Soll ich mit diesem Blatt Cego spielen oder lieber einen Räuber ansagen? Etwas ratlos blicke ich mich um, aber heute bin ich ganz auf mich allein gestellt. 60 Spielerinnen und Spieler sitzen in Vierergruppen um die Tische im Gasthaus "Löwen" in Tennenbronn, sie alle sind dem Cego-Fieber verfallen. Einige kennen die Leidenschaft für das badische Kartenspiel schon seit Jahrzehnten, andere haben sich zuletzt während der Übungsabende im Heimathaus angesteckt. Zu diesen Neulingen gehöre auch ich. Und jetzt steht also mein erstes Turnier an.

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Cego vereint mehrere Spiele in einem. Je nach Verlauf tritt jeder gegen jeden an oder einer gegen drei, mal müssen besonders viele Punkte erspielt werden, mal möglichst wenige. Die enorme Variationsbreite von Cego ist Fluch und Segen zugleich: Segen für all diejenigen, die die Regeln schon beherrschen und manchmal bis in die Morgenstunden spielen, weil Cego nie langweilig wird. Fluch für diejenigen, die das Spiel gerne mögen und lernen wollen, aber schon nach kurzer Zeit zwischen Geiß, Mond, Drescher, Gstieß und Bürgermeister nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht.

Jede Menge Trümpfe: Ein bisschen Kartenglück gehört beim Cego auch dazu.
Jede Menge Trümpfe: Ein bisschen Kartenglück gehört beim Cego auch dazu.

In der Lernphase stand unserem Tisch mit vier Neuspielerinnen immer (mindestens) ein Mentor zur Seite. Alfred Moosmann wurde unser fester Ansprechpartner, er freute sich mit uns über gewonnene Partien und schrie auch schon mal erschrocken auf, um uns an unüberlegten Spielzügen zu hindern. Auch während des Turniers im Löwen sitzt Alfred direkt hinter mir, allerdings hat er mir den Rücken zugewandt: Er spielt am Nachbartisch und ärgert sich gerade über eine verlorene Partie. Aber dem Glück und Können von Martin Hilser, der an seinem Tisch spielt, ist heute eben nichts entgegenzusetzen. Am Ende des Abends gewinnt er mit 370 Punkten das Turnier und darf sich zuerst ein Präsent vom reichgedeckten Preistisch aussuchen. Zweiter wird Phillip Fleig, der sich verschmitzt freut, dass er das Cego-Spielen nach vier Jahren Abstinenz noch nicht verlernt hat.

Die beiden erstplatzierten des Turniers, Phillip Fleig und Martin Hilser, mit Helmut Moosmann, dem Vorsitzenden des Schwarzwaldvereins und Spielleiter des Abends (von links).
Die beiden erstplatzierten des Turniers, Phillip Fleig und Martin Hilser, mit Helmut Moosmann, dem Vorsitzenden des Schwarzwaldvereins und Spielleiter des Abends (von links).

Helmut Moosmann, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins, und Robert Hermann, Vorsitzender der Projektgruppe Heimathaus, strahlen derweil wie bereits bei den Übungsabenden um die Wette. Die Freude über die große Zahl an Interessierten und die gesellige Atmosphäre steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Damit, dass es mit den Cego-Abenden nach diesem Turnier ein Ende haben soll, will sich keiner so recht abfinden. Helmut Moosmann macht Hoffnung auf eine Fortsetzung: "Wie es genau weitergeht ist noch nicht sicher, aber wir können uns gut vorstellen, etwas ähnliches noch einmal anzubieten. Wahrscheinlich eher wieder in den kalten Wintermonaten." Bis dahin wird wohl noch so manches Wohnzimmer Austragungsort für private Übungsabende und -nächte sein.

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Cego oder Räuber? Meine Entscheidung für Cego brachte am Ende nicht das gewünschte Ergebnis, meine drei Gegnerinnen und Gegner erspielten mehr Punkte als ich. Ob der Räuber besser gewesen wäre? Das lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen. Andere Runden liefen besser und nach insgesamt 32 Spielen war ich mit meinen Minus 70 Punkten eigentlich ganz zufrieden. Der Spaßfaktor lag deutlich darüber.