Es ist heiß. Der Schwarzwald schwitzt. Und wenn uns das Wetter schon unangenehm erscheint. Wie ergeht es dann erst den Fischen in St. Georgen? Ertragen sie die Hitze überhaupt? „Den Fischen geht es gut“, beruhigt Klaus Lachner. Zumindest noch.

Der Herr über die hiesigen Gewässer

Was im Klosterweiher und in der Brigach los ist, weiß keiner so gut wie er. Seit er denken kann ist Lachner am Wasser unterwegs. Mit sechs Jahren fing er seinen ersten Fisch. Liebte das Angeln. Kam über das Angeln zum Wasserschutz und leitet seit zehn Jahren den Anglerverein St. Georgen.

Und jeden Tag geht er zum Weiher und zu den Flüssen– und misst die Wassertemperatur und den Sauerstoffgehalt.

Klaus Lachner, Vorsitzender des Angelvereins, am Klosterweiher. Er prüft Temperatur und Sauerstoffgehalt des Wassers. (Archivbild von ...
Klaus Lachner, Vorsitzender des Angelvereins, am Klosterweiher. Er prüft Temperatur und Sauerstoffgehalt des Wassers. (Archivbild von Juli diesen Jahres). | Bild: Ganter, Patrick

Als ihn der SÜDKURIER trifft, ist er gerade mit seinen Messungen fertig. Und die zeigen erstaunliches: Bevor Brigach und Sommeraubach aufeinandertreffen haben die beiden Gewässer – an diesem Tag – je 19 Grad.

Warum der Biber für die Fische zum Problem wird

„Für die dort lebenden Forellen ist das absolut in Ordnung“, sagt Lachner. „Wirklich kein Grund zur Sorge.“

Nur: Dahinter, also kurz vorm Klosterweiher, wo ein Biber das Gebiet aufgestaut hat, liegt die Wassertemperatur schon bei 25 Grad. Für die Forellen ist das gefährlich. „Die Biber stauen so viel Wasser auf, dass der Fluss breiter und niedriger wird. Und wenn die Sonne auf den niedrigen, oft nur wenige Zentimeter tiefen Fluss knallt, erwärmt er sich schneller“, sagt Lachner.

Die Sache mit dem Sauerstoff

Doch warum ist die Hitze für die Fische so ein Problem? Lachner holt aus – und es gibt ein Wort, das dabei immer wieder fällt: Der Sauerstoff. Obwohl Fische Kiemen haben und über die Kiemen gar kein Sauerstoff aus der Luft aufnehmen können, brauchen sie das lebenswichtige Gas, so wie wir Menschen auch.

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Sie finden es im Wasser gelöst, sagt der Angler. Nur: „Durch die Hitze kann weniger Sauerstoff im Wasser gebunden werden.“

Auch Fische haben ihre Strategien bei Hitze

Ein kleiner Trick hilft den Tieren meistens: „Ist das Wasser tief genug, können sie sich in kältere Schichten zurückziehen.“ Geht aber nicht, wenn der Biber den Bach aufgestaut hat. Geht auch nicht, wenn Bäche oder Flüsse ohnehin niedrig sind.

Was also tun? Und geht es allen Fischen so?

So sieht ein Karpfen aus (Symbolbild).
So sieht ein Karpfen aus (Symbolbild). | Bild: Schuler, Andreas

Lachner zeigt auf den Klosterweiher hinter ihm. „Nein, nicht allen Fischen.“ Die Karpfen zum Beispiel, der im Weiher schwimmen, fühlen sich bei warmer Wasserstemperatur sogar pudelwohl. „Ihr Optimum liegt bei 28 Grad.“ Das Hitzeproblem hätten vor allem: Die Bäche und Flüsse. Zumal mal im Weiher mittlerweile eine Geheimwaffe hätte.

Wie eine Pumpe Sauerstoff in den Weiher pustet

Denn: Weil es dem Weiher 2019 und 2020 – ebenfalls nach Hitzewellen – extrem schlecht ging. So schlecht, dass er für die Badegäste zeitweise geschlossen werden musste. Gibt es dort mittlerweile eine Pumpe, die Sauerstoff in den See pustet. Auch jetzt ist Baden im Klosterweiher verboten – wegen der vermehrten Blaualgen im See.

Die Pumpe pustet aber noch immer Sauerstoff in den See. Und zwar eine ganze Menge.

Als Klaus Lachner vom Sauerstoffgehalt der letzten Tage spricht, fallen fast nur hohe Zahlen „70 Prozent Sauerstoffgehalt, 63 Prozent, 58 Prozent, 60 Prozent, 57 Prozent, 60 Prozent.“ Den Fischen kommt das zugute.

So etwas würde auch in den Flüssen, Bächen oder im heimischen Gartenteich helfen, sagt Lachner. Mehr noch: In der Schweiz haben die Kantone Thurgau und Schaffhausen kürzlich sogenannte Kaltwasserpools für die Fische errichtet.

Die Idee aus der Schweiz

Das sind tiefe Kuhlen von bis zu zehn Meter Durchmesser, die an den Zuflüssen zum Rhein ausgebaggert wurden. Um den Fischen in den Flüssen mehr Rückzugsorte zu bieten. Ob sich das auch im Schwarzwald-Baar-Kreis lohnen würde? Ob das helfen würde?

„Aber sicher. Das hilft allen Flüssen“, sagt Lachner. Doch für ihn ist das eigentliche Problem an der Brigach momentan der Biber. Und an gerade der Mündung zwischen Brigach und Klosterweiher müsse eine Lösung her, sagt er.