Mit dem Abschied vom aktiven Singen des Männergesangvereins mit Frauenchor drohte vor einigen Jahren eine kulturelle Leere in Tennenbronn zu entstehen. Doch dieses Ende wollten nicht alle Sängerinnen und Sänger mittragen. Nachdem Dirigentin Anja Höfler ihre Unterstützung angeboten hatte, wurde in Folge schließlich ein neues Konzept entwickelt. Ein Projektchor konnte starten. Und trotzdem war alles andere als gewiss, ob es weitergehen wird, erinnert sich Höfler heute an die Situation von damals.

Die bisherigen Mitglieder des Gesangsvereins waren überaltert. Mit dem Wagnis des neuen Projektchors konnten die Mitglieder aber leben. Ein Aufruf in der Öffentlichkeit wurde zum Erfolg für den bedrohten Verein: Zu den ersten Singproben kamen auch viele jüngere Menschen. Alle, vor allem die noch verbliebenen Sänger der älteren Generation, hatten nicht mit diesem Ergebnis gerechnet. Schon der erste Auftritt des Projektchors wurde zum Aha-Erlebnis. Das Publikum war begeistert und wünschte sich die Fortsetzung.

16 neue Sänger kommen dazu

Im Jahr 2017 wurde der alte Name abgelegt und mit „Just Singing“ neue Tore aufgestoßen. Es festigte sich der Chor. Nur: Für größere Konzerte werden mehr Sänger benötigt. So gab es vor dem jüngsten Konzert im November bereits im Frühjahr die Idee, einen neuen, großeren Projektchor mit den dazugehörigen Sängerinnen und Sängern ins Leben zu rufen. Die Werbetrommel, meist mit Mund-zu-Mund-Reklame, funktionierte gut. Das Vorstandsteam, bestehend aus Conny Rapp, Martina Stockburger und Silke Broghammer, zeigte sich dann auch überrascht vom Erfolg: Wieder sind 16 neue Sängerinnen und Sänger dazugekommen.

Sie bleiben gerne dabei

Mit einigen von ihnen hat der SÜDKURIER gesprochen, sie gefragt, was sie für das Projekt motiviert hat. Doris Storz beispielsweise singt im Sopran. Ihr Argument mitzusingen begründet sie mit: „Ich habe Spaß am Singen, wusste auch, das ist eine gute Truppe.“ Seit Doris Storz den Ruhestand erreicht hat, steht ihr mehr Freizeit zur Verfügung. Fröhlich sprudelt aus ihr heraus: „Auf das künftige gemeinsame Singen freue ich mich.“ Denn spontan reifte ihr Entschluss, dabeizu leiben. So lobt Storz auch Chorleiterin Anja Höfler: „Sie hat alles getan, alles gut rüberzubringen und ich habe viel gelernt.“

Roland Günter hat bereits im ersten Projektchor im Bass mitgesungen, jedoch aus Zeitgründen wieder aufgehört. Robert Hilser hat mich dazu bewogen, den Schritt zu wagen und wieder mitzusingen. So erinnert sich Roland Günter: „Es hat schon etwas Überwindung gekostet, nach langer Pause wieder etwas Regelmäßiges zu unternehmen.“ Vor allem auch im Frühjahr, wenn das Wetter am Montagabend schön war, gibt er zu. „Heute gehört der Montag zum festen Ablauf und ich singe weiter im Chor. Und „Just Singing pflegt eine gute Kameradschaft nach der Singprobe.“

Vom Hardt kommt Edeltraud Drobina und hat die Suche nach Mitsängern aus der Zeitung erfahren. „Darauf bin ich ab Juni ganz spontan zur Probe gegangen. „Mein Platz im Chor ist im Sopran. Und mir tut es gut, unter Menschen zukommen, nachdem es mir gesundheitlich nicht gut gegangen ist.“ Mit einem Strahlen im Gesicht kommt ihr über die Lippen: „Rock und Pop sind eh mein Ding.“ Dass die Tennenbronner aufgeschlossen sind, kommt Drobina weiter über die Lippen. Der persönliche Höhepunkt am Konzert war für Edeltraud Drobina die Zugabe „Born to be Wild“.

Siegfried Klaussner hatte zu Beginn einige Schwierigkeiten. „Hilfreich war, dass ich in meiner Jugend in einer Jugendkapelle gespielt habe. Daher kenne ich auch die Noten. Für mich war die musikalische Begleitung am Konzert mit Klavier und einer Band ein Erfolgserlebnis.“ Dazu war „das Gefühl auf der Bühne zu stehen, beeindruckend“, schwärmt Klaussner. Weiter sagt er: „Heute habe ich mehr Zeit und freue mich, im Bass dabei zu sein.“ Was den Sänger besonders beeindruckt, ist das Einfühlungsvermögen der Chorleiterin Anja Höfler.