Duftende Blumen, pralle Obstbäume, kunstvoll arrangierte Blumenkästen: Die Jury der Blumen- und Gartenschau hat es nicht leicht, sich bei der Vielfalt in St. Georgens Gärten für einen Sieger zu entscheiden.

Zwei Tage lang waren die fünf Jurymitglieder in unterschiedlichen Gärten in der Bergstadt und ihren Ortsteilen unterwegs, haben sich von passionierten Gärtnern ihre Schätze zeigen lassen, sich die Besonderheiten dazu angehört, um einen der 27 Teilnehmer zum Gewinner der 20. Blumen- und Gartenschau küren zu können.

Bereits seit acht Uhr morgens sind sie an beiden Tagen unterwegs. Marlies Jäckle ist die Erste, die sich an diesem Tag dem kritischen Blick der Jury stellen muss. Sie ist das erste Mal bei der Blumen- und Gartenschau dabei und ist selbst Mitglied im Obst- und Gartenbauverein, der den Wettbewerb alle zwei Jahre organisiert.

Die Dahlien in Marlies Jäckles Garten blühen in voller Pracht.
Die Dahlien in Marlies Jäckles Garten blühen in voller Pracht. | Bild: Jennifer Moog

Die Vorsitzende Hilde Neininger und selbst Jurymitglied sagt: „Es ist gar nicht so einfach, unter den gesehenen Gärten einen Sieger zu küren, denn alle sind unterschiedlich und jeder Gärtner der Experte in einem bestimmten Gebiet.“ So ist Christel Wandels Passion die Rose.

Das könnte Sie auch interessieren

Sie hat als Teilnehmerin bei der Blumen- und Gartenschau mitgemacht, um der Jury ihren blühenden Rosengarten zu präsentieren, in dem sich vor allem seltene und oftmals auch längst vergessene Rosen wiederfinden. Die Blühzeit der Rose ist allerdings schon vorbei. Deshalb hätte sie sich gewünscht, dass die Jury ihr Urteil über ihren Garten bereits früher gefällt hätte. Doch so einfach sei das nicht, so Neininger.

In Christel Wandels Garten blüht diese schöne Rose.
In Christel Wandels Garten blüht diese schöne Rose. | Bild: Jennifer Moog

Denn während Rosen ihre Blütezeit bereits im Mai oder Juni haben, fangen Kürbisse beispielsweise gerade erst an, zu wachsen. „Man kann es halt nicht jedem recht machen“, sagt sie. Dennoch wolle die Jury ein gerechtes Urteil fällen, weswegen im Nachgang zur Blumenschau ausgiebig über solche Fälle diskutiert werden soll.

Gründerin der Schau wieder dabei

Ebenfalls in der diesjährigen Jury vertreten ist Gisela Blum. Sie war jahrelang Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, bis sie ihren Vorsitz an Hilde Neininger abtrat. Seitdem war sie auch nicht mehr in der Jury vertreten. Doch da sie die Gründerin des Wettbewerbs ist, war es Neininger wichtig, sie im 20. Jahr des Wettbewerbs wieder dabei zu haben.

„In den Sechzigerjahren gab es schon einmal einen solchen Wettbewerb über zwei oder drei Jahre. Da habe ich damals selbst als Teilnehmerin mitgemacht. Dann ist das eingeschlafen“, erzählt Blum. Deshalb habe sie sich 1991 gedacht, dass es schön wäre, wieder einmal einen solchen Wettbewerb ins Leben zu rufen – damals nannte er sich allerdings noch Blumenschmuckwettbewerb und fand jedes Jahr statt. Seit 2000 gibt es die Blumen- und Gartenschau alle zwei Jahre.

Ruth Bühler, Gisela Blum und Luise Lehmann bewundern die Blumen im Garten von Karin Mangler.
Ruth Bühler, Gisela Blum und Luise Lehmann bewundern die Blumen im Garten von Karin Mangler. | Bild: Jennifer Moog

Weil es damals noch viel mehr Bewertungskriterien gegeben habe, sei das ein riesiger Aufwand gewesen. Inzwischen hat der Verein die Bewertungskriterien bis auf eines reduziert: den Gesamteindruck. Deshalb hat sich Blum mit ihren 82 Jahren dazu entschieden, noch einmal St. Georgens Gärten zu bewerten.

Neben Hilde Neininger und ihrer Vorgängerin Gisela Blum sind in der Jury: Ruth Bühler von der Stadtgärtnerei, Dieter Weißer, zweiter Vorsitzender, und Luise Lehmann. Fleißig knipsen sie Bilder besonders schöner Pflanzen und schauen sich alles haargenau an.

Antonio Santalucia berichtet der Jury davon, wie seine Gurken zu einer stattlichen Größe angewachsen sind.
Antonio Santalucia berichtet der Jury davon, wie seine Gurken zu einer stattlichen Größe angewachsen sind. | Bild: Jennifer Moog

Seit vielen Jahren dabei: Antonio Santalucia

Nicht zum ersten Mal als Teilnehmer bei der Gartenschau dabei ist Antonio Santalucia. Stolz präsentiert er der Jury seinen Gemüsegarten. Lange Reihen von Tomaten, groß gewachsene Gurken, Mais, Kürbisse, dazwischen schöne Blumen – alles kann man in seinem Garten finden.

Auch außergewöhnliche Bohnen oder veredelte Apfelbäume finden darin ihren Platz. Gewachsen ist das alles aber nicht an einem Tag. Seit den 80er-Jahren arbeite Santalucia stetig an seinem Garten. Das sei viel Arbeit. „Aber alles ohne Stress“, sagt er.

Einen riesigen und daher pflegeintensiven Garten hat auch Friedhilde Hildbrand. Bereits vor dem Haus begrüßt die Jury ein buntes Arrangement an verschiedenen Blumen. Auch hinter dem Haus geht die Blumenpracht weiter.

Bereits vor dem Haus von Friedhilde Hildbrand wartet diese Blumenpracht auf die Jurymitglieder.
Bereits vor dem Haus von Friedhilde Hildbrand wartet diese Blumenpracht auf die Jurymitglieder. | Bild: Jennifer Moog

Doch damit nicht genug. Verschiedene Bäume, Sträucher und Gemüse wollen von Hildbrand gepflegt werden. Das Besondere in ihrem Garten: Alles ist selbst gezogen. Davon ist selbst die erfahrene Jury beeindruckt.

Siegerehrung im Oktober

Wer der diesjährige Sieger wird, soll im Oktober bei einer Veranstaltung verkündet werden. Das allerdings nur, wenn es die Situation zulässt und sich die Corona-Krise nicht weiter verschärft. Davor müssen sich die Jurymitglieder noch gemeinsam beraten. Fest stehe allerdings, dass keiner der Teilnehmer leer ausgeht. Einen Preis für ihre Leistung erhalten alle leidenschaftlichen Hobbygärtner, so Dieter Weißer.