Viele Tennenbronner Bürger warten dieses Jahr vergebens auf die Theateraufführung des Musikvereins Harmonie. Dass das so ist, führen die Verantwortlichen im Verein darauf zurück, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler aktuell zur Mangelware wurden. Es sind einfach nicht genügend Akteure vorhanden, wodurch das Theater zwei Wochen vor dem ersten Advent ausfällt.

Manchmal muss es die Bratpfanne sein, um dem Theaterstück einen ausdrucksstarken Inhalt zu geben. Bild: Werner Müller
Manchmal muss es die Bratpfanne sein, um dem Theaterstück einen ausdrucksstarken Inhalt zu geben. | Bild: Werner Mueller

Für den überaus erfolgreichen Regisseur Jürgen Wälde bedeutet die Absage eine bedauerliche Unterbrechung für ihn und die Akteure. Nachdem sich 2019 das 110-jährige Bestehen der Harmonie ankündigt, soll in diesem Jahr ein Konzert stattfinden, weswegen das Theater ebenfalls ausfallen wird. Für die Vorsitzende Daniela Laufer ist es eine Frage des Abwägens: „Wir haben nicht mehr die große Auswahl an Theaterspielern und beide Termine 2019 zu veranstalten, ist nicht möglich.“

Ausgefallene Theatertage gibt es immer wieder bei der Harmonie. So 1973: Während der Ölkrise wurde die Festhalle nicht geheizt, worauf das Theater abgesagt wird. Auch 2013 waren keine Mitwirkenden zu finden, weswegen das Theater nicht stattfinden konnte.

Der Musikverein kann auf eine lange Theatergeschichte zurückblicken. Schon im Jahr nach der Gründung standen 1910 die ersten Vereinsmitglieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten. In den folgenden Jahren wurde immer wieder Theater gespielt. Von Gerhard Merz war zu erfahren, dass die eigene Familie, vor allem sein Vater, einer der Großen beim Theaterspielen war. Als Regisseur hatte er manches traurig stimende Stück im Wechsel mit etwas Lustigem aufgeführt. Als Zeitpunkt dieser Aufführungen werden die Jahre von 1960 bis Mitte der 70-er Jahre genannt.

Die Laienspieler des Musikvereins Harmonie Tennenbronn sind mit ihren Rollen bestens vertraut. Und das Publikum hat seine helle Freude daran. Bild: Werner Müller
Die Laienspieler des Musikvereins Harmonie Tennenbronn sind mit ihren Rollen bestens vertraut. Und das Publikum hat seine helle Freude daran. | Bild: Werner Mueller

Gerhard Merz erinnert sich an seine Kindheit Anfang der 50-er Jahre, als die Theaterabende anstanden. Für die Theateraufführung Ende 1958 wurde der Festhallenneubau nicht rechtzeitig abgeschlossen. Aus diesem Grund verschoben die Verantwortlichen die allererste Theateraufführung in der Festhalle in den Januar 1959. Es gibt noch heute Bürger in Tennenbronn, die sich daran erinnern. Ende der 70-er Jahre wagte die Theatergruppe ein Musik- und Singspiel mit dem Titel „Oh Schwarzwald, oh Heimat“. In heutiger Zeit würde die Aufführung als Musical angekündigt. Vier- bis fünfmal hat Gerhard Merz am Theaterspiel mitgewirkt – als er bereits als Dirigent im Verein tätig war.

Mit Jürgen Wälde steht dem Musikverein Harmonie ein vorausblickender Regisseur zur Verfügung. Für ihn bedeutet diese Aufgabe, immer ein Ohr am Volkstheater zu haben, Stücke auszusuchen, diese zu lesen und gleich schon im Kopf die Charaktere auszuwählen. Sein genialer Gedanke, die Kulisse aus den Jahren 1958/59 neu zu gestalten, weiter auszuschmücken, brachte den Theaterspielern neue Möglichkeiten der Inszenierungen.

Mindestens zwei Monate sind notwendig, um von der ersten Sprechprobe die Szenenabläufe so zu gestalten, dass das Theater, der Schwank, so wirklichkeitsnah wie möglich dargestellt wird. Zuletzt folgen Proben in den Kostümen, um realistisch die aneinander gefügten Szenen zu erfassen.

Auf keinen Fall soll die Theater-Ära beim Musikverein Harmonie ihr Ende finden. „Wir werden weitermachen“: bereits jetzt sind interessierte Laiendarsteller aufgefordert, an den Harmonie-Aufführungen mitzuwirken.