die ursprünglich bunt zusammengewürfelte Gruppe, die aus Rudolf Allgeier, Heribert und Joachim Hirt, Martin Kentischer, Siegfried Läufer und Jürgen Maier bestand, hatte im Jahr 1978 nur im Sinn, über die Fastnachtszeit mit ihren zerbeulten Instrumenten durch die Straßen Tribergs zu ziehen, um die Kneipen, Hotels und Cafés mit schrägen Tönen aufzumischen. Doch dabei blieb es nicht, denn ab dem Jahr 1984 nahm die Kapelle mit ihrem einmaligen Namen am ersten Stadtfest in Triberg teil und wurde danach fester Bestandteil des musikalischen Rahmenprogramms.

Auch hier folgte eine Steigerung, denn sogar Auftritte im Ausland waren angesagt. So spielte die Triberger Ausnahmekapelle im elsässischen Kientzheim bei „Mon village en fete“, machte auf Mallorca den „Ballermann“ unsicher und ist auch bis heute in Tribergs Partnerstadt Fréjus höchst erwünscht. Ihr Beitrag zur europäischen Völkerverständigung ist somit eindeutig belegt. Selbst beim großen Erdbeben in Fréjus im Jahr 1993 gelang es den Bordellos mit ihrem humorvollen Spiel, das harte Los der Franzosen etwas erträglicher zu machen.

In der elsässischen Schwendi-Stadt Kientzheim wurden die Musiker aufgrund ihres konzertanten und feinfühligen Spiels sogar zu „lebenslangen Auftritten“ verpflichtet. Besser kann man Völkerverständigung eigentlich nicht praktizieren.

Bei einem Besuch in Straßburg im Jahr 2001 traten die Bordellos sogar zusammen mit dem Startrompeter Walter Scholz auf. Die Liste ihrer Auftritte und Erfolge ließe sich beliebig fortführen, denn sie sind – trotz des heute etwas vorgerückten Alters – aktueller und vitaler denn je. Einige der Gründungsmitglieder spielen sogar noch heute in diesem quirligen 13-köpfigen Team, obwohl auch ständig an den Nachwuchs gedacht wird.

Im Jahr 1986 ziehen die Bordell-Vielharmoniker als musikalische Frösche verkleidet durch die Stadt und spielen gegen eine flüssige Spende jeden an die Wand.
Im Jahr 1986 ziehen die Bordell-Vielharmoniker als musikalische Frösche verkleidet durch die Stadt und spielen gegen eine flüssige Spende jeden an die Wand.

Mit den Tribergern Andreas Hehl und Bernd Schätzle sowie Hans-Paul Herr aus Schonach, Rüdiger Merz aus Rottweil und Rolf Papirnyik aus Haslach konnten in den vergangenen Jahren fünf Vollblutmusiker verpflichtet werden, die – ganz im Sinne der Vereinsgründer – für jede Verrücktheit zu haben sind.

Im olympischen Jahr 2004 überraschten die selbsternannten Notenquäler mit einer Festschrift, welche sie anlässlich ihres 26-jährigen Jubiläums herausgebracht haben. Selbstbewusst verblüfften die pfiffigen Musikanten die Öffentlichkeit mit dem Ausspruch „Wer uns nicht kennt, ist selber schuld“.

Warum im Jahr 2004 gerade das 26-jährige und nicht das üblicherweise 25-jährige Bestehen gefeiert wurde, war nicht zu erfahren. Böse Zungen behaupten, dass sich die Akteure, viele von denen Lehrer sind, damals schlicht und einfach verzählt hatten. Dieses Jubiläum wurde mit großem Pomp und zahlreichen Gästen in der „Lilie“ in Triberg gefeiert. Der Erfolg dieses Spektakels war kaum zu überbieten: Das überfüllte Gasthaus bebte, weil die Jubilare mit ihren Instrumenten von Etage zu Etage und von Ecke zu Ecke zogen, um bei Einheimischen wie Gästen erstklassige Stimmung zu verbreiten.

So wird es auch beim „40er-Fest“ mit Sicherheit hoch hergehen, und die Kultkapelle wird ihr gesamtes Repertoire von Dixi über Schlager bis hin zur Volksmusik zum Besten geben. Man darf gespannt sein, was die Bordellos den Gästen präsentieren werden. Mit Sicherheit wird Louis (Satchmo) Armstrongs „Ice Cream“ auf dem Programm stehen. Dieses Lied, das von Jürgen Maier mit seinem Megaphon unnachahmlich begleitet wird, kann fast schon als Erkennungsmelodie der Bordellos bezeichnet werden.

Das 40er-Fest findet am Sonntag, 17. Juni, bei freiem Eintritt von 11 bis 17 Uhr im Festzelt auf dem Parkplatz des Gasthauses „Lilie“ in Triberg statt.