Das Forum Pro Schwarzwaldbauern hat seine seit eineinhalb Jahren fällige Mitgliederversammlung nicht im Saal, sondern als Wanderung auf der Langen Gasse und um den Hirzberg veranstaltet. Die stellvertretende Vorsitzende Erika Obergfell konnte als Nachbarin dazu eine treue Schar von Mitgliedern begrüßen. Siegfried Jäckle vom Spittelhof in Oberkirnach, Vorsitzender des Forums Schwarzwaldbauern, hat sich zum Treffen und zur Situation der Landwirte seine Gedanken gemacht, die wir hier wiedergeben:

„Zwei Gründe hatten den Vorstand zu dieser ungewöhnlichen Form (der Mitgliederversammlung als Wanderung, d. Red.) bewogen. Weil immer mehr Schwarzwaldbauern an Regeln und Kontrollen verzweifeln und aufgeben, will das Forum seine Mitglieder nicht auch noch kontrollieren. Zum anderen, um der ideologischen Diskussion um Landwirtschaft und Agrarpolitik wieder Bodenhaftung zum Land mit seinen Unterschieden zu geben. Mit dem Blick auf das Mosaik der Schwarzwaldhöfe, die die Landschaft bilden, werden die wirtschaftlichen und ökologischen Zusammenhänge erst bewusst.

Anlage Bild (Siegfried Jäckle): Die vielfältige Landschaft regt zu Gesprächen um Land und Wirtschaften an.
Anlage Bild (Siegfried Jäckle): Die vielfältige Landschaft regt zu Gesprächen um Land und Wirtschaften an. | Bild: Siegfried Jäckle

Der Zeitgeist sieht Landschaft als Idylle und träumt von Wildnis und Freizeitpark. In Wirklichkeit ist die Landschaft das Spiegelbild der Situation der Land- und Forstwirtschaft. Der stellvertretende Vorsitzende Reimund Kuner erinnerte in seinem Bericht über die Tätigkeit des Forums 2019 und 2020 an das Motto des Forums: Kulturwandel statt Strukturwandel. Weil das höflich Strukturwandel genannte Wachsen und Weichen der Höfe niemanden zufrieden macht und die Herausforderungen des Marktes und der Klimaerwärmung global sind, handelt das Forum nach dem Leitsatz: Global denken – lokal handeln – denk an die deinen – aber handle universell. Zum globalen Denken hat das Forum wieder wissenschaftliche Vordenker gefunden, wie die kritische Tierärztin Anita Idel, die erforscht hat, dass nicht die Kuh der Klimakiller ist, sondern unsere Kultur. Oder den Kaiserstühler Gärtner Christian Hiß, der als Ökonom erkannt hat, dass naturgemäßes und regionales Wirtschaften ein umfassenderes und richtiges Rechnen braucht.

Mit solchen Vorträgen begnügt sich das Forum jedoch nicht, sondern diskutiert die Denkanstöße in Schwarzwaldbauerntreffs und Weidegesprächen weiter, wie sie lokal genutzt werden können. Leider haben die Coronaregeln diesen vertiefenden Diskurs auf Rundmails und Aktuelles auf der Homepage www.sforum.eu reduziert.

Im Forum steht beim Denken an die Deinen nicht der Einzelbetrieb im Vordergrund, sondern das bäuerliche Kulturerbe. So wie es der Tiroler Bergbauer Heinz Gstir beim Internationalen Tag der Berge 2019 demonstriert hat, ist das der Erfolgsfaktor für gemeinsame regionale Vermarktung. Und damit zu mehr Selbstbestimmung anstelle der Fremdbestimmung durch die Marktmächte, die Schwarzwaldhöfe und Weidetiere nur als Kulisse nutzen. Ein anderes Denken ist eine Bildungsaufgabe, die auch zu universellem Handeln führt. Weshalb Martin Ott aus Rheinau in der Schweiz dem Forum seine erste freie Landwirtschaftsschule vorgestellt hat.

Seine Philosophie ist das Gegenteil vom Mainstream des Strukturwandels und heißt ,Ernten muss aufbauen‘, sowohl Bodenfruchtbarkeit wie Gemeinschaften. Ähnliche Impulse gab eine Infotour in den Bregenzerwald und Gespräche mit dem Bauern vom Tegernsee Markus Bognern, sowie dem Schweizer Armin Capaul, der für Kühe mit Hörnern als echtes Tierwohl kämpft.

Wir müssen das bäuerliche Maß wieder entdecken. Damit haben die Bauern nicht nur über Generationen überlebt, es hat dem Schwarzwald seine Harmonie gegeben. Der Mainstream des grenzenlosen Wachstums stört jedoch diese Harmonie und hat uns die Coronapandemie und die Klimaerwärmung mit ihren Folgen gebracht. Die Politik ist noch in diesem Wachstumssystem gefangen, weshalb ihre agrarpolitischen Maßnahmen den Strukturwandel mit seinen Folgen für Klima und Umwelt nicht bremsen. Deshalb versucht das Forum Pro Schwarzwaldbauern in einem Netzwerk mit Vordenkern, Land und Wirtschaften neu zu denken. Denn erst wenn Bauern am Berg wieder Perspektiven haben, hat sie auch die Landwirtschaft überhaupt.“