Die Runde am Freitag ist fröhlich und guter Dinge. Sieben Frauen sitzen um einen Tisch bei Kaffee und Kuchen, unterhalten sich über dieses und jenes. Und eigentlich ist es im Café Ukraine im Franziskushaus so normal wie überall auf der Welt.

Allerdings gehören einige der Damen zu den geflüchteten Menschen aus der Ukraine. Um die 100 Personen sind in der Bergstadt überwiegend privat untergekommen. Sie wohnen zu zweit oder zu dritt in der Stadt verstreut.

Für sie haben unter der Federführung der Wirkstatt und Antonia Musaccio-Torzilli die katholische, evangelische und Tabor-Kirchengemeinde das Café Ukraine ins Leben gerufen. Dort können sich die Ukrainerinnen und Ukrainer treffen und die Kinder draußen den Garten zu ihrem Vergnügen nutzen.

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Auch am zweiten Freitags-Treff zeigen gelb-blaue Luftballons und ein ebenso farbiges Plakat mit ukrainischer Schrift an der Gerwigstraße den Weg ins Café. Dort wirken an diesem Tag vier St. Georgenerinnen. Sie haben Kaffee, Tee, Kuchen und Torten vorbereitet, zwei Tische gedeckt.

Dann kommen die ersten ukrainischen Frauen. Schnell entbrennt das Gespräch über die Teesorten und welche Kräuter daheim in Charkiw oder in St. Georgen im Garten angebaut werden können.

Wie hilft das Smartphone bei der Verständigung?

Olga Seveleva, Svetlana Bugai und Tetjana Harkushyna sprechen kein Deutsch, sondern nur Russisch und ihre Muttersprache. Da hilft nur die digitale Technik. Mit dem sprechenden Übersetzer auf den Smartphones geht das Gespräch munter vonstatten.

Wobei man eben einem solchen Gerät nur kurze Sätze zumuten darf, während eine spricht, die anderen nicht dazwischenreden dürfen und abwarten müssen, bis das Gerät übersetzt hat. Temperament ist eben schwer abzubremsen. Einhellige Meinung am Tisch: „Die Übersetzung ist schauderhaft“. Aber wie bei anderen Verständigungsproblemen helfen hier Gestik und Mimik – und viel Humor.

Damit es mit der sprachlichen Verständigung noch besser klappt, besuchen die Ukrainerinnen den Deutschkurs. Vor allem Olga Seveleva demonstriert gekonnt, was sie alles gelernt hat, aber sie findet, dass deutsch doch eine schwere Sprache ist. Bis auch Svetlana Bugai deutsch so temperamentvoll wie russisch sprechen kann, müsste sie noch viel üben.

Was die Familien verbindet

Doch das Erlebte und die Sorgen der ukrainischen Frauen kommen auch so durch. Olga Seveleva und Svetlana Bugai sind beide Schwiegermütter, Olgas Sohn ist mit Svetlanas Tochter verheiratet. Die junge Familie ist in der Ukraine geblieben und hat die beiden Mütter vor drei Monaten nach Deutschland geschickt.

Ähnlich ist es auch Tetjana Harkushyna ergangen, die eine Arbeitskollegin der beiden Frauen ist. Die Frauen aus Charkiw lassen keinen Zweifel daran, dass sie das Kriegsende herbeisehnen, um bald wieder nach Hause zu können.

St. Georgen beeindruckt nachhaltig

Dass St. Georgen als Kloster gegründet wurde, hat sie sehr beeindruckt und dass das Franziskushaus auf ehemaligem klösterlichen Gelände steht, noch mehr. „Heiliger Boden bleibt heiliger Boden“, sagt Olga Seveleva sehr ernst. Sie sind dankbar dafür, hier sein zu dürfen, viele herzliche, nette Menschen zu erleben und sich von den Schrecken in schöner Umgebung etwas erholen zu können.

Bei den Gedanken an die Lieben in der Heimat kommen schon mal die Emotionen hoch. Wobei ihnen an diesem Tag Irmgard Lupfer, Hannelore Eberenz, Birgit Fichter und Beate Lienhard auch tröstend zur Seite stehen.

Kaffee, Kuchen, Zuwendung und Treffpunkt für die ukrainischen Gäste in der Bergstadt, das soll und will das Café Ukraine bieten. Dreizehn Ehrenamtliche haben ihre Mitarbeit schon organisiert. Es dürfen auch noch mehr werden, sagt Pastoralreferent Benedikt Müller.