Mit einem Jahr Verzögerung kann das Bauvorhaben der Firma Rettenberger Metallveredelung an der Industriestraße endlich umgesetzt werden. Der geplante Erweiterungsbau soll mitten im Überschwemmungsgebiet der Brigach entstehen. Ein Umstand, der Behörden und Planern einiges an Kopfzerbrechen bereitet hat, weil Bauen im Überschwemmungsgebiet laut Baugesetz und Wasserhaushaltsgesetz grundsätzlich verboten ist. Wie haben die Bauplaner das Problem so gelöst, dass die Behörden dennoch grünes Licht geben und was bedeutet die einjährige Verspätung des Baubeginns für den Unternehmer?

Zur Brigach nur weniger Meter

Die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat deutlich gemacht, welche Gefahr auch von kleinen, harmlos wirkenden Bächen ausgehen kann. Die Brigach fließt nur wenige Meter an der Firma Rettenberger Metallveredelung vorbei. Sie ist an sich ein ruhig vor sich hin plätscherndes Bächlein. Doch bei einem Jahrhunderthochwasser könnte die Brigach über die Ufer treten und der Wasserspiegel erheblich ansteigen.

In diesem Bereich, der teilweise Überflutungsfläche für die Brigach ist, soll der Produktionsneubau der Firma Rettenberger Metallveredelung, hier rechts im Hintergrund zu sehen, errichtet werden.
In diesem Bereich, der teilweise Überflutungsfläche für die Brigach ist, soll der Produktionsneubau der Firma Rettenberger Metallveredelung, hier rechts im Hintergrund zu sehen, errichtet werden. | Bild: Sprich, Roland

Das Bauvorhaben der Firma Rettenberger liegt genau in diesem Überschwemmungsgebiet. Und dort ist das Bauen und Erweitern von baulichen Anlagen gesetzlich untersagt. Doch die Erweiterung des Unternehmens, das auf die Veredelung von metallischen Oberflächen spezialisiert ist, ist unabdingbar und bereits seit 2016 geplant. Deswegen entschlossen sich die Planer, einen Teil des Gebäudes auf Säulen zu bauen.

Bereits im vergangenen Jahr erteilte der Technische Ausschuss das Einvernehmen zum Neubau des Zentrums für Metallveredelung. Durch die Weiterentwicklung des Baugesuchs fehlte noch das Einvernehmen für das Bauen im Überschwemmungsgebiet und für die Inanspruchnahme eines Gewässerrandstreifens. Beides hat der Ausschuss nun erteilt.

In der Animation ist zu sehen, dass ein Teil des futuristisch anmutenden Neubaus auf Säulen stehen wird. Nur so war eine Genehmigung für den Bau in einer Überschwemmungsfläche möglich.
In der Animation ist zu sehen, dass ein Teil des futuristisch anmutenden Neubaus auf Säulen stehen wird. Nur so war eine Genehmigung für den Bau in einer Überschwemmungsfläche möglich. | Bild: Animation: Rettenberger

2006 hat Udo Rettenberger den Neubau an der Industriestraße erstellt. Damals hatte er Bedenken, ob der Bau mit 600 Quadratmetern nicht zu überdimensioniert sei. Doch das Unternehmen wuchs rasch. Von einst sechs stieg die Zahl der Mitarbeiter auf aktuell rund 35. Der Neubau soll demnach in erster Linie die Produktionskapazitäten erweitern. 750 Quadratmeter Produktionsfläche werden neu geschaffen, dazu kommen 220 Quadratmeter Bürofläche. Weitere 280 Quadratmeter sind für Sozial- und Schulungsräume vorgesehen.

Verzögerung ist teuer

„Klar freuen wir uns, dass es bald losgehen kann“, teilt Geschäftsführer Udo Rettenberger auf Nachfrage mit. Das Amt für Umwelt, Wasser und Bodenschutz habe das Vorhaben bereits mündlich abgesegnet. Ganz ungetrübt sei die Freude jedoch nicht. Die Verzögerung hat für eine deutliche Verteuerung des Projekts gesorgt. „Wir müssen mit einer Preissteigerung von 20 Prozent rechnen, was unser Projekt preislich extrem in die Höhe treibt.“ Ursprünglich wollte Rettenberger 2,1 Millionen Euro in den Neubau investieren. Bei einer 20-prozentigen Preissteigerung bedeutet das eine Verteuerung von rund 420.000 Euro.

Dennoch sieht Rettenberger die Investition auch als Bekenntnis zum Standort St. Georgen. Ein Großteil der Mitarbeiter komme direkt aus der Bergstadt.