Seit fast drei Monaten gilt inzwischen die Maskenpflicht beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Kaum ein Thema ist momentan umstrittener als dieses. Die einen sind dafür, die anderen dagegen. Doch wie stehen eigentlich die St. Georgener Einzelhändler zur Maskenpflicht und hat sie vielleicht sogar Auswirkungen auf die Umsätze? Wir haben uns in der Bergstadt umgehört.

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Henninger

„Man kann die Maskenpflicht gut finden, oder nicht. Aber wir ziehen das jetzt durch“, sagt Eduard Henninger, Geschäftsführer des Fachgeschäfts Henninger. Inzwischen hätten sich sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden an die Maskenpflicht gewöhnt. Die Mitarbeiter müssten ohnehin nicht den ganzen Tag mit Maske im Laden stehen, sondern dürften sie an der Kasse, an der eine Plexiglasscheibe angebracht wurde, abnehmen.

Einen Umsatzrückgang sieht Henninger durch die Maskenpflicht nicht, denn das Geschäft lebe vom konkreten Bedarf der Kunden. „Anders ist das wahrscheinlich für ein Geschäft in einer Innenstadt, das vom Shopping lebt“, sagt Henninger. Bei ihm im Geschäft jedoch habe sich inzwischen der Umsatz wieder normalisiert. Er glaubt nicht, dass die Maskenpflicht in diesem Jahr wieder aufgehoben wird. Er sagt: „Wenn wir damit die Corona-Pandemie wieder unter Kontrolle kriegen, ist das in Ordnung so.“

Eduard Henninger vom Fachgeschäft Henninger
Eduard Henninger vom Fachgeschäft Henninger | Bild: Jennifer Moog

Optik Fichter

Einer ähnlichen Meinung ist Sabine Fichter von Optik Fichter. Sie fühle sich durch die Maskenpflicht sicherer, sagt sie. Denn bei ihrer Arbeit komme sie den Kunden oft sehr nahe. Und sie glaubt, die Maskenpflicht hat einen positiven Effekt auf das Infektionsgeschehen, nicht nur Corona betreffend, sondern bezogen auf alle Krankheiten.

Trotzdem wünscht sie sich, dass bald ein Impfstoff gefunden wird und die Maskenpflicht dann wieder ein Ende findet. Denn gerade beim Probieren von Brillen sei eine Maske hinderlich. Deswegen gebe es bei ihr eine Glasscheibe, die sie zwischen sich und den Kunden stellen kann. So kann dieser die Brille ohne Maske probieren. Auch sie trägt nicht den ganzen Tag Maske, sondern nimmt sie ab, wenn gerade kein Kunde im Laden ist. Eine verminderte Nachfrage durch die Maskenpflicht sieht auch sie nicht. Der April, die Hochphase der Corona-Pandemie, sei schlimm gewesen, doch im Juni und Juli sei das Geschäft wieder gut gelaufen.

Sabine Fichter, Optikerin bei Optik Fichter
Sabine Fichter, Optikerin bei Optik Fichter | Bild: Jennifer Moog

Juwelier Eichenlaub

Inzwischen wieder fast auf Normalbetrieb läuft das Geschäft beim Juwelier Eichenlaub. „Im April waren die Umsätze auf Null, da kann man nichts schönreden“, sagt Guido Eichenlaub. Aber inzwischen habe man einen großen Teil dieser Verluste wieder aufgeholt, ganz sei das aber nicht mehr aufzuarbeiten. Auch dort wurden Glasscheiben installiert, die es den Kunden ermöglichen, die Maske auch einmal abzunehmen, wenn sie Brillen oder Schmuck probieren.

Dennoch ist er für ein Ende der Maskenpflicht. „Ich persönlich finde, dass die Zahlen im Schwarzwald-Baar-Kreis inzwischen so gering sind, dass die Maskenpflicht abgeschafft werden könnte“, sagt er. Im Restaurant dürften sich die Menschen ja auch ohne Maske gegenüber sitzen. Viel besser fände er es, wenn diejenigen, die sich durch eine Maske besser geschützt fühlen, freiwillig zur Maske greifen.

Guido Eichenlaub in seinem Geschäft am Bärenplatz.
Guido Eichenlaub in seinem Geschäft am Bärenplatz. | Bild: Jennifer Moog

Modehaus Kaspar

Ein klarer Befürworter der Maskenpflicht ist Fritz Kaspar, Geschäftsführer vom Modehaus Kaspar. Um älteren Menschen das Atmen unter der Maske leichter zu machen, habe er Masken entwickelt, die aus einem dünnen Stoff gefertigt sind. Sicherlich sei die Maske manchmal etwas hinderlich, aber die ansteigenden Zahlen aus anderen Ländern würden zeigen, dass die Maskenpflicht wirkt.

Die Schattenseiten der Maskenpflicht sieht hingegen Verkäuferin Christiane Wernet. „Kein 80-Jähriger geht bei 28 Grad Celsius mit Maske einkaufen. Das ist ihm viel zu anstrengend“, sagt sie. Ein Umsatzrückgang sei bei ihnen daher bemerkbar. Ob das an der Maskenpflicht oder der Unsicherheit vieler Kunden liegt, wisse sie allerdings nicht.

Fritz Kaspar, Geschäftsführer von Kaspar Mode, ist klar für die Maskenpflicht.
Fritz Kaspar, Geschäftsführer von Kaspar Mode, ist klar für die Maskenpflicht. | Bild: Jennifer Moog

Lakritz Mode

Verkäuferin Regine Böhm-Haas gibt sich diplomatisch. „Was sein muss, muss sein“, sagt sie. Auch ob die Maskenpflicht Kunden abschreckt, sieht sie nicht. Wie viele Kunden kommen, sei vom Tag abhängig.

Regine Böhm-Haas, Verkäuferin bei Lakritz Mode
Regine Böhm-Haas, Verkäuferin bei Lakritz Mode | Bild: Jennifer Moog

Buchhandlung Haas

„Die Maskenpflicht ist lästig für alle, aber sicherlich sinnvoll“, sagt Martina Schwarz, Inhaberin der Buchhandlung Haas. Die Umsetzung klappe bei ihr recht gut, nur manchmal müsste man Kunden an die Maskenpflicht erinnern. Bei einer möglichen Abschaffung der Maskenpflicht ist sie gemischter Meinung.

Bei den derzeitigen Infiziertenzahlen im Schwarzwald könne man die Maske ruhig weg lassen, sie wisse aber nicht was die Zukunft bringt, weshalb sie den Sinn in der Maskenpflicht weiterhin sieht, so Schwarz. Dass die Corona-Krise auch an ihrem Betrieb nicht spurlos vorübergegangen ist, sei klar. „Durch Corona ist vielen Menschen die Lust am Bummeln vergangen“, sagt sie. Auch sie spüre das. Derzeit sei wieder etwas mehr los, so wie früher sei es aber noch nicht.

Martina Schwarz, Inhaberin der Buchhandlung Haas.
Martina Schwarz, Inhaberin der Buchhandlung Haas. | Bild: Jennifer Moog

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