Nach jahrelanger Vorplanung, Vorbereitungen und Verschiebungen geht die Stadtkernsanierung jetzt los. Nach Ostern rollen die Bagger. In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch wurden die ersten Bauarbeiten vergeben.

Bürgermeister voller Vorfreude

Bürgermeister Michael Rieger blickt dem Start der Arbeiten, die für den 12. April terminiert sind, hoffnungsvoll entgegen. „Drei Jahre haben wir intensiv darauf hingearbeitet. Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht.“ Trotz im Vergleich zu Kostenberechnungen von vor drei Jahren teils erheblicher Kostensteigerungen macht er sich finanziell keine Sorgen. „Wir sind eine der am geringsten verschuldeten Gemeinden im Landkreis.“

Noch nicht bei den Bürgern angekommen?

Stadtbaumeister Alexander Tröndle freut sich ebenfalls auf den Beginn der Stadtkernsanierung, die mit der Sanierung der Tiefgarage und dem Marktplatz beginnt. „Ich habe allerdings das Gefühl, dass der Funke bei den Bürgern noch nicht ganz übergesprungen ist“, so sein Eindruck. Dabei werden die Bürger für die kommenden zwei bis zweieinhalb Jahre die Auswirkungen der Bauarbeiten direkt spüren, nämlich in Form von erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen im Innenstadtbereich.

Manche Preise sinken, einer steigt deutlich

In der Sitzung erteilte das Gremium den Zuschlag für die ersten Arbeiten. Demnach erhält das Bauunternehmen Rosenberger Bau GmbH aus Villingen-Schwenningen den Zuschlag für die Ingenieurbauwerke in Höhe von 1,47 Millionen Euro. Hier liegt das Angebot rund 800 000 Euro deutlich unter dem bepreisten Leistungsverzeichnis von November 2022.

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Die Betonsanierung- und Abdichtungsarbeiten übernimmt die Firma AZ Bautenschutz GmbH aus Ludwigsburg für die Angebotssumme von 2,68 Millionen Euro. Das sind rund 350 000 Euro weniger als im November kalkuliert.

Die Freude über die eingesparten Kosten währte allerdings nicht lange. Bei der Vergabe der Außenanlagen und Freiflächen durch die Firma Peter Groß Infrastruktur GmbH aus Villingen-Schwenningen müssen rund 2,1 Millionen Euro mehr in die Hand genommen werden als bei der Kostenrechnung im November 2022 geplant. Die Angebotssumme von 6,56 Millionen Euro begründet das Unternehmen, das günstigste Bieterin war, unter anderem mit der zweijährigen Bauzeit und den damit verbundenen Sicherheitsaufschlägen der Subunternehmen.

Einschränkungen bei Verkehr und Parkplätzen

Karola Erchinger (Freie Wähler) zeigte sich „hoffnungsfroh, dass es endlich losgeht. Die Bürger warten darauf, auch wenn ihnen noch nicht ganz klar ist, was auf sie zukommt“, sagte sie angesichts der eingeschränkten Verkehrs- und Parkplatzsituation.

Oliver Freischlader (SPD) „zittern die Hände schon ein bisschen angesichts der Zahlen bei der Vergabe. Aber es wird toll“. Er hofft jetzt auf einen baldigen Beginn der Bauarbeiten. „Die Baustelle wird im Fokus der Öffentlichkeit stehen“, ist er sich sicher.

Jochen Bäsch (FDP) sei zwar zunächst „ziemlich geschockt gewesen angesichts der Zahlen. Aber da müssen wir durch, es ist fünf nach zwölf“.

Ärger über aufgeschobenes Projekt

Dirk Schmider (Grüne Liste) befürwortete die Maßnahme zwar grundsätzlich. „Es ist kein Thema, das man das nicht macht.“ Allerdings zeigte er sich irritiert, dass die im vergangenen Jahr beschlossene Umrüstung der gesamten Straßenbeleuchtung hierfür zurück gestellt werden müsse. Er fragte nach, ob bislang hierfür keine Förderanträge gestellt worden seien.

Stadtbaumeister Alexander Tröndle verneinte. Da die Bearbeitung von Förderanträgen lange Zeit dauere, wollte die Stadt zunächst auf Fördermittel verzichten. „In der Zeit, in der wir auf die Fördermittel warten, hätten wir die Summe bereits eingespart.“ Allerdings dürfe die Verwaltung nicht auf Fördermittel verzichten. Deshalb würden die Förderanträge erst jetzt gestellt, mit einer Zusage sei erst 2024 zu rechnen, weswegen die Maßnahme zurückgestellt werde.