Eine Wanderung der besonderen Art fand im Schwarzwaldmuseum in Triberg statt. Denn auf Einladung des SPD-Ortsvereins Triberg nahm der Kabarettist Martin Wangler alias Fidelius Waldvogel die zahlreichen Besucher mit auf eine Reise unter dem Motto „Zwischen Himmelreich und Höllental“.

Erlös geht ans Museum

Nach der Begrüßung durch die Museumsleiterin Angelika Offenburger ergriff der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Friedhelm Weber, das Wort und stimmte die Gäste gut gelaunt auf den Abend ein. Zur Freude des Publikums erklärte Weber, dass der Erlös der Veranstaltung in voller Höhe dem Museum zugute kommt. Lange vor dem offiziellen Beginn um 20 Uhr hatte das Museumcafé geöffnet, damit sich die Besucher des Kabaretts vorab an einem kalten badischen Büfett laben konnten.

Ab und zu greift der Fidelius auch zur Quetschkommode oder Gitarre.
Ab und zu greift der Fidelius auch zur Quetschkommode oder Gitarre. | Bild: Dieter Stein

Schauspielausbildung in Salzburg

Der 1969 in Breitnau geborene Martin Wangler – alias Fidelius Waldvogel -, der seine Schauspielausbildung am Mozarteum in Salzburg abschloss, ist auch den Fans der SWR-Fernsehserie „Die Fallers“ längst bekannt. Als nicht erst gemeinter Hinweis auf dieses Event meinte der Künstler: „Ihr braucht nur am Sonntag um 19.15 Uhr den Fernseher einschalten. Schauen braucht ihr nicht, Hauptsache die Quote stimmt.“

Bodenständiger Ur-Schwarzwälder

Wer die Meinung vertritt, dass die Mundart immer mehr in Vergessenheit gerät, der irrt, denn der bodenständige Ur-Schwarzwälder, Bauer, Wilderer und Naturbursche Waldvogel lehrte die Gäste eines Besseren.

Wahre Renaissance für die Mundart

In seinem mit zahlreichen Höhepunkten gespickten Mundart-Kabarett erlebte der Dialekt eine wahre Renaissance. Waldvogel ging bewusst auf sein Publikum ein und mischte sich auch gerne unters Volk. Ab und zu griff der Fidelius auch zur Quetschkommode oder Gitarre.

Kerniger Sprüche

Aus dem Blickwinkel eines Schwarzwälder Urgesteins betrachtete der Kabarettist seine Umgebung. Dabei ließ er in seinen kernigen Sprüchen kein Klischee aus, persiflierte unter anderem den täglichen Überlebenskampf als armer Milchbauer im „hohen Walde“.

Bei "Oh Tannenbaum..." singen alle mit

Als enthusiastischer Bürger seiner kleinen Heimatgemeinde Breitnau stimmte Waldvogel das wilde Lied an: „Ich komm us Breitnau …“ – und animierte das Publikum zum Klatschen und Mitsingen, was aber anfangs nicht gelingen wollte. Erst als Waldvogel die Gäste mit dem Weihnachtslied „Oh Tannenbaum…“ verwöhnte, war der Knoten geplatzt, und es wurde euphorisch mitgesungen und geklatscht. Mit ein Höhepunkt war Wanglers „Speck-Ess-Seminar“, das die Gäste förmlich von den Sitzen riss.

Globalisierung auch im Wald

Programmgemäß kam selbstredend das Höllental nicht zu kurz, denn hier wusste der Künstler: „Die Globalisierung macht auch vor dem Wald nicht Halt, denn es werden bereits Nacktwanderungen angeboten.“

"Gnadenlos badisches Programm"

Dass auch der Wolf wieder Einzug in unsere Wälder hält, war Wangler längst bekannt. „Zumindest derjenige aus Stuttgart kommt uns Badener immer näher“, war sein Tenor. So zog Wangler in seinem „gnadenlos badischen Programm“ sämtliche Register seines Könnens und präsentierte einen bodenständigen und schnörkellosen Auftritt.

Keine Scheu vor leiseren Tönen

Aber auch leisere Töne hatte der Kabarettist in seinem Repertoire. Und das macht den unkomplizierten Schwarzwald-Comedian so sympathisch. Der Entertainer kam um eine Zugabe nicht herum, und so wechselte er sogar das Instrument. Mit einer Drehorgel des Museums stimmte er kurzerhand den „Schneewalzer“ an.

SPD freut sich über "großen Wurf"

„Mit der Verpflichtung von Fidelius Waldvogel ist uns wieder ein großer Wurf gelungen“, meinte übereinstimmend das Gremium der SPD. Und Museumsleiterin Angelika Offenburger erwähnte im Gespräch mit dieser Zeitung: „Was bietet sich mehr für eine solche Veranstaltung an als die gemütlichen Räume in unserem Schwarzwaldmuseum.“

Keine Konkurrenz zu Kulturmontagen

Offenburger ließ dabei nicht unerwähnt, dass diese Veranstaltungsreihe in keiner Weise als Konkurrenz zu den seit fünf Jahren bestehenden Kulturmontagen gesehen werden soll: „Wir bieten Künstlern gerne eine Plattform, um so das kulturelle Angebot in Triberg weiter zu vergrößern.“

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