Zu den interessantesten Kapiteln der Tennenbronner Hofgeschichte gehört das Schicksal der großen Bauernhöfe der Region, die irgendwann aus der Landschaft verschwunden sind. Noch heute kennt man ihre Namen. Zur Reihe dieser legendären Höfe gehört der abgegangene Oberlehof im Schwarzenbach.

Der Oberlehof aufgebaut als Urbanshof am Ruperdsberg.
Der Oberlehof aufgebaut als Urbanshof am Ruperdsberg. | Bild: Tennenbronner Heimathausgruppe

Die Geschichte des Oberlehofes reicht weit zurück. Nach dem Ende der Ramstein-Falkensteiner Zeit im oberen Schiltachtal gehörte er als württembergischer Lehenshof zum hornbergischen Stab Tennenbronn. Das Hornberger Lagerbuch, das aus dem Jahr 1591 stammt, gibt Auskunft. Demnach gehörten zu diesem Hof im Schwarzenbach eine Behausung mit Scheuer und Speicher, eine Hausmahlmühle, Wiesen, Äcker, Wald. Über den Winter waren 20 Stück Vieh zu erhalten.

Mehrere Generationen Aberle

Der frühest bekannte Eigentümer des Oberlehofes zu Beginn des 16. Jahrhunderts ist Ehrhard im Schwarzenbach. Im 18. Jahrhundert lebten auf dem Hof mehrere Generationen Aberle, beginnend mit Endris Aberle („Oberle“), dem Namensgeber des Hofes. Immer wieder neue Eigentümer hatte das Anwesen über die Jahrzehnte.

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Nach dem frühen Tod des Tennenbronner „Löwen“-Wirts Michel Langenbacher 1851 ersteigerte Oberlehofbauer Hansmichel Müller den „Löwen“. Müller musste sich dafür wohl Geld leihen. Hansmichels Tochter Barbara und deren Ehemann Johann Hildbrandt, die in der Nachfolge des Hansmichel den Oberlehof bewirtschafteten, bekamen dies in den folgenden Jahren zu spüren. Die Verhältnisse auf dem Hof im Schwarzenbach, die generell nicht einfach waren, verschlimmerten sich, 1854, zwei Jahre nachdem er „Löwen“-Wirt geworden war,

Barbaras Vater Hansmichel Müller und wenig später Barbaras Ehemann Johann Hildbrandt verstarben. Die Witwe, eine 24-jährige Frau mit zwei minderjährigen Kindern, blieb alleine auf dem Hof zurück.

Sobald es ihr nach Ablauf des Trauerjahrs möglich war, heiratete sie Christian Weisser, den Sohn des Altbürgermeisters Gottlieb Weisser aus dem Kirnbach. In der Folge bewirtschafteten Barbara und ihr zweiter Mann Christian fast zehn Jahre lang den Oberlehof.

Bauern tauschen ihre Höfe

Dann aber folgte der Umbruch. Wie es dazu kam, ist unklar. Fakt ist: Laut dem Grundbuch der Gemeinde Evangelisch-Tennenbronn tauschten Christian Weisser vom Oberlehof und Georg Heinzmann, Eigentümer des benachbarten Jungbauerhofs, am 17. Februar 1864 ihre Höfe. Wenige Jahre später, im August 1866 bzw. im November 1871, verkauften beide Bauern ihre Höfe an die Evangelische Stiftungsverwaltung.

Auf die Wiesen und Äcker kommt Wald

Die landwirtschaftlichen Flächen wurden vom neuen Eigentümer mit Wald bepflanzt. Beide Hofgebäude wurden abgerissen und an anderer Stelle wieder aufgebaut. Warum die beiden ehemals großen Höfe in fremde Hände kamen und abgegangen sind, wird im Folgebeitrag der „Geschichtsspuren“ beleuchtet.