Im Pflegeheim Lorenzhaus kehrt wieder Leben ein. Nachdem es in der Einrichtung zu einem Corona-Ausbruch gekommen war, mussten die Bewohner über Wochen hinweg in ihren Zimmern bleiben, ihr einziger Sozialkontakt waren die Schwestern, die nach dem Rechten sah. Besucher waren verboten, alle Veranstaltungen abgesagt. Nun ist diese Phase vorbei, die Bewohner dürfen sich wieder in der Einrichtung bewegen, Veranstaltungen nehmen Fahrt auf, Besucher sind wieder willkommen. Für die Bewohner ein wichtiger Lichtblick.

Veranstaltungen mit bestimmten Regeln

Zum Start ins Wochenende spielte die Jugendmusikschule nach einer halbjährigen Zwangspause wieder in dem Pflegeheim. Zwölf Kinder zeigten im Garten der Anlage ihr Können auf dem Klavier, der Gitarre, der Violine oder der Harfe. Nur Bläser gab es dieses Mal keine, wegen der Aersole, die das Corona-Virus in sich tragen können, sagt Ursula Ringwald vom Sozialdienst der Altenhilfe.

Die Bewohner des Lorenzhauses genießen ihre Freiheit bei einer Aufführung der Jugendmusikschule St. Georgen.
Die Bewohner des Lorenzhauses genießen ihre Freiheit bei einer Aufführung der Jugendmusikschule St. Georgen. | Bild: Jennifer Moog

Damit es im der Einrichtung nicht erneut zu einem Corona-Ausbruch kommt, gab es außerdem strenge Sitzregeln. Die Bewohner einer Wohneinheiten durften sich nicht mit denen aus anderen Stationen vermischen. Deshalb wurden sie an festgelegte Plätze geleitet, von denen aus sie den jungen Musikern lauschen durften. „Das ist wichtig, damit wir mögliche Ketten schnell nachverfolgen können“, sagt Ringwald. Auch wenn alle Bewohner inzwischen negativ auf Covid-19 getestet wurden.

Für Bewohner fehlen ohne Veranstaltungen Höhepunkte

Für die Bewohner noch viel wichtiger sei es aber, dass es endlich wieder Aktivitäten gibt, sagt Ringwald. Deshalb finden einzelne Veranstaltungen in Kleingruppen inzwischen wieder statt, genauso wie Konzerte im Garten des Hauses. Ringwald sagt aber auch: „Das, was den Bewohnern durch diese schlimme Zeit verloren gegangen ist, kann man nicht wieder auffangen.“

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Dem stimmt auch Sabine Ettwein zu. Sie besucht ihre Mutter Irmgard, die im Lorenzhaus wohnt. „Solche Sachen, wie das Konzert der Jugendmusikschule, sind Highlights. Wenn das mehrere Wochen nicht stattfindet, ist das schlimm“, sagt Ettwein. Doch darüber, dass ein Besuch wieder mit vergleichsweise wenigen Einschränkungen möglich ist, freut sie sich. Davor habe sie nur mit einem vorherigen Termin zu ihrer Mutter ins Heim gedurft. Dadurch sei ihr Flexibilität weggenommen worden, sagt sie. Inzwischen gilt nur noch: In geschlossenen Räumen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Am Eingang wird Fieber gemessen und die Kontaktdaten müssen hinterlegt werden.

Kein Kontakt zur Mutter

Schwer sei aber die Zeit davor gewesen. Während ihre 90-jährige Mutter wochenlang in ihrem Bewohnerzimmer bleiben musste, habe sie sie gar nicht mehr besuchen dürfen. Da die 90-Jährige inzwischen nicht mehr allzu gut hört, habe auch ein Anruf nicht viel gebracht.

Und dann sei Irmgard Ettwein auch noch gestürzt. „Ich durfte sie nicht einmal im Krankenhaus besuchen. Das war schlimm“, sagt Sabine Ettwein, weil sie weder für ihre Mutter da sein konnte, noch genau wusste, wie es ihr ging. Nach dem Krankenhausaufenthalt habe ihre Mutter dann für zwei Wochen in Quarantäne gemusst, laut Corona-Verordnung. Dafür hätte sie eigentlich in eine Spezialklinik gemusst. Das sei für Ettwein aber nicht in Frage gekommen, deshalb habe sie ihre Mutter zu sich nach Hause geholt. Das hieß aber auch für sie: Zwei Wochen zuhause bleiben.

Monatelange Einsamkeit macht Sorgen

Besser wurde es allerdings nicht, als Irmgard Ettwein wieder ins Pflegeheim zurückkehren durfte. „Es gab Phasen, da dachten wir, sie stirbt uns wegen Einsamkeit weg“, gibt Sabine Ettwein mit Sorge im Blick zu. Denn eine Zeit lang war das einzige, was ihre Mutter zu sehen bekam, die Schwestern. Auch Irmgart Ettwein blickt zurück. Langweilig sei die Zeit gewesen, sagt sie. Denn abgesehen von Fernsehen, habe sie nicht viel tun können. Fürs Lesen seien inzwischen ihre Augen zu schwach, sagt Sabine Ettwein. „Noch einmal so eine Zeit...“, sagt Ettwein kopfschüttelnd, ohne den Satz zu Ende zu bringen. Was sie meint, wird auch ohne die fehlenden Worte deutlich.

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