Im Gespräch mit Sabine Koller wird deutlich: Sie liebt ihren Beruf. Sie arbeitet als Verkäuferin bei der Metzgerei Rieckmann in der Gerwigstraße. Eigentlich klingt Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, das ist die volle Berufsbezeichnung, auf den ersten Blick nicht gerade nach einem spannenden Berufsfeld.

Doch für Sabine Koller ist es genau das: ein Traumberuf, der in ihr Begeisterung entfacht. Und das merkt man: Detailgetreu kann sie darüber berichten, wie bestimmte Schnitte beim Fleisch durchgeführt werden, welches Fleisch sich für welche Zubereitung eignet und wie Gewürze für ein tolles Aroma kombiniert werden können.

Diese Begeisterung und Wissbegierde sind es auch, die Koller dazu verhalfen, die Beste in ihrem Fach zu werden. Denn sie hat ihre Berufsausbildung als Fachverkäuferin im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz als Beste abgeschlossen. Dieser umfasst die Landkreise Tuttlingen, Konstanz, Rottweil, Waldshut und Schwarzwald-Baar. Koller darf sich damit als Kammersiegerin bezeichnen.

Von der Schlechtesten zur Besten

Daran geglaubt, dass sie diesen Titel einmal erhalten würde, hat die 20-Jährige allerdings nicht. Denn sie war nicht immer gut in der Schule. „Als ich von der Förderschule auf die Hauptschule wechselte, war ich eine der Schlechtesten“, erinnert sie sich. Erst langsam arbeitete sie sich ins Mittelfeld voran, bevor sie sich zu den Guten zählen konnte.

In der Berufsschule war sie dann drei Jahre in Folge Klassenbeste. An den Kammersieg wollte sie trotzdem nicht glauben. „Das hätte ich nie gedacht“, sagt sie. Doch sie hat es mit einem Schnitt von 1,9 in ihrer Gesellenprüfung geschafft und qualifizierte sich dadurch für den Landeswettbewerb. Was dann auf sie zukommt und wann dieser überhaupt stattfinden soll, das weiß Koller noch nicht.

Corona-Krise erschwert Prüfungsvorbereitung

Geschenkt bekommen hat die 20-Jährige den Kammersieg allerdings nicht. Er erforderte viel Eigeninitiative, sagt sie. Denn als es mit den Prüfungsvorbereitungen so richtig losging, blieben die Schulen aufgrund der Corona-Maßnahmen geschlossen. Der Unterricht fand für Koller und ihre acht Klassenkameraden fortan online statt.

Doch das reichte nicht, findet sie. Denn gerade für die praktische Prüfung habe die Übung gefehlt. Eine Übungsprüfung habe sie nie in der Hand gehabt. „Ich habe mir viel über das Internet selbst beigebracht. Vieles lernte ich auch hier in meinem Ausbildungsbetrieb“, so Koller.

Ausbildungsende ist nicht gleich Ende des Lernens

Ausgelernt ist sie trotzdem nicht. Das sagt die Verkäuferin selbst. Denn auch wenn sie ihre Ausbildung inzwischen erfolgreich abgeschlossen hat und von der Metzgerei Rieckmann fest übernommen wurde, will sie noch viel lernen. Unter anderem, was Fleischverarbeitung in anderen Ländern, wie beispielsweise die USA anbetrifft.

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Im Betrieb der Familie Rieckmann arbeitet sie inzwischen weit mehr als drei Jahre. Denn als sie noch die Hauptschule in St. Georgen besuchte, habe ihre Klasse die Metzgerei besichtigt. „Während andere angeekelt von dem Fleisch waren, war ich fasziniert“, erinnert sich Koller. Das sei der Beginn ihrer Begeisterung für die Fleischverarbeitung gewesen, sagt sie.

Sie habe dort dann ein Praktikum absolviert und gleich darauf einen Wochenend-Job angefangen. Selbst in den Sommerferien vor der Ausbildung habe sie in der Metzgerei gearbeitet. Das Tolle an dem Beruf für sie: „Dass ich mich ausprobieren kann.“ Und: „Mit jedem Tag, an dem ich mehr lerne, steigt meine Begeisterung für den Beruf“, verrät sie.

Positiv entwickelt durch Ausbildung

Doch nicht nur das: Die Ausbildung habe sie auch auf positive Weise verändert. Sie sagt: „Früher war ich schüchtern und nicht so aufgeweckt wie jetzt. Die Ausbildung hat eine neue Seite in mir hervorgeholt. Diesen Beruf, den habe ich gebraucht.“ Diese positive Entwicklung sieht auch ihre Ausbilderin Heike Rieckmann: „Wir sind stolz auf sie. Es ist schön, ihre Entwicklung mit ansehen zu können.“

Sabine Koller wird der Metzgerei Rieckmann erst einmal erhalten bleiben. Seit diesem Jahr wohnt Koller auch in St. Georgen. Davor lebte sie für ein paar Jahre in Triberg. Für einige Jahre verschlug es sie davor gemeinsam mit ihrer Familie nach Rheinland-Pfalz, bevor die junge Frau ihren Weg zurück in den Schwarzwald fand. Auch wenn sie ihre Familie vermisst, ist sie sich sicher: „Ich gehöre in den Schwarzwald.“ Und hier will sie auch bleiben.

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