Aus Brandschutzgründen konnten bei der OB-Kandidatenvorstellung nicht mehr Stühle aufgestellt werden, sagte Hauptsamtleiter Uwe Weisser. So stand eine beachtliche Anzahl Bürger in einer Zweier-/Dreier-Reihe hinten an den Wänden der Festhalle. Weisser übernahm die Aufgabe des Moderators, und Jürgen Winter übernahm in seiner Eigenschaft als Leiter der Wahlkommission zur Oberbürgermeisterwahl die korrekte, Erfassung der 20 Minuten dauernden Redezeit der Kandidaten. Der erste Wahlgang findet am 7. Juli statt. Im ersten Wahlgang benötigt ein Kandidat über 50 Prozent der Stimmen. Kommt es noch nicht zur Entscheidung, folgt am 21. Juli der zweite Wahlgang. Dann genügt die einfache Mehhheit.

Das Fassungsvermögen der Tennenbronner Festhalle ist bei der Kandidatenvorstellung erschöpft.
Das Fassungsvermögen der Tennenbronner Festhalle ist bei der Kandidatenvorstellung erschöpft. | Bild: Werner Mueller
  • Dirk Caroli: erhält als erster Kandidat Rederecht, nachdem die Mitbewerber den Saal verlassen haben. Der 46-Jährige berichtet, dass er mit seiner Familie und den fünf Kindern in Villingen wohnt. Seit 2013 ist er politisch tätig. Ursprünglich in die AfD eingetreten, deren Namen er nicht nannte, die er wegen deren Rechtslastigkeit nach einem Jahr aber wieder verlassen habe und hernach in die FDP eingetreten sei. Ausdrücklich legt Caroli Wert darauf, ohne Parteiunterstützung anzutreten. Selbst bezeichnet er sich als „Realist und Pragmatiker“, er sei „nicht beratungsresistent, doch durchsetzungsfähig.“ Tennenbronn bezeichnet der Kandidat als „Motor zum Tourismus in Schramberg und den Ortsteilen“, die es als Marke bekanntzumachen gelte. Mit „Es müssen neue Schwerpunkte gesetzt werden“ nannte Caroli das Stichwort Krone und das Freibad. Bezüglich des Freibads erklärt Caroli, wie eine ähnliche Situation in VS-Tannheim durch Bürger gelöst werde. Nach zehn Jahren seien „sechsstellige Zahlen erwirtschaftet worden.“ Die bestehenden Kindergärten könnten durch eine Containerlösung ergänzt werden, wobei heutige Container sich sehr von früheren Modellen unterscheiden, so Caroli. Schramberg müsse Aufgaben wieder selbst übernehmen. Der öffentliche Nahverkehr durch den Schwarzwald-Baar-Kreis sei in Villingen besser gelöst Ab 2020 werden über eine Million Euro eingespart. So sollten die Teilorte ein eigens Budget erhalten und darüber verfügen können. Vereine müssten unterstützt werden, ebenso bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden.
  • Thomas Herzog tritt mit dem Slogan „Gemeinsam Schrambergs Zukunft schaffen!“ als Kandidat an. „Gemeinsam haben wir viel für unsere Stadt erreicht“, ist Herzog sicher. In nahezu allen Ortsteilen „haben wir Schwerpunktspielplätze eingerichtet.“ Dazu seien gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten als wichtiger Standortfaktor vorhanden. Das Platzangebot konnte massiv ausgebaut werden. Die Sanierung insbesondere der kirchlichen Kindergärten konnte weitgehend abgeschlossen werden. Dank vorbildlichem bürgerschaftlichem Engagement sei es gelungen, zwei Premiumwanderwege auszuweisen. Hierbei wurde der Auerhahnweg besonders hervorgehoben. „Was wären die Stadt und der Stadtteil Tennenbronn ohne das Ehrenamt?“, fragt Herzog. So wies er auf die Vereinslandschaft in Tennenbronn hin. Auch die Hilfsdienste Feuerwehr und DRK hätten durch den Feuerwehrgerätehaus-Umbau und den auf den Weg gebrachten Anbau für das DRK Unterstützung erhalten. Herzog erwähnt, dass mit der Bewerbung zur Landesgartenschau „ein Ruck durch die Stadtgesellschaft“ gegangen sei. Es komme „auf das wir an“, appelliert Thomas Herzog an die Anwesenden. Um eine attraktive, lebenswerte und soziale Stadt zu erhalten, brauche es einen Masterplan. Dieser wird Stadtumbau 2030+ genannt. „Manchmal ist eine gewisse Ungeduld bemerkbar. Manch einem geht es zu langsam“, so OB Herzog: „Doch dann werbe ich um Geduld.“ Und: „Der Bestand der Grundschule Tennenbronn steht für mich außer Frage.“ Herzog würde sich freuen, wenn künftig mehr Schüler den Weg nach Schramberg als nach St. Georgen finden. Als ein Ort der Begegnung erwähnt der Amtsinhaber den auf den Weg gebrachten Neubau der Fest- und Sporthalle beim Dorfweiher.
  • Dorothee Eisenlohr ist in Hechingen geboren und 37 Jahre alt. Für die Kandidatin ist das Allerwichtigste Bürgernähe und als Dreh- und Angelpunkt eine serviceorientierte Stadtverwaltung. „Mir ist eines wichtig: soziale Themen, ökologische Nachhaltigkeit und Wirtschaftsförderung gehören zusammen. Wir brauchen alle drei, um unsere Stadt zukunftsfähig zu kriegen.“ Eisenlohr stellt klar: „Wir sind in allererster Linie Dienstleister – auch, wenn jemand im Eichbach (Ichbe) eine Baugenehmigung oder eine Einhausung für Müll am Eichbach haben will. Das ist alles wichtig.“ Tennenbronn bezeichnet Dorothee Eisenlohr als „Tourismus-Hochburg“ mit fast der Hälfte der gesamtstädtischen Übernachtungen mit 53 000 von 115 000 im Jahr 2018. Um noch mehr Touristen nach Schramberg und Tennenbronn zu locken oder ihre Aufenthaltsdauer zu verlängern, „müssen wir sowohl Angebot als auch das Marketing verbessern“, ist sich Eisenlohr sicher. Hier setzt die Kandidatin auf ein enges Miteinander von Stadt und Gastgebern. „Den Arbeitskreis Tourismus müssen wir neu beleben und effektiver machen“, mahnt Eisenlohr: „Wir brauchen eine eigene touristische Webseite.“ Als Kandidatin findet sie es schade, dass das Tennenbronner Freibad zwei Sommer geschlossen bleibt. „Im Mai 2021 will ich es auf jeden Fall pünktlich wieder eröffnen. Wenn es die Haushaltslage hergibt, kann ich mir auch die Wiedereinführung eines Bäderbusses vorstellen.“ Auch die Ärzteversorgung müsse vorausschauend geplant werden.

    Im Nachgang an die Vorstellung konnten Fragen gestellt werden.

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