Wenn Alfred Kunz im Rahmen der Heimathaus-Vorträge ans Rednerpult tritt, steigt die Erwartungshaltung der Anwesenden. Kunz gilt als profunder Kenner der Tennenbronner Heimatgeschichte. Im Jahr 500 nach der Reformation, die Martin Luther auslöste, schilderte Kunz in einem Vortrag im katholischen Pfarrsaal, wie sich die Zeit der Reformation auf Tennenbronn auswirkte. „Wenn man von einem Ort sagen kann, dass die Reformation und deren Folgen wichtiger Teil seiner Geschichte sind, so trifft das in besonderer Weise auf Tennenbronn zu", sagte Kunz.

Alfred Kunz zeigte mit seinem Vortrag die herrschaftliche Situation in Tennenbronn auf. Dabei erläuterte er auch, wie es dazu kam, dass im Dorf die einen evangelisch wurden und die anderen weiterhin katholisch blieben. Die damit verbundene Spaltung wirkte spürbar bis ins 20. Jahrhundert hinein. Tennenbronn wurde bis zum ausgehenden Mittelalter von drei Herrschaftsämtern in Anspruch genommen. Zunächst der württembergische Teil, in dem die Reformation ihren Einzug erhielt und zum Amt Hornberg gehörte. 1547 übernahm Rochus Merz die Herrschaft Schramberg als überzeugter Anhänger der alten Kirche und kämpfte in seinem Einflussbereich für die Gegenreformation. Als dritte Herrschaft hatte schließlich das Kloster St. Georgen Besitz in Tennenbronn. Durch den mehrfachen Wechsel der Zugehörigkeit, wechselte der Glaube in St. Georgen und im Tennenbronner Besitz mehrmals.

Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 wurden mit dem Ergebnis „cujus regio – ejus religio“ Fakten geschaffen. Frei übersetzt bedeutet das lateinische Zitat, dass der Herrscher eines Landes berechtigt ist, die Religion für die Landesbewohner vorzugeben. Herzog Christoph sorgt für eine verpflichtende evangelische Kirchenordnung in Württemberg. Derweil stritt man sich in Tennenbronn, wem die Dorfkirche gehört.

Kunz berichtete auch von neuen Grenzverhältnissen. Durch den Ausverkauf der ramstein-falkensteinischen Lehenshöfe an neue Besitzer aus Württemberg und an Hans von Rechberg seien in Tennenbronn frühere Hofgrenzen zu Landesgrenzen geworden. Aus der Situation heraus gehörten Teile Tennenbronns zu Hornberg-Württemberg, andere zu St. Georgen und weitere wurden schramberg-österreichisch. Diese Art der Teilung machte aus Tennenbronn einen Flickenteppich, so Alfred Kunz. Mit Pfarrer Kober zog dann der erste evangelische Pfarrer ab 1565 in das Tennenbronner Pfarramt ein. Kunz berichtete, dass über die Nutzung der Kirche Jahrzehnte gestritten wurde.

Erste Mischehen entstanden. 1730 wurde für die katholischen Bürger mit dem Gasthaus Krone ein Stabswirtshaus geschaffen. Ab dem 19. Jahrhundert begann dann laut Kunz die konfessionelle Eiszeit zwischen den Bevölkerungsgruppen zu tauen. Es war ein langwieriger Prozess, der 1922 mit der politischen Vereinigung von Katholisch- und Evangelisch Tennenbronn zur Gesamtgemeinde abschloss.