Die Geschichte der Landfrauen ist in vieler Hinsicht ein Spiegelbild, wie sich der Schwarzwald in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat. 1977 gründeten 42 Frauen im Gasthaus Krone in Peterzell den Landfrauenbezirk Villingen. Es ging vor allem darum, einen Austausch zu finden und sich über die oft weit verstreut und abgeschnittenen Höfe ein Netzwerk aufzubauen. Mehr als 40 Jahre später gibt es sie immer noch, aber in der Zwischenzeit ist die ganze Welt näher zusammengerückt. Und so kommt es, dass ein Virus, das in China seinen Ursprung hat, auch die Landfrauen in der Region um St. Georgen nicht unberührt lässt.

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„Für die Frauen war es früher sehr wichtig, auch mal von ihren Bauernhöfen weg zu kommen, um andere zu treffen, um sich weiterzubilden und den Austausch mit anderen Frauen zu pflegen“, erklärt Ursula Jäckle, die heute mit Renate Schreiber und Margit Graf den St. Georgener Ortsverein der Landfrauen leitet. Es blieb aber nicht nur beim gemütlichen Beisammensein, auch für politische Anliegen machten sich die Frauen immer wieder stark und kämpften etwa für die Bäuerinnen-Rente oder die Anpassung von Krankenkassenbeiträgen auf dem Land. „Gerade für viele ältere Leute, die sonst nicht so oft etwas unternehmen können, sind unsere Treffen eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Frauen auszutauschen“, sagt Jäckle. Das geht aber am besten möglichst direkt vor Ort, weswegen sich ab 1991 unter der Landfrauen-Bezirksvorsitzenden Christa Strobel neun Ortsvereine unter dem Dach des Bezirks gründeten, auch jener in St. Georgen entstand zu dieser Zeit. Heute gehören dem Verein 65 Frauen an, für die der Zusammenhalt immer noch genauso im Vordergrund steht, wie zu den Gründungszeiten.

Zu einem Vortrag zum Thema „Reinigungsmittel selbst herstellen“ haben die Landfrauen im März eingeladen. Die bisher letzte öffentliche Veranstaltung des Vereins. Bild: Werner Müller
Zu einem Vortrag zum Thema „Reinigungsmittel selbst herstellen“ haben die Landfrauen im März eingeladen. Die bisher letzte öffentliche Veranstaltung des Vereins. Bild: Werner Müller | Bild: Werner Mueller

„Wichtig ist für uns die Geselligkeit, und da werden die Seniorinnen immer mit einbezogen“, erklärt Jäckle. „So hat man die Gelegenheit, Traditionen weiterzugeben und frühere Dinge zu bewahren, wie Striebele zu backen oder gezogene Küchle und Waldhonig herzustellen. Es gibt vieles, was sie uns noch weitergeben können, deshalb sind sie in unserem Verein so wichtig.“ Bildungsarbeit geht bei den St. Georgener Landfrauen aber längst weit über das Kuchenbacken hinaus. Sie bieten auch allerlei kreative Mitmachkurse an und veranstalten immer wieder Vorträge zu Themen wie Ernährung, Umwelt, Gesundheit und Familie. Diese Angebote seien stets für die Weiterbildung aller Frauen aus allen Altersgruppen gedacht, und um gemeinsam aktiv zu sein, so die Vorsitzende. Dazu gehöre auch die Beteiligung an Veranstaltungen in der Stadt, wie dem Naturparkmarkt oder der Seniorenmesse. „Die Zusammenarbeit mit dem Verband ist ebenfalls sehr wichtig, da man immer über alle Neuerungen und politisch auf dem Laufenden gehalten wird“, betont sie. Gelegenheit dazu gebe etwa der jährliche Bezirksfrauentag, an sich die Mitglieder aller neun Ortsvereine zusammenkommen.

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In diesem Jahr jedoch steht das Vereinsleben bei den Landfrauen beinahe komplett still, wie Jäckle schildert. „Wir haben durch die Krise fast einen Totalausfall, weil wir keine Bewirtungen durchführen können und das restliche Programm wie Vorträge, Turnen oder Wanderungen gestrichen wurde.“ Ihre Hoffnung und die der anderen Landfrauen ruhe daher nun auf dem Herbst, sagt sie. Dass man das Programm dann wieder aufnehmen und den ureigensten Zweck des Vereins wieder erfüllen könne: den Kontakt unter den Frauen aufrecht zu erhalten.

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