In St. Georgen gibt es mehr als 100 Vereine aus dem sportlichen, kulturellen und musischen Bereich, die seit Beginn der Corona-Pandemie ihre Vereinsaktivitäten auf Eis legen müssen. Damit die Mitglieder ihrem Verein auch in der Zeit ohne Vereinsaktivitäten die Treue halten, lassen sich die Verantwortlichen an der Vereinsspitze kleine Aufmunterungsaktionen einfallen, um den Mitgliedern zu signalisieren: Hey, wir sind noch da. In einer losen Serie stellt der SÜDKURIER verschiedene Vereine vor, und beleuchtet auch, ob und wie finanzielle Einbußen durch nicht stattfindende Veranstaltungen den Vereinen zu schaffen machen. Heute: Der Trachtenverein St. Georgen.

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„Unser Vereinsleben steht weitgehend still“, sagt Bernhard Borho, Vorsitzender des Trachtenvereins. Normalerweise präsentieren sich die Trachtenträger das Jahr über bei verschiedenen Trachtentreffen.

„Im vergangenen Jahr wären wir unter anderem bei einem Trachtentreffen im Elsass gewesen und hätten an den Heimattagen in Sinsheim teilgenommen“, zählt der Vorsitzende auf. Auch der Trachtenfachmarkt in Bad Dürrheim ist normalerweise ein beliebtes Zielt für die Brauchtumspfleger aus St. Georgen.

Einnahmen fehlen dem Verein

Der Trachtenverein erhält das Brauchtum nicht nur, in dem die Mitglieder die Jahrhunderte alten Trachten samt prächtigem Brautschäppel zur Schau stellen. Im Frühjahr führt der Verein ein Theaterstück auf. Deswegen wäre die Theatergruppe in diesem Wochen bereits mit den Proben beschäftigt, damit Dialoge und Pointen des amüsanten Heimatstücks das Publikum in der Stadthalle bestens unterhalten und amüsieren. Jetzt sind Texthefte, Kulissen und Requisiten eingemottet.

An Veranstaltungen, wie etwa diesen Trachtenumzug zum 100-jährigen Bestehen, ist derzeit nicht zu denken.
An Veranstaltungen, wie etwa diesen Trachtenumzug zum 100-jährigen Bestehen, ist derzeit nicht zu denken.

Der Ausfall des Theaters schmerzt den Verein. Ideell, aber auch finanziell, denn die Einnahmen aus dem Theaterabend sind eine wichtige finanzielle Säule. Ebenso wie die Abifeier, die von Vereinsmitgliedern seit einigen Jahren bewirtet wird. „Noch geht es finanziell, aber die laufenden Kosten für Versicherungen und die Beiträge an den Landesverband müssen ja trotzdem entrichtet werden“, so Borho.

Besonders leid tut es Borho für die Kinder und Jugendlichen im Verein. „Die Jugendgruppe ist durch das Kontaktverbot besonders getroffen.“ Seit Monaten kann sich der Trachtenträgernachwuchs nicht mehr treffen. Auch das Tanzverbot gilt für die Jungen und Mädchen, „die meisten unserer Tänze sind so genannte Wechseltänze, das geht derzeit ja gar nicht.“ Als kleinen Ersatz konnten sie im vergangenen Jahr, als es möglich war, immerhin einmal gemeinsam Pizza essen.

Post als kleines Zeichen

Als kleines Zeichen dafür, dass der Trachtenverein seine Mitglieder in der Corona-Zeit keineswegs vergessen hat, gab es zu Weihnachten Weihnachtspost, in der der Vorsitzende sich für die Treue bedankte und den Mitgliedern Zuversicht für das neue Jahr zusprach. Einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass sich die Situation bessert, hegt Bernhard Borho immerhin. „Die Stadthalle ist für unser Theater im April sicherheitshalber reserviert.“