„Keine Lücke mehr im Saal, selbst Zuhörer im Flur vor dem Saal – einen solchen Ansturm hat ein Vortrag der Heimathausgruppe bisher noch nie ausgelöst“, heißt es in einer Pressemitteilung zur jüngsten Veranstaltung der Gruppe. Nicht nur Tennenbronner sondern auch viele auswärtige Gäste, die sogar aus Albstadt angereist seien, habe der Vorsitzende der Heimathausgruppe Robert Hermann beim Vortrag „Das Schwarzwaldhaus weltbekannt?“ von Stefan Blum im übervollen Pfarrsaal begrüßen können.

Stefan Blum bei seinem Vortrag.
Stefan Blum bei seinem Vortrag. | Bild: Projektgruppe Tennenbronner Heimathaus
  • Vorstellung gerät ins Wanken: In seinem Vortrag habe der Referent eine häufig romantisch verklärte Sicht auf die Schwarzwaldhöfe gewaltig ins Wanken gebracht. Ausgehend vom „heute vom Kitsch regelrecht überstrapazierten Schwarzwaldbegriff“ habe Blum bei den Besiedelungswellen durch die Klöster im Schwarzwald angesetzt. Im Gegensatz zu alten Städten wie Villingen sei eine nachhaltige Besiedelung des Schwarzwaldes erst im 14. Jahrhundert erfolgt. Wenn auch sporadische Erkenntnisse der Bauforschung bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, setzte laut Blum die intensivere Erforschung erst etwa 200 Jahre später ein, wo der größte Baubestand an Höfen im Schwarzwald entstanden sei.
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  • Keine uralte Bauform: Das Schwarzwaldhaus sei „in keiner Weise eine uralte Bauform, sondern hat für die Baukultur eine relativ junge Geschichte“, heißt es in der Mitteilung. Gesichert scheine heute, dass die Höfe ursprünglich keine hochwertigen Bauwerke der Zimmermannskunst dargestellt hätten, sondern vorwiegend als große Dachflächen für die Tierhaltung gedient hätten, wie sie in vielen Gegenden verwendet worden seien. Die Bauform des Schwarzwaldhauses sei nicht im gebirgigen Schwarzwald zu suchen, sondern sei aus der Ebene mitgebracht worden und erst später an die Geländebedingungen sowie durch Einsatz neuer Materialien angepasst worden. Erst in den 1930er Jahren seien erstmals die konstruktiven Hintergründe der Schwarzwaldhäuser von dem Zimmermeister Schilli untersucht und erst nach dem Krieg verschiedene Hoftypen wie das Gutachtälerhaus oder das Hotzenwälderhaus definiert worden.
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  • In Tennenbronn Gutachtäler Ansatz: Beim Blick auf die Tennenbronner Höfe sei deutlich geworden, dass bei fast allen der Gutachtäler Ansatz festzustellen sei und das Gestaltungsprinzip bei den Höfen weitgehend übereinstimme. Nur in Details würden sich Unterschiede zeigen. Beim evangelischen Pfarrhaus in Tennenbronn seien diese alten Formen dann in völlig anderen Proportionen angewendet worden. Beendet worden sei der Bogen über die Geschichte der Schwarzwaldhöfe mit einem Blick auf die Zukunft der Schwarzwaldhäuser. „So wurden abschließend die Auswirkungen der neuen Nutzung der alten Höfe in einer Reihe von Fotos von aktuellen Sanierungsbeispielen aus dem Büro von Blum deutlich sichtbar“, so die Mitteilung. Eine intensive Diskussion habe sich angeschlossen.