Ein Privatmann möchte ein Corona-Schnelltestzentrum initiieren, um Bürgern kostenlose Schnelltests anbieten zu können. Doch die bürokratischen Hürden sind schier unüberwindbar, wie er von den Behörden erfahren muss.

Tests eine Belastung bei kleinem Einkommen

Eigentlich könnte Peter Fleischer, approbierter Apotheker, Mathematiker und ehemaliger Dozent an der Hochschule Furtwangen, seinen Ruhestand genießen und sich seinem Hobby, dem E-Bass spielen, widmen. Er möchte sich jedoch aktiv in die Gesellschaft einbringen und kam auf die Idee, eine private Corona-Schnellteststation einrichten. „Ich habe Zeit und Muße, das zu machen“, sagt er. Das ist es nicht allein.

Amt bemängelt fehlendes Hygienekonzept

Seitdem Ende September klar war, dass Antigen-Schnelltests künftig nicht mehr für alle Bürger kostenlos angeboten werden, wollte er die Tests dennoch gratis anbieten. „Es gibt viele Menschen, die es sich nicht leisten können, sich jede Woche ein oder mehrmals kostenpflichtig testen zu lassen, weil sie ein geringes Einkommen oder eine kleine Rente haben.“ Allein für sich und seine Familie, allesamt nicht geimpft, „weil wir dem Impfen kritisch gegenüber stehen“, muss nach eigenen Angaben Peter Fleischer derzeit monatlich 200 Euro für Tests hinblättern.

Ende September meldete er sich mit seiner Idee beim Landratsamt. Das teilte ihm mit, dass nach Rücksprache bei der Stadt St. Georgen derzeit kein Bedarf für ein weiteres Testzentrum bestehe. Zudem müsste er verschiedene Auflagen erfüllen und unter anderem ein Hygienekonzept vorlegen, ausreichend Parkplätze vorweisen sowie einen Nachweis erbringen, dass er für die Abnahme solcher Tests geeignet sei.

Behörden sehen weitere fehlende Punkte

Die Idee von Peter Fleischer, die Antigen-Schnelltests zum geringen Selbstkostenpreis anzubieten und die Testmöglichkeit im Freien unter dem Vordach seines Hauses anzubieten, reicht dem Amt nicht. Wie eine Sprecherin des Landratsamtes auf Nachfrage erklärt, „müssen das zunächst einmal beim Paul-Ehrlich-Institut gelistete Tests sein“. Ein weiteres Problem sei, dass Peter Fleischer zwar Tests machen könne, jedoch keine Zertifikate ausstellen dürfe, „da er keine Dienstleistung anbietet, wofür er diese Zertifikate benötigen würde, wie etwa ein Friseur.“ Doch auch hier gelte derzeit, dass die vom Friseur abgenommenen Tests nur für den Friseurbesuch gelten.

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Markus Esterle, Leiter des Ordnungsamtes, bestätigt ebenfalls auf Nachfrage, dass die Stadt nicht die genehmigende Behörde in diesem Fall sei, aber dass derzeit kein Bedarf an einer weiteren Teststation bestehe. „Wir haben mangels Nachfrage ja bereits das kommunale Testzentrum in Zusammenarbeit mit dem Rotkreuz-Ortsverein geschlossen.“ Esterle verweist auf die verbleibenden Testzentren auf dem Lidl-Parkplatz und in der Stadtmitte.

Peter Fleischer weiter von Idee überzeugt

Mit den Aussagen mag sich Peter Fleischer nicht zufrieden geben. „Die Behörden stellen sich offensichtlich gegen die Bürger, anstatt in deren Sinne zu handeln“, erhebt er schwere Vorwürfe. Dass er als approbierter Apotheker, der früher in einer Krankenhausapotheke gearbeitet hat und dabei mit gefährlichen Medikamenten verantwortungsvoll umgehen musste, die Eignung zum Abnehmen solcher Tests abgesprochen werde, erzürnt ihn. „Andere brauchen nur einen Videolehrgang und dürfen Tests abnehmen und Zertifikate ausstellen.“

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Peter Fleischer will sich mit den Aussagen der Ämter nicht zufrieden geben. Derzeit nutzen Antigen-Schnelltests zwar wenig, weil aufgrund der Warnstufe in vielen Fällen nur PCR-Tests gelten. „Doch irgendwann wird sich die Situation wieder entspannen, dann möchte ich das machen.“