Der Bericht über die Situation der Einzelhändler, die in der Samstagsausgabe des SÜDKURIER schilderten, wie ernst ihre Situation aufgrund der Corona-Zwangsschließung ihrer Geschäfte ist, hat bei den Bürgern viele Reaktionen ausgelöst. Vor allem in den Kommentaren auf Facebook äußern sich Bürger überwiegend positiv und stärken den Händlern so derzeit zumindest virtuell den Rücken.

„Die Kleinen sind die Leidtragenden“

„Manche Sachen versteht man nicht. Die Kleinen sind die Leidtragenden“, meint dort beispielsweise eine Nutzerin mit dem Namen Diana Scherer. Unter dem Namen Coco von Sanders pflichtet ihr eine weitere Nutzerin bei: „Endlich. Wurde auch Zeit. Wenn ihr euer Schicksal nicht selbst in die Hand nennt, dann macht es keiner. Und das wäre so schade.“ So oder so ähnlich äußern sich viele in ihren Kommentaren.

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Positive Überraschung für Handels- und Gewerbeverein

Von der großen Resonanz positiv überrascht ist auch Claudius Fichter, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins. „Diese positiven Rückmeldungen stärken und motivieren uns Händler.“ Wenngleich er auch Anfeindungen bekam, weil er als Inhaber eines Optikerfachgeschäftes von der Schließung selbst nicht betroffen ist. „Aber ich zeige hier als Vorsitzender des HGV Solidarität mit meinen Händlerkollegen“, betont er.

Lockdownmaßnahmen auf den Prüfstand stellen

Fichter weist auch noch einmal auf die Corona-Protest-Aktion des Mittelstands-Netzwerks Markt-intern „Wir möchten öffnen – mit Verantwortung“ hin, an der sich der St. Georgener Einzelhandel beteiligt. Dabei werden unter anderem die verantwortlichen Entscheider aufgefordert, die Lockdownmaßnahmen auf den Prüfstand zu stellen. Es müsse ein neuer Weg für den Umgang mit der Pandemie gefunden werden, bevor allzu viele wirtschaftliche Existenzen planlos zerstört würden.

Deutlich Kante gezeigt

Dass die St. Georgener Händler deutlich Kante zeigen, hat auch bei der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg (IHK) für Aufmerksamkeit gesorgt. „Es ist klasse, dass dies von den Händlern branchenübergreifend so dargelegt wurde“, sagt Philipp Hilsenbek, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Standortpolitik.

IHK verlangt differenziertere Regelungen

Die Aussagen der Händler spiegelten das Stimmungsbild in der gesamten Region wider. Die Gewerbeverbände seien ein Stimmungsfühler, wie es den Händlern wirklich gehe. „Die Wirtschaft ist an der Belastungsgrenze“; formuliert Hilsenbek, der insbesondere die Punkte Langzeitstrategie und Finanzhilfen anspricht. „Diese kurzfristigen Maßnahmen zermürben die Händler. Kein Friseur und kein Gastronom könne auf so kurze Sicht planen.“ In einem Schreiben an die Unternehmer fordert die IHK unter anderem eine differenzierte Gestaltung der Schutzmaßnahmen. Strukturelle Unterschiede müssten berücksichtigt werden. Auch sei es dringend geboten, dass die zugesagten Finanzhilfen bei den Betroffenen auch ankommen.