Seit Donnerstag sind sie in St. Georgen angekommen – die vier Verordnungen, die regeln, wie das kommende Schuljahr an den Schulen in Baden-Württemberg ablaufen soll. Sie sind überschrieben mit dem Titel „Regelbetrieb an den Schulen unter Pandemiebedingungen im Schuljahr 2020-21“. An den St. Georgener Schulen gilt es nun, die Vorgaben so schnell wie möglich in ein praktikables Konzept zu übersetzen.

Jetzt muss es schnell gehen

Der Zeitplan der kommenden Tage ist straff, wenn man mit Ralf Heinrich, Rektor des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums (TSG), darüber spricht. Montag tagt ganztägig das Schulleitungsteam, Dienstag erfolgt die Absprache mit den anderen Schulen, Mittwoch geht es um die Feinheiten. Alles muss schnell gehen, damit ein Regelbetrieb nach den Sommerferien denkbar ist. Mit rund 1000 Schüler wird dann am Bildungszentrum wieder unterrichtet.

Dafür, wie das ablaufen soll, gebe es zwar schon konkrete Ideen. „Daran arbeiten wir schon seit Ferienbeginn“, sagt Heinrich. Für die Detailarbeit musste man aber die genauen Vorschriften aus Stuttgart abwarten. Deshalb war es bislang nicht möglich, die Eltern über das konkrete Vorgehen zu informieren.Denn das habe man in den Oster- und Sommerferien schmerzhaft gelernt, dass man besser auf die Verwaltungsvorschrift warte, bevor man zu viel Zeit in die vorläufige Schulorganisation investiert. Zusätzlich verkompliziert die Tatsache die Situation, dass man, so Heinrich, auch andere Szenarien als den Regelbetrieb nicht aus dem Augen verlieren dürfe. Auch eine mögliche Schulschließung oder Fernunterricht müssten demnach im Planungsfokus bleiben.

Eine Umfrage kann helfen

Erleichtert werden sollen die Planungen durch eine Umfrage unter den Schülern, die zum Ende des vergangenen Schuljahres befragt wurden. Sie stand unter der zentralen Frage: „Wie haben die Schülerinnen und Schüler die Zeit des Lockdowns und den Fernunterricht erlebt?“ Verantwortlich zeichnete dafür die TSG-Lehrerin Michaela Conzelmann, die die Fragebögen mit ihrem Mann Tobias Beißwenger und einer Gruppe von Lehrkräften, Schülern und Schülerinnen auswertete.

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Die Umfrage bringe überraschende Ergebnisse, so Michael Conzelmann. Die meisten TSG-Schülerinnen und -Schüler waren mit ihrer Schule während des Lockdowns zufrieden. So geben über 81 Prozent der Befragten insgesamt mindestens die Note drei oder besser, der Durchschnitt liegt bei 2,6. „Angesichts der für alle Seiten absolut herausfordernden Aufgabe ist das kein schlechtes Ergebnis“, sagt Michaela Conzelmann und zeigt sich durchaus zufrieden.

Viel in Mathe gelernt

Insgesamt geben aber auch 51 Prozent an, im Lockdown weniger Zeit mit Schule verbracht zu haben. Gegenüber 27 Prozent, die angaben, mehr investiert zu haben. 50 Prozent hielten ihr Arbeiten für weniger konzentriert als sonst, ein Viertel für konzentrierter. Etwas überraschend sei in diesem Zusammenhang, dass in fast allen Fächern mindestens 60 Prozent der Heranwachsenden angaben, im Vergleich zum normalen Unterricht einen gleichen oder sogar größeren Lernfortschritt erzielt zu haben. „In Mathematik waren es sogar 69 Prozent der Befragten, damit hätte ich nicht gerechnet“, zeigt sich Conzelmann überrascht.

Die Umfrage zeigt zudem, dass nicht alle Heranwachsenden mit dem Homeschooling in gleicher Weise zurechtkamen. Immerhin knapp 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben an, mit dem selbstständigen Arbeiten sehr gut zurechtzukommen. Andererseits haben 52 Prozent den geregelten Schulalltag vermisst. „Je älter die Schülerinnen und Schüler waren, desto besser lief es. Außerdem fiel es Jungen im Durchschnitt etwas leichter als Mädchen.“ so Conzelmann. Fast die Hälfte der Schüler wünscht sich laut Umfrage auch in Zukunft, an einzelnen Tagen von zu Hause aus arbeiten zu können.

74 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben an, dass es ihnen nicht schwer fiel, ohne Klassenarbeiten und Tests zu lernen und dass es Spaß gemacht hat (71 Prozent), ohne Notendruck zu arbeiten. Trotz Corona schauen 79 Prozent positiv in die Zukunft.

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Sollte sich der Lockdown wiederholen, was keiner wünsche, dann wäre es wichtig, möglichst viel Unterricht über Videokonferenzplattformen zu organisieren. „Das, wie viele andere Ergebnisse der obigen Umfrage, deckt sich auch mit den Elterneinschätzungen und -wünschen“, so Schulleiter Heinrich. Dass die Eltern wie Lehrkräfte die zweite Phase nach Pfingsten, den wöchentlichen Wechsel zwischen Fern- und Präsenzunterricht, hingegen kritischer sähen, zeige die Notwendigkeit einheitlicherer und kontinuierlicher Strategien, sollte der Krisenfall nochmal eintreten.

Alle Ergebnisse zeigten signifikant, wie wichtig der soziale Kontakt für Schülerinnen und Schüler sei. Die Begegnung mit den Lehrerinnen und Lehrern, und sei sie im Notfall digital, sei durch nichts zu ersetzen, nur das rechtfertige den Regelunterricht nach den Ferien, so Heinrich. Heinrich zitiert einen TSG-Schülers, der gesagt habe: „Ich habe in der Corona-Krise gelernt, dass Lehrer den Schülern auch fehlen können.“

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