Dieser Sommer konnte es niemandem so richtig recht machen. Die einen beklagten sich über den vielen Regen, die Waldbesitzer hätten dagegen am liebsten noch mehr Regen gehabt, um die Waldböden als Wasserspeicher wieder aufzufüllen. Und wie war das Wetter für die Landwirtschaft? Wir haben mit einem Landwirt gesprochen, der erklärt, wie sich die vergangenen Monate auf die Arbeit der Landwirte und auf das Erntejahr auswirken.

Irgendwie passt es wieder nicht so ganz

Prinzipiell ist Landwirt Gerhard Jäckle vom Leihwieserhof mit dem Wetter nicht unzufrieden. Zwar habe die Vegetation in diesem Frühjahr mit zwei Wochen Verzögerung gestartet. Dann hat es viel geregnet. „Es war der regenreichste Sommer der vergangenen zehn Jahre“, analysiert er. Nach drei vergangenen heißen und trockenen Sommern waren die Böden ausgedörrt. Die Folge: Ausgetrocknete Wiesen und Futtermangel. „Letztes Jahr hat das Futter gerade so gereicht, aber die Qualität war super. Wir hatten super Erntewetter, aber wenig Futter. In diesem Jahr haben wir das genaue Gegenteil. Wir haben viel Futter, aber uns fehlen die Trockenperioden, um das Gras zu mähen und reinzuholen“, sagt Jäckle.

„Es war ein schwieriges Jahr für uns, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um die Ernte einzufahren. Aber das ist unser Job.“
Gerhard Jäckle, Landwirt

Optimal wären vier Tage am Stück, an denen es trocken sein sollte, damit die Landwirte das Gras mähen können, es wenden, schwaden, also zusammenfassen und schließlich einsammeln und in den Heustock einfahren können. Hierfür darf das Gras nicht zu feucht sein. „Es war ein schwieriges Jahr für uns, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um die Ernte einzufahren. Aber das ist unser Job“, so Jäckle.

Die Auswirkungen der vielen Niederschläge machen sich beispielsweise auf dem Roggenfeld bemerkbar. Hier zeugen schwarz verfärbte Grannen von Schimmel und Pilzbefall aufgrund der Dauernässe. „Das Getreide wäre erntereif, aber es war nie trocken genug zum Dreschen“, sagt er. Noch sei die Qualität des Roggens, das Jäckle ausschließlich als Tierfutter verwendet, nicht besorgniserregend. „Schlimm wird es erst, wenn der Keimling am Halm zu keimen beginnen würde.“

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Durch den vielen Regen haben sich die landwirtschaftlichen Nutzflächen zumindest oberflächlich wieder mit Wasser vollsaugen können. Die Starkregenschauer wie am vergangenen Sonntag bringen hier allerdings kaum etwas. „Wenn man einen trockenen Schwamm kurz mit einem Schwall Wasser übergießt, wird er nur außen herum nass. Erst wenn er lange im Wasser liegt, saugt er sich richtig voll. Genau so ist das mit den Feldern. Die Oberfläche ist nass, aber das Wasser kann gar nicht in die tieferen Schichten dringen. Hier wäre permanenter leichter Regen effektiver“, verdeutlichte der Agrarprofi.

Die dunklen Stellen an den Grannen zeugen von Pilzbefall durch die Feuchtigkeit. Noch ist das kein Qualitätsverlust. Die Grannen werden beim Dreschen entfernt.
Die dunklen Stellen an den Grannen zeugen von Pilzbefall durch die Feuchtigkeit. Noch ist das kein Qualitätsverlust. Die Grannen werden beim Dreschen entfernt. | Bild: Sprich, Roland

Und dann macht Jäckle noch auf ein weiteres Problem aufmerksam, das dadurch entsteht. „Durch die durchnässten und aufgeweichten Oberflächen macht der Traktor tiefe Fahrspuren und die Kühe machen Löcher in die Wiesen.“

Jetzt hofft der Landwirt, ebenso wie seine Berufskollegen, wenigstens auf einen schönen Spätsommer mit einigen warmen und vor allem trockenen Tagen. „Ein Grasschnitt steht noch bevor“, sagt Gerhard Jäckle.