Die wichtigste Nachricht gab es fast zum Schluss: Am Standort St. Georgen des Elektromotoren- und Ventilatorenherstellers ebm-papst hat es im Geschäftsjahr 2019/2020 (Stichtag: 31. März) keine Kündigungen gegeben. Das hat der Mulfinger Konzern am Mittwoch im Rahmen seiner Video-Bilanzpressekonferenz bekanntgegeben.

EBM Papst
EBM Papst | Bild: Jean-Paul Mende

Demnach arbeiten derzeit 828 Mitarbeiter am St. Georgener Standort von ebm-papst. Mehr als 50 Prozent von ihnen, vor allem aus der Verwaltung, befinden sich seit Ende März in Kurzarbeit. Zum Standort gehören auch die Werke in Herbolzheim und Lauf. An den drei Orten arbeiten 1668 Menschen, 108 weniger als im vorherigen Geschäftsjahr. Die nicht mehr eingesetzten Menschen sind laut Geschäftsführer Stefan Brandl Leiharbeiter.

Stefan Brandl, Vorsitzender der Geschäftsführung
Stefan Brandl, Vorsitzender der Geschäftsführung | Bild: Philipp Reinhard

Vor zwei Jahren waren noch 160 Menschen aufgrund der schwierigen Situation in der Automobilbranche in St. Georgen, Lauf und Herbolzheim entlassen worden.

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Dass trotz der Corona-Pandemie im Geschäftsjahr 2019/2020 keine Mitarbeiter entlassen wurden, habe das Unternehmen auch der guten Liquidität zu verdanken. Dennoch, so Brandl: „Der Lockdown hat uns teilweise an die Grenzen gebracht.“ Von Vorteil seien die Erfahrungen in Fernost gewesen. Die Erkenntnisse habe man dann etwa in Europa umsetzen können. „In China sind wir wieder bei einer Auslastung von 100 Prozent“, sagte Brandl weiter.

Die tägliche Temperaturkontrolle in einem ebm-papst-Werk in China.
Die tägliche Temperaturkontrolle in einem ebm-papst-Werk in China. | Bild: Ebm-Papst

Die außerdeutschen Märkte in Asien oder Amerika, wo in Johnson City ein zweiter Standort entstanden ist, waren für ebm-papst besonders wichtig. Während es in Deutschland wegen der schwächelnden Automobilindustrie einen sechsprozentigen Umsatzrückgang auf 462 Millionen Euro gegeben hat, verzeichneten Amerika (plus 5,8 Prozent auf 286 Millionen Euro), Asien (plus 0,1 auf 399 Millionen Euro) und Europa ohne Deutschland (plus 1,7 auf 1,042 Milliarden Euro) Erlösgewinne.

Das Konzernziel von 2,2 Milliarden Euro an allen Standorten zusammen habe man aber leicht verfehlt. In fünf Jahren wolle man einen Umsatz von drei Milliarden Euro erreichen.

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Eine wichtige Rolle soll dabei auch weiter die Antriebstechnik und der Automotivbereich spielen, wie Geschäftsführer Brandl auf SÜDKURIER-Nachfrage sagte. In den vergangenen Monaten habe es zwar einen starken Umsatzrückgang in diesen Bereichen gegeben, im Juni habe sich die Situation im Vergleich zu den Vormonaten aber wieder etwas entspannter gezeigt. In St. Georgen, Herobolzheim (Automotive) und Lauf (Getriebe) erreichte das Unternehmen ein Einnahmewachstum von 5,1 Prozent auf 527 Millionen Euro. „Ganz klar, St. Georgen bleibt unser Leitstandort für diese Bereiche“, sagte der Geschäftsführer weiter.

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Prinzipiell gehe es für ebm-papst derzeit vor allem um die Liquditätssicherung, wie Financhef Hans Peter Fuchs sagte. Das zeigt auch ein Blick auf die Investitionen. Die gingen in St. Georgen um fast 33 Prozent auf 21 Millionen Euro zurück. Nicht zurückgehen soll dagegen auch künftig die Zahl der Mitarbeiter: „Wir schließen betriebsbedingte Kündigungen aus“, schloss Brandl.