Josef Wund war am Abend des 14. Dezember unter den Opfern des Flugzeugabsturzes einer Cessna Citation bei Ravensburg.  Die zur Fortführung seiner Unternehmensgruppe errichtete Josef Wund-Stiftung gab bekannt, sie werde alles Mögliche tun, um das Lebenswerk von Josef Wund fortzusetzen. Dazu gehört auch das Badeparadies Schwarzwald, das Wund 2010 zunächst für 32 Millionen Euro gebaut hatte. Die jetzt in Betrieb genommene Erweiterung verdoppelt die Größe der Bade-, Rutschen- und wellness-Angebote und erforderte noch einmal eine Investition, die bei insgesamt 40 Millionen Euro liegt. 

Eine geplante Eröffnung samt Pressekonferenz mit Josef Wund war auf Grund des tragischen Unglücks abgesagt worden. In Abstimmung mit der Familie des ums Leben gekommenen Unternehmensgründers wurde die Eröffnung des neuen Komplexes mit dem Namen „Palais Vital“ nicht aufgeschoben, sondern wie geplant in die Tat umgesetzt. Dies sei sicher „im Sinne von Josef Wund gewesen“, heißt es in einer Mitteilung des Badeparadies Schwarzwald, „da für ihn seine Gäste immer die höchste Priorität genossen hätten“.

Keine Angst vor dem Europa-Park

Sieben Jahre nach Eröffnung werden eine erweiterte Rutschenlandschaft und ein ganz neuer Komplex an den Start gebracht. Wund trieb die Investition noch zu Lebzeiten voran, weil das Badeparadies im Hochschwarzwald mit 720 000 Gästen zur Erfolgsgeschichte wurde. Die Vergrößerung von Rutschen- und Wellness-Angebot gegenüber 2010 ist nach den Worten von Badeparadies-Geschäftsleiter Jochen Brugger eine Reaktion auf die enorme Nachfrage und nicht auf die Tatsache, dass unten im Rheintal bei Rust direkt beim Europa-Park eine der größten Badelandschaften Europas entsteht. 

Eine der neuen Saunen ist ganz im arabischen Stil gehalten.
Eine der neuen Saunen ist ganz im arabischen Stil gehalten. | Bild: Uli Homann

Brugger: „Das macht uns keine Angst“, zumal im Rheintal das Thema Wellness zunächst klein geschrieben werde.

Unten beim Europa-Park schaffen sie die Kapazität für 4000 bis 5000 Badegäste pro Tag, das hieße, wenn es klappt, um die 1,5 Millionen Besucher, also doppelt soviel wie derzeit im Badeparadies oben im Hochschwarzwald. Jochen Brugger schreckt das nicht: „Konkurrenz belebt das Geschäft“, meint er. Vom Badeparadies aus werde die Entwicklung in Rust sicher beobachtet werden, aber, so Brugger zuversichtlich, „wir werden wegen der Wasserwelt beim Europapark nicht in die Krise kommen. Ich glaube nicht, dass der Kuchen zu klein sein wird“. Stefan Wirbser, Aufsichtsratsvorsitzender der Hochschwarzwald Tourismus Gesellschaft HTG, assistiert. „Die Menschen“, sagt er, „sind in immer höherem Maß bereit, Geld für Wellness auszugeben. Das ist ein starker Trend“.

So wird die neue Großinvestition ins Badeparadies aus Schwarzwälder Sicht als eine wirksame Vitaminspritze für den Tourismus empfunden, und das passt zu dem Vorhaben, als Weltneuheit in dem gerade entstehenden Palais Vital vom kommenden Frühjahr Vitamin-Duschen anzubieten. Durch ein neuartiges Verfahren werden Vitamine wasserlöslich gemacht und verflüssigt und können dann bei denen, die unter der speziellen Dusche stehen, über die Haut aufgenommen werden. So wird es von denen versprochen, die Wunds Unternehmensgruppe weiterführen.

Das neue „Palais Vital“, ein ganz neuer eigenständiger Bereich mit separatem Eingang und eigener Gastronomie, ist über 5000 Quadratmeter groß. Eine „Vital-Lagune“, Palmen-umsäumt, hat eine Wasserfläche von 300 Quadratmetern, mit der Badetemperatur von 33 Grad und der Möglichkeit, je nach Wetter das Dach zu öffnen. Die Schwarzwald-Sauna zum Beispiel ist holzgetäfelt wie eine Zirbelstube, eine andere ganz im orientalischen Stil gehalten. Zur Gestaltung des Palais Vital eingeflogen wurden 120 Palmen aus der Südsee-Region – „Südsee im Schwarzwald“ ist schon seit Eröffnung des Badeparadies einer der Marketing-Lockrufe.

Alles willkommen, um noch mehr Menschen zu Urlaub im Hochschwarzwald zu bewegen. Im ersten Halbjahr 2017 stiegen die Übernachtungen um 0,5 Prozent, die Gästeankünfte um 2,5 Prozent. Schlecht im Vorjahresvergleich war, so HTG-Geschäftsführer Thorsten Rudolph, der März. Schneearm und der wärmste seit Aufzeichnung der Wetterdaten. „Da sind die Übernachtungen dramatisch eingebrochen“, berichtet Rudolph. Um so wichtiger für die Touristiker im Hochschwarzwald, dass das vergrößerte Badeparadies seine Anziehungskraft noch stärkt.

Josef Wund

Der Sohn eines Pferdekutschers wurde 1938 in Mariabrunn bei Friedrichshafen geboren. Nach einer Maurerlehre bildete er sich zum Architekten weiter. 27 Jahre alt, baute er die Messehalle 1 in Friedrichshafen als damals weltweit größte Halle mit einem freitragenden Gasbeton-Dach. Er realisierte auch den Deutschen Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover und in den 90 er Jahren in Erding seine erste große Bade-Therme Europas. Weitere Thermen folgten. In Titisee-Neustadt entstand 2010 unter Einsatz von Zuschüssen der umliegenden Schwarzwaldorte das Badeparadies Schwarzwald. Am 14. Dezember starb Josef Wund bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Ravensburg (uh)