• Offizielle gratulieren: Bereits am frühen Morgen gratulierte Franziska Natterer der Heimleiter Norman Herr mit einem großen Blumenstrauß. Am Nachmittag kam Bürgermeister Gallus Strobel mit Blumen und einem Gutschein der Stadt Triberg ins Heim. Er las der Jubilarin seinen persönlichen Brief mit vielen guten Wünschen vor, ehe er ihn überreichte. Das Glückwunschschreiben von Landrat Sven Hinterseh verlas Strobel ebenfalls. „Sogar der Ministerpräsident von Baden-Württemberg will Ihnen zum Ehrentag gratulieren.“ Daraufhin hörte sich die betagte Seniorin erfreut die Glück- und Segenswünsche von Winfried Kretschmann an. Auch der katholische Pfarrer Andreas Treuer ließ es sich nicht nehmen, persönlich zu gratulieren und ein Geschenk zu überreichen. Dann las er die Urkunde von Erzbischof Stephan Burger vor, der daran erinnerte, dass nicht viele Menschen diesen seltenen Festtag feiern können und der 100. Geburtstag ein großes Geschenk Gottes sei.
  • Kindheit und Jugend: Bevor dann der Sektempfang mit der Jubilarin begann, erzählte diese ausführlich aus ihrem Leben, von dem sie in ihrem perfekten Gedächtnis jede Einzelheit gespeichert hat. Franziska Natterer erblickte am 29. Juni 1921 in Bolsternang im Allgäu das Licht der Welt. Das kleine Dorf ist heute ein Stadtteil von Isny. Ihre Mutter hat neun Kinder geboren, doch zwei der Geschwister starben schon als Babys. Die kleine Franziska war das Jüngste von den sieben Kindern, die gemeinsam auf einem Bauernhof aufwuchsen.
  • Arme Verhältnisse: „Wir waren sehr arm und hatten nur das Geld, das wir mit Milch, Butter und Honig verdienten“, erinnert sich die Jubilarin. Dann zitiert sie ihren Vater, der immer gesagt habe: „Wir sind arm, aber glücklich.“
  • Arbeit: Nach sieben Volksschuljahren begann damals das Arbeitsleben für die Jugendlichen. Die 13-jährige Franziska bekam eine Stelle als Hausmädchen, wo sie einige Jahre tätig war. Ihr Vater starb sehr früh, und der Hof musste verkauft werden. Doch das Ehepaar, das den Bauernhof gekauft hatte, kümmerte sich liebevoll um die Jüngste der Familie Natterer und besorgte ihr eine Stelle in Stuttgart. Die neue Chefin hatte ein Lebensmittelgeschäft in Bad Cannstatt, und darum durfte das junge Mädchen neben dem Haushalt auch als Verkäuferin arbeiten, was ihr viel Freude machte. „Später wohnte auch meine Schwester Maria in Stuttgart, und dann konnten wir uns oft treffen oder auch gemeinsam nach Hause fahren“, erinnert sich die Jubilarin.
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  • Kriegsjahre: Doch dann begann der Krieg, an den sie heute noch nur mit Entsetzen denken kann. Sie erlebte den ständigen Bombenterror, aber sie überlebte die Bombardierung im Herbst 1944, als Stuttgart im Bombenhagel und Feuersturm unterging. „Da die Keller nicht sicher waren, gab es Luftschutzbunker, und einer war ganz in unserer Nähe“, erzählt Franziska Natterer, die damals 23 Jahre alt war. „Mit einem kleinen Koffer rannten beim Bombenalarm alle in den Bunker, wo wir nicht einmal miteinander sprechen durften, weil sonst der Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchten, zu knapp wurde“, berichtet sie.
  • Wiederaufbau: Nach dem Krieg räumte sie mit den anderen Frauen die Trümmer zur Seite, denn ihre Arbeit hatte sie verloren, weil der Lebensmittelladen total zerstört war. Später fuhr sie wieder in ihr Heimatdorf zurück, wo die ganze Familie um die beiden Brüder Josef und Ludwig trauerte, die nicht mehr aus dem Krieg zurückkamen.
  • Neustart in Triberg: Bald fand die junge Frau eine neue Stelle als Haushaltshilfe, doch von dem Lohn konnte sie kaum leben. Sie verdiente im Monat 40 Mark. Da zwei Bekannte aus Bolsternang in Triberg arbeiteten und ihr dort eine Wohnung suchten, bewarb sie sich in der Jahresuhren-Fabrik, wo sie 30 Jahre lang bis zum Ruhestand arbeitete.
  • Engagement für die Bücherei: Seit 70 Jahren lebt die Jubilarin nun in der Wasserfallstadt und hat in dieser Zeit viele treue Freunde gefunden. Von Anfang an engagierte sich die gläubige Katholikin ehrenamtlich in der Kirche. Stadtpfarrer Friedrich Opitz gewann sie für den Aufbau der Katholischen Stadtbücherei, in der sie mit ihrem Team bis ins hohe Alter wirkte. Kurz nach ihrem 90. Geburtstag wurde sie für 50-Jahre ehrenamtliche Tätigkeit in der Bücherei geehrt. Stadtpfarrer Josef Läufer überreichte ihr aus diesem Anlass eine Urkunde und die goldene Anstecknadel des Bildungswerkes der Erzdiözese Freiburg. „Jetzt habe ich Goldene Hochzeit mit der Bücherei“, scherzte damals die unverheiratete Seniorin.