Viele Hobbykonditoren werden es kennen: In einer wahren Torte steckt viel Arbeit – besonders wenn es ein richtiges Meisterwerk werden soll. Nicht nur, dass der Inhalt einer für bestimmte Feste gebauten Torte stimmen muss, es kommt auch auf die Dekoration an.

Sandra Schuler kennt das: Es ist ihr Job in der Backstube beim Zuckerbeck in St. Georgen. Wir haben ihr bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut.

Wie viele Handgriffe notwendig werden, bis so eine Torte dann als fertiges Produkt vor dem Betrachter steht? „Das kann ich nicht sagen“, ist von Sandra Schuler zu hören. Jedenfalls sind es viele Handgriffe.

Video: Müller, Werner

Zwei unterschiedliche Torten stehen dieses Mal auf dem Plan. Eine Konfirmationstorte und eine Tauftorte. Für Konditorin Schuler ist es wichtig, mit der Bestellung auch zu besprechen, wie das Kunstwerk dann aussehen soll. Oftmals bringen Kunden Bilder von Torten aus dem Internet als Vorlagen mit.

Arbeit an mehreren Tagen

Alle Torten haben dabei eines gemeinsam: Sie bestehen aus Biskuit, so die Konditorin. Dieser wird am Tag zuvor gebacken und mit einem flachen, breiten, sehr scharfen Messer in Scheiben geschnitten wird. Zwischen diesen Scheiben verbirgt sich dann die Füllung.

Im Falle der Tauftorte eine Zitronencreme mit Erdbeeren. Um dann das Kunstwerk zügig fertigstellen zu können, hat Sandra Schuler die Torte mit Füllung schon vorbereitet, in den Kühlschrank gestellt und dann anderntags daran weitergearbeitet.

Die Tauftorte wird auf der Oberfläche dünn mit Buttercreme bestrichen. Dann folgt der Umfang mit gleichmäßigem Buttercremebelag. Sandra Schuler greift nach einem großen Block Marzipan.

Vom großen Marzipanblock schneidet Sandra Schuler einen breiten Streifen zur Weiterverarbeitung ab.
Vom großen Marzipanblock schneidet Sandra Schuler einen breiten Streifen zur Weiterverarbeitung ab. | Bild: Werner Mueller

Sie schneidet einen zwei bis drei Zentimeter dicken Streifen ab, teilt kleinere Stücke ein und dann wird das Marzipan in einer verstellbaren Walze hin und her bewegt, bis die erforderliche Dicke erreicht ist.

Alles nach genauem Plan

In diesem Fall etwa drei Millimeter. Mit geübter Hand bringt Sandra Schuler die Marzipanplatte über die Torte und beginnt auf der Oberfläche das Marzipan blasenfrei glatt zu streichen. Danach folgt der Tortenrand mit demselben Prozedere. Überschüssiges Marzipan wird mit dem scharfen Messer abgeschnitten.

Für Konditorin Sandra Schuler ist der Konditorberuf sehr kreativ. Doch es gibt wenige, die in diesem Beruf arbeiten wollen – zu wenige, findet sie. „Ich wünschte mir, dass mehr Leute in das Konditorenhandwerk einsteigen.“ Bei der Arbeit ist sie voll in ihrem Element.

Ein mit Markierungen versehener Tortenring wird dann seitlich in das Marzipan gedrückt um in der Vertiefung Fondantgirlanden anzubringen. Mit Zuckerkleber fixiert, halten die Girlanden. Weiterhin werden unter den Girlanden verschiedenfarbige Wimpel angebracht. Die Oberfläche wird mit einem verschieden farbigen Fondantfischschwarm, dem christlichen Symbol, belegt.

Die Buttercreme wird auf die vorbereitete Torte ringsherum mit einer Spachtel dünn aufgetragen und danach kühl gestellt.
Die Buttercreme wird auf die vorbereitete Torte ringsherum mit einer Spachtel dünn aufgetragen und danach kühl gestellt. | Bild: Werner Mueller

Bei 32 Grad Celsius geschmolzene Schokolade wird in eine eben gefaltete Garniertüte gefüllt und nun beginnt die Tortenkünstlerin mit dem Beschriften der Torte nach von der Kundin vorgegebenem Text. Eine ruhige Führung der Hand ist erforderlich, bis der Text dann auf der Torte steht.

Das aufgeklappte Konfirmationsbuch ähnelt einer Bibel. Auch der dafür verwendete Biskuit wurde geschnitten und zwischen die beiden Scheiben Himbeercreme mit Zitrone aufgebracht und ebenfalls im Kühlschrank gelagert.

Jede Menge Feinarbeit

Mit Buttercreme ringsherum dünn bestrichen folgt das Auflegen der Marzipanplatte. Feststreichen, ohne Luftblasen auf der Oberseite und seitlich sind die weitere Vorbereitung. Eine doppelseitige Platte wird aufgelegt, die Ecken etwas nach oben gebogen und mit dem Modellierbesteck Buchseiten angedeutet, die mit Schokoladenpulver und einem dünnen Pinsel nachgezogen werden.

Die Buchseiten werden mit einem Pinsel und Kakao angedeutet.
Die Buchseiten werden mit einem Pinsel und Kakao angedeutet. | Bild: Werner Mueller

Mit dem Modellierbesteck werden die Buchseiten angedeutet und mit Kakaopulver und einem Pinsel fein bestrichen. Die zuoberst liegende Platte wird an den Ecken etwas eingebogen. Mit ruhiger Hand schreibt Sandra Schuler den Bibelspruch mit der Garniertüte.

Video: Werner Müller

Die Bändel zur Seitenmarkierung werden zwischen der Doppelseite eingelegt. Mit farbigen Fondantstreifen und einem Mosaik, werden beide Seiten ausgeschmückt. Bis die Kundin das Kunstwerk abholt, wird die Torte wieder im Kühlschrank gelagert. Sandra Schuler ergänzt: „Natürlich freue ich mich über Rückantworten und Wertschätzungen.“