Der renommierte Konzertorganist Christoph Schoener war zu Gast im Tennenbronner Heimathaus. Bekannt ist er nicht nur durch seine Konzerte, sondern auch als Landeskirchenmusikdirektor von Rheinlandpfalz. Zudem war er über zwei Jahrzehnte Kirchenmusikdirektor der St. Michaeliskirche in Hamburg, mit seinen vier berühmten Orgeln, sowie Leiter des St. Michaelis Chores. Des Weiteren hat er seit über zwanzig Jahren Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen Deutschlands.

Wie es der Zufall so will

Eine Reihe an Zufällen sorgte für diesen Besuch. Denn Christoph Schoener ist der Sohn von Pfarrer Karlheinz Schoener, der als Nachfolger von Pfarrer Karle, der im April 1939 vor den Nazis mit seiner Familie aus Tennenbronn emigrieren musste, die Pfarrstelle in Tennenbronn übernahm. Drei seiner vier Kinder sind in Tennenbronn geboren. Vermutlich wurde er im Sommer 1941 zum Militär eingezogen und kam nach mehreren Heimataufenthalten im Frühjahr 1943 nach Tennenbronn zurück, nachdem er von der Landeskirche für „Unabkömmlich“ erklärt wurde. Mehrere sehr beeindruckende und mutige Predigten sind von ihm erhalten.

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Sein Sohn Christoph Schoener ist eine Koryphäe der Kirchenmusik. Er zählt heute zu den renommiertesten Kirchenmusikern seiner Generation. Zusätzlich hat er CD-Einspielungen und Rundfunkaufnahmen als Organist und Dirigent herausgebracht, spielte Konzerte in vielen Kathedralen Europas und sogar in den USA oder Südafrika. Er war mehrfach an der Hamburger Elbphilharmonie als Dirigent tätig und wurde für seine Verdienste vom Hamburger Senat 2018 mit dem Ehrentitel Professor gewürdigt.

Wie der Kontakt zustande kam

Auslöser für den aktuellen Kontakt mit Christof Schoener war das Buch „Das Leben im Nationalsozialismus in Tennenbronn“, welches von der Heimathausgruppe am vergangenen Volkstrauertag veröffentlicht wurde. Bei der Anforderung des Buches von einer Frau Wießner aus Griechenland stellte sich heraus, dass sie eine Tochter von Pfarrer Schoener ist und 1942 in Tennenbronn geboren wurde.

Tennenbronn als zweite Heimat

Auch ihr Bruder Christoph Schoener forderte das Buch an und war voll des Lobes für die mutige Arbeit, die Zeit des Dritten Reiches in Tennenbronn aufzuarbeiten. Von den vier Schoener Kindern war er als Nachzögling als einziges Kind nicht in Tennenbronn geboren. Trotzdem wurde ihm Tennenbronn, wie er schreibt, zur „zweiten Heimat“, da er bis zu seinem 14. Lebensjahr sehr häufig Familienurlaube im evangelischen Pfarrhaus verbracht hat. Ein Orgelkonzert in Bern war dann der Auslöser, dass Schoener in den Süden kam und ein Besuch im Tennenbronner Heimathaus vereinbart wurde. So übernachtete er nach 48 Jahren wieder erstmals in Tennenbronn.

Besuch bei der Seifertorgel

Bei Kaffee und Kuchen und einem Rundgang durch das Heimathaus wurden bei der angeregten Unterhaltung viele Erinnerungen, Zusammenhänge und Personen lebendig. Nach dem Eintrag ins Gästebuch stand anschließend die Seifertorgel der Katholischen Kirche in Tennenbronn auf dem Besuchsprogramm. Andreas Blessing vom Musikverein Frohsinn erläuterte kurz die Entstehungsgeschichte der Tennenbronner Orgel, bevor Christoph Schoener sich an das die Tastatur setzte. Sein Probespiel zeigte nicht nur die Möglichkeiten der Orgel auf, sondern ließen auch das großartige Können des Meisterspielers schnell erkennen. „Ich liebe Orgeln mit einem eigenen Charakter“, so sein Eindruck zur Seifertorgel.

Das Foto zeigt Christoph Schoener beim Spiel an der Tennenbronner Seifert-Orgel.
Das Foto zeigt Christoph Schoener beim Spiel an der Tennenbronner Seifert-Orgel. | Bild: Tennenbronner Heimathausgruppe

Da Chrisoph Schoener auch in einer Kommission mitwirkt, welche sich um die Rekonstruktion der Walckerorgel von 1908 in der Laizhalle in Hamburg bemüht, traf er sich am folgenden Tag mit Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer, um sich die Schramberger Walcker-Orgel anzuschauen. Bei der Walckerorgel handelt es sich um einen bestimmten Orgeltyp.

Abschied nach 22 Jahren

Da Christoph Schoener mit Jahresbeginn nach 22 Jahren als Kirchenmusikdirektor von St. Michaelis in Hamburg in den Ruhestand verabschiedet wurde, kann er sich nun auf seine Orgelkonzerte in ganz Europa konzentrieren. So stehen in diesem Jahr über 30 Konzerte, darunter Auslandskonzerte in Dänemark, in Bern in der Schweiz und in Vilnius in Litauen, in seinem Terminkalender.