Wenn Elternpaare oder Alleinerziehende arbeiten gehen müssen, steht für sie auch immer die Frage im Raum, wo und wie kann ich meine Kinder während dieser Zeit betreuen lassen. Üblicherweise fällt dabei die Wahl auf eine Kindertagesstätte, sofern dort ein freier Platz für den Nachwuchs im entsprechenden Alter zur Verfügung steht. Eine weitere Alternative sind aber auch die Tagesmütter.

Die Organisation der Tagesmütter übernimmt im Schwarzwald-Baar-Kreis das Jugendamt, welches diese Aufgabe in wesentlichen Teilen an den TaPS e.V. (Verein für Tagespflege-Service) übertragen hat. Dieser kümmert sich um die Auswahl, Ausbildung, Prüfung und Weiterbildung der Tagesmütter. Darüber hinaus auch um die Vermittlung der Kinder an die jeweils passende Tagesmutter.

Im Kreisgebiet gibt es derzeit rund 50 aktive Tagesmütter, genau genommen sind drei davon sogar Männer, also quasi Tagesväter. In St. Georgen stehen derzeit fünf Tagesmütter zur Verfügung. Eine von Ihnen ist Stefanie Pfeifer-Staiger.

Stefanie Pfeifer-Staiger ist Tagesmutter in St. Georgen.
Stefanie Pfeifer-Staiger ist Tagesmutter in St. Georgen. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Sie ist selbst Mutter von drei Kindern mit elf, fünf und eineinhalb Jahren. Da ihre eigenen Kinder Vormittags in der Schule, der Kita und bei der Oma sind, hat sie wiederum Zeit, sich in dieser Zeit als Tagesmutter um fünf andere Kinder zu kümmern.

In ihrem Fall hat sie die Möglichkeit Kinder zwischen null und drei Jahren vormittags bei sich zuhause im eigenen Haus mit Garten betreuen zu können. Es gibt aber auch Fälle, wo die Tagesmütter im Haushalt der Eltern tätig werden oder dafür eigens eine Wohnung anmieten. Auch Kooperationen mit den Kitas sind möglich.

Die Pflegekinder von Stefanie Pfeifer-Staiger beim Spielen im Garten.
Die Pflegekinder von Stefanie Pfeifer-Staiger beim Spielen im Garten. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Stefanie Pfeifer-Staiger ist seit 2013 als Tagesmutter tätig. Bevor man das werden kann, muss man erst einmal auf die Schulbank. 160 Unterrichtseinheiten von je 45 Minuten stehen an, um in den Fächern Pädagogik, Recht, Finanzen, Steuern und Versicherungen ausgebildet zu werden, inklusive einer abschließenden Prüfung mit Zertifikat. Als gelernte Kinder- und Altenpflegerin waren es selbst in ihrem Fall immer noch 30 Stunden.

Tagesmutter nicht teurer als Kita

Obwohl sie als Tagesmutter vom Kreisjugendamt einen festen Stundenlohn von 6,50 Euro pro Kind erhält, zahlen die Eltern selbst nur einen Bruchteil davon, entsprechend den Tagessätzen die in einer Kita anfallen würden.

„Das wissen viele Eltern nicht und denken eine Tagesmutter kommt aus finanziellen Überlegungen für sie nicht in Frage“, erklärt Franziska Willmann vom TaPS. Sie ist eine der fest angestellten Mitarbeiterinnen im Verein, um in enger Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendamt die Auswahl und Betreuung der Tagesmütter zu organisieren. „Uns ist auch wichtig, darauf zu achten, dass die Beziehungen zwischen Tagesmüttern, den Kindern und ihren Eltern harmonieren“, erklärt sie.

Franziska Willmann ist Pressesprecherin und Koordinatorin beim TaPS e.V.
Franziska Willmann ist Pressesprecherin und Koordinatorin beim TaPS e.V. | Bild: Hans-Juergen Goetz

„Vor allem das Thema Corona und die diversen Lockdown-Stufen und Auflagen haben uns alle die letzten Monaten an den Rand unserer Kapazitäten gebracht“, so Willmann. So war es für viele Tagesmütter schwierig, während dieser Zeit neben den Pflegekindern auch noch ihre eigenen Kinder im Homeschooling zuhause betreuen zu müssen.

Auch das ständige in und er an kurzfristigen und ständig wechselnden Verordnungen war kaum noch im Griff zu behalten. “Vor allem haben wir alle an den Kindern und ihren Familien gesehen, wie sehr sie über die lange Zeit unter den veränderten Lebensbedingungen gelitten haben“, so Pfeifer-Staiger.

Regelmäßige Treffen gehören dazu

Darüber und auch über alle anderen Fragen und Erfahrungen tauschen sich die St. Georgener Tagesmütter regelmäßig aus, bei kleineren Treffen und in ihrer Whats-App-Gruppe. Auch der TaPS-Verein unterstützt den Erfahrungsaustausch durch regelmäßig angebotene Treffen auf Kreisebene. 15 Unterrichtsstunden sind auch pro Tagesmutter und Jahr für Fortbildungsmaßnahmen vorgesehen. Dabei können die Tagesmütter aus einem breiten Themenangebot wählen oder selbst eigene Vorschläge machen.

Trotz aller Herausforderungen und Sondersituationen, für Stefanie Pfeifer-Staiger ist eines ganz klar: „Ich liebe diese Aufgabe und würde es jederzeit genau so wieder machen“.

Alltag einer Tagesmutter: Während der zweijährige Julius gerade noch mit Stefanie Pfeifer-Staiger kuscheln will, kommt die zweieinhalbjährige Emma mit einem kleinen Wehweh am Fuß und einer Träne im Auge zu ihr.
Alltag einer Tagesmutter: Während der zweijährige Julius gerade noch mit Stefanie Pfeifer-Staiger kuscheln will, kommt die zweieinhalbjährige Emma mit einem kleinen Wehweh am Fuß und einer Träne im Auge zu ihr. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Und so freut sie sich schon auf den September, denn dann übergibt sie einige ihrer Schützlinge in die reguläre Kita, um gleich danach neue Kinder aufzunehmen. Selbstverständlich erst, wenn sich Kind und Eltern nach einer Eingewöhnungsphase von zwei Wochen auch wirklich wohlfühlen und alles passt.