Dem menschlichen Ohr wird in der Kunstgeschichte im Allgemeinen keine große Bedeutung beigemessen. Abgesehen von der Episode, wonach der Maler Vincent van Gogh sich ein Stück seines linken Ohres vermutlich im Wahn abgeschnitten haben soll, gehört der äußere Teil des Hörorgans nicht gerade zu den Körperteilen, die Künstler jeder Epoche zu künstlerischen Höchstleistungen inspirierte. Klara Hobza will das ändern. Die Künstlerin, die jetzt beim Kunstverein Global Forest zu Gast war, macht ganz besondere Portraits.

Vom Jäger bis zum Bürgermeister

Was haben ein Bürgermeister, eine Chorleiterin, eine Pastorin, ein Jäger und ein Hör-Akustiker gemeinsam? Bei ihnen allen spielt das Gehör eine besondere Rolle. Sie müssen auf unterschiedliche Art und Weise zuhören. Der Bürgermeister den Bürgern und deren Belangen, die Chorleiterin ihren Sängerinnen und Sängern, damit diese den richtigen Ton treffen, der Jäger, der im Wald lauscht, die Pastorin bei ihrer seelsorgerischen Aufgabe und so weiter.

Klara Hobza fotografiert das Ohr von Olsen Wolf. Insgesamt hat die in Berlin lebende Künstlerin, die beim Kunstverein Global Forest residierte, ein Dutzend Personen aus St.Georgen portraitiert.
Klara Hobza fotografiert das Ohr von Olsen Wolf. Insgesamt hat die in Berlin lebende Künstlerin, die beim Kunstverein Global Forest residierte, ein Dutzend Personen aus St.Georgen portraitiert. | Bild: Sprich, Roland

Klara Hobza hat ein Dutzend Menschen aus St. Georgen getroffen und deren Ohren fotografiert und diese anschließend in einem aufwändigen Verfahren gezeichnet.

Was treibt eine Künstlerin an, sich genau diesem Organ zu widmen? „Genau kann ich es gar nicht sagen. Vielleicht kommt es daher, weil ich, bevor ich nach St. Georgen kam, drei Monate in einem Atelier in Paris gelebt habe, das direkt an einer viel befahrenen Straße lag und es dort immer sehr laut war“, sagt Klara Hobza.

Komplexes Verfahren

Hinter dem vermeintlich simplen Auftrag, Ohren zu fotografieren und diese dann abzuzeichnen, steckt ein komplexes Verfahren. „Ich brauche für ein Ohr schon bis zu einer Woche“, erklärt die in Tschechien geborene, in München aufgewachsene und heute in Berlin lebende Künstlerin. Denn die Ohren werden in verschiedenen Schichten gezeichnet.

Präzise Arbeit an feinsten Details

Dazu verwendet sie verschiedene Bleistifte, alle in derselben Härte, aber unterschiedlich angespitzt. Um auch feinste Details präzise herausarbeiten zu können, nutzt Klara Hobza zudem Lesebrillen in unterschiedlichen Stärken, die sie wie eine Lupe nutzt. „So habe ich die Hände zum Zeichnen frei.“

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Was Klara Hobza während ihrer Studie bei ihrem vierwöchigen Aufenthalt beim Global Forest Verein aufgefallen ist, ist „dass ich Menschen jetzt verstärkt auf die Ohren schaue. Ohren sind ein toller Aufhänger, um ins Gespräch zu kommen.“

Ausstellung im Juli geplant

Inzwischen ist Klara Hobza wieder nach Berlin abgereist. Im Gepäck hat sie noch etliche Fotos von Ohren, die sie in ihrem Atelier in Berlin fertig zeichnen wird. Sofern es die Pandemie-Situation zulässt, will die Künstlerin im Sommer in die Bergstadt zurück kehren. Für Juli ist eine Ausstellung organisiert.