Die Umwandlung des TB-Areals an der Bahnhofstraße in ein von der Unternehmerfamilie Papst getragenes Hotel-, Gastronomie- und Wohnprojekt war am Mittwoch Thema im Gemeinderat. Nachdem das Vorhaben in seinen Dimensionen seit Anfang März bekannt ist, ging es in der öffentlichen Sitzung um Einschätzungen der Betreiberfamilie, des Bürgermeisters und des Gemeinderats.

„Das bewegt uns alle“, umschrieb Doris Papst im Namen der Familie das uneingeschränkte Ja zum Vorhaben. Zumal, wie sie verriet, ihrem 2012 verstorbenen Ehemann Georg das Hotelprojekt gefallen hätte. Um in seiner Heimatstadt die gastronomische Situation zu verbessern, habe er sich seinerzeit für den Erwerb des Hotels Hirsch interessiert, doch wegen zu geringer Kapazität und hoher Investitionskosten verworfen. Heute lägen eine andere Lage und eine bessere Chance vor, aber auch ein Risiko für die Familie. Doch angesichts einer seit 51 Jahren bestehenden Verbundenheit mit der Stadt überwog die Zuversicht deutlich. „Wir werden es hoffentlich mit Ihnen zusammen schaffen“, schloss Doris Papst.

Eine Rolle habe auch gespielt, wie fundiert und zuversichtlich der Bürgermeister die Familie an die Planung geführt habe, hatte Doris Papst zuvor gelobt. Michael Rieger räumte ein, dass beim Zusammenfinden der Projektpartner der Zufall geholfen habe. Vor Ort begeistert von der Sanierung des Bau V auf dem Hohnerareal in Trossingen, sah Rieger eine Möglichkeit für das TB-Areal. Er nahm Kontakt mit dem Architekten Wulf Wössner auf und lud die Planer ein, bei grandioser Fernsicht vom obersten Stock des Sanierungsobjektes aus die ersten Ideen zu entwickeln. Mit einer unter Zeitdruck entworfenen Planung nahm Rieger dann den Kontakt zur Familie auf. Nun entstehe eine einzigartige Kombination von Hotel und Fabrik, meinte Rieger. Ein Leuchtturm und ein Signal nach außen, was in St. Georgen wachsen könne. Dem großen Dankeschön an die Familie Papst fügte Rieger den Dank an zwei Familien an, die als bisherige Mieter auf den mit dem Hotelprojekt verbundenen Abriss zweier Wohnhäuser verständnisvoll reagiert hätten. Allerdings wäre der Abriss in jedem Fall unvermeidlich gewesen. Große, komfortable Hotelzimmer zum Normalpreis sowie eine gute Küche setzten einen Standard, den es in der Region bisher selten gebe, sagte Wössner. Er freue sich, dass das Projekt eine geschichtliche Wurzel erhalte. Das massive Industriegebäude erlaube den Planern viel Gestaltungsspielraum. Einhelliges Lob auch aus dem Gremium: „Wir freuen uns auf den Baubeginn“, sprach Joachim Kleiner für die Freien Wähler. Schön sei es, dass nach vielen Abrissen vor Jahrzehnten ein stadtprägendes Gebäude erhalten werde. Er sei dankbar, dass sich die Familie Papst der Stadt gegenüber zum wiederholten Male so spendabel zeige, meinte Manfred Scherer (CDU). Eine weitere Industriebrache werde einer tollen Nutzung zugeführt. Die Bevölkerung möge Hotel und Restaurant annehmen, so seine Empfehlung. Es sei bemerkenswert, dass hier neue Funktionen in ein altes Gebäude erdacht werden, lobte Oliver Freischlader (SPD). Das Projekt, am Eingang der eigentlichen Innenstadt gelegen, sei ein Glückfall. Begeistert zeigte sich schließlich auch Jochen Bäsch (SPD): „Ich bin überzeugt, dass es funktionieren wird.“

 

Das Vorhaben

Die Familie Papst erwirbt von der Stadt das 5737 Quadratmeter große TB-Areal an der Bahnhofstraße. Zwei direkt an der Straße gelegene Gebäude werden abgerissen; nach dem Umbau wird das ehemalige TB-Hauptgebäude ein Restaurant mit gutbürgerlicher Küche, ein 44-Zimmer-Hotel, Tagungsräume sowie fünf Loftwohnungen mit 80 bis 180 Quadratmeter Grundfläche beherbergen. Ans Restaurant wird eine Südterrasse angeschlossen. (wur)