Das Thema Unternehmensnachfolge plagt viele inhabergeführte kleine und mittelständische Unternehmen. Eine St. Georgener Firma für Kabelkonfektion hat das Thema nicht nur erfolgreich bewältigt. Dank strategischer Neuausrichtung und einer Portion Mut der neuen Inhaber Thomas Botta und Bianca Buggisch startete die Firma durch und steht heute besser denn je da.

Als Vertriebsleiter begonnen

Als Thomas Botta 2012 als Vertriebsleiter zum Plattenspielerhersteller Alfred Fehrenbacher kam, damals bereits mit der Option, den angeschlossenen Bereich Kabelkonfektion eines Tages zu übernehmen, fand er ein Unternehmen vor, das im Bereich Kabelkonfektion mit rückläufigen Umsatzzahlen zu kämpfen hatte. „Damals hat die Kabelkonfektion noch 1,3 Millionen Euro Umsatz gemacht, in den fünf Jahren davor lief es deutlich besser“, erinnert sich Botta. Ihm war damals bereits bewusst, dass die veralteten Strukturen aufgebrochen werden müssen, um das Unternehmen mittelfristig zu retten. „Konkret bedeutete das, die Altersstruktur im Bereich Führungskräfte deutlich zu verjüngen“, sagt Botta.

Auf einer Wellenlänge

Unterstützung bekam er durch Bianca Buggisch, die sich 2013 bei Botta, der inzwischen zum Geschäftsführer bestellt wurde, für den Bereich Einkauf vorgestellt hat. „Wir haben schnell gespürt, dass wir beruflich auf einer Wellenlänge sind und wir beide das Ziel haben, die Firma voran zu bringen“, erinnern sich die beiden heute. Ein Dorn im Auge war den beiden insbesondere die Gebaren der Automobilindustrie, die Preise der Zulieferer immer weiter zu drücken. Damals gehörte der Automotivebereich zu den stärksten Auftragssegmenten und die Gewinnspanne schrumpfte immer weiter.

Mehr Unabhängigkeit

2015 übernahm Botta den Bereich Kabelkonfektion und gründete zusammen mit Bianca Buggisch die Fehrenbacher Kabeltechnik GmbH, kurz Feba-Kabel. Eines der primären Ziele der neuen Inhaber war es, „sich nicht mehr von einer Sparte und einigen wenigen Global Playern abhängig zu machen.“ Man wandte sich weitgehend von der Automotivesparte ab. Durch eine 2018 gestartete, wie Botta selbst sagt, „aggressive Vertriebspolitik“ ist es gelungen, den Kundenstamm von 20 auf mittlerweile 140 Kunden zu erweitern. „Und das weitgehend ohne den Automotivebereich.“ Stattdessen setzen heute Kunden aus den Bereichen Maschinenbau, Licht- und Agrartechnik auf das Know-how der Firma. Die Mitarbeiterzahl wuchs von 25 auf über 50. Auch der Umsatz steigt. Für das laufende Jahr sind 3,2 Millionen Euro Umsatz avisiert, der voraussichtlich trotz Coronajahr auch erreicht wird. „Unser langfristiges Ziel sind etwa fünf bis sechs Millionen Euro Umsatz pro Jahr“, gibt Botte Einblick in die Wachstumsprognose.

In den ehemaligen Räumen der Firma ebm-Papst in der Industriestraße ist die Firma seit Juni diesen Jahres und hat jetzt 2500 Quadratmeter Produktionsfläche.
In den ehemaligen Räumen der Firma ebm-Papst in der Industriestraße ist die Firma seit Juni diesen Jahres und hat jetzt 2500 Quadratmeter Produktionsfläche. | Bild: Roland Sprich

Im Juni bezog die Firma neue Firmenräume in ehemaligen Räumlichkeiten von ebm-Papst in der Industriestraße und produziert jetzt auf insgesamt 2500 Quadratmetern. Die Raumkapazitäten sind derzeit nicht ausgereizt, aber: „Wir wollen für die Zukunft gerüstet sein“, sagen Thomas Botta und Bianca Buggisch, die mittlerweile miteinander verheiratet sind. Ein entscheidender Faktor, der Feba-Kabel nach eigenen Angaben der Geschäftsführer von den Marktbegleitern auf dem hart umkämpften Markt der Kabelkonfektion abhebt, ist, „dass wir alle Losgrößen anbieten. Wir produzieren auf Kundenwunsch auch nur ein oder nur fünf Teile eines Auftrags“, erklärt Buggisch. Daneben zählen, neben höchster Qualität, absolute Zuverlässigkeit und hohe Flexibilität zu den Stärken. „Wir halten, was wir versprechen – immer“, unterstreicht Botta die Unternehmensphilosophie.