Seit mehr als einem halben Jahr wird die persönliche Freiheit durch Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beeinträchtigt. Während die Einschränkungen für die meisten Menschen problemlos einzuhalten beziehungsweise umzusetzen sind, haben Menschen mit einer Depressionserkrankung beispielsweise unter den Kontaktbeschränkungen besonders zu leiden. So mussten Treffen der Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depression seit März ausfallen. Stefan Plaaß leitet die Selbsthilfegruppe und weiß als Betroffener, wie es ist, sich über Wochen und Monate nicht mit Gleichgesinnten austauschen zu können.

„Es war schlimm“

Dass Stefan Plaaß das Gespräch mit der Presse sucht, hat einen guten Grund. „Wir können uns endlich wieder treffen“, ist die positive Nachricht, die er auf diesem Weg an möglichst viele Adressaten richten will, die nur darauf warten, sich wieder mit anderen Betroffenen austauschen zu können. „Es war schlimm. Nach dem Ende des Lockdowns haben mich viele Leute angerufen und gefragt, wann es endlich weitergeht und es wieder Treffen gibt“, erzählt Stefan Plaaß im Gespräch mit dem SÜDKURIER. „Vieles hat sich bei den Betroffenen in den vergangenen Monaten aufgestaut und sie hatten Gesprächsbedarf.“

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Nicht immer können die Betroffenen in ihrem familiären Umfeld oder Bekannten- und Freundeskreis offen über ihre Sorgen und Ängste reden, die die Krankheit mit sich bringt. Häufig verstärken zudem physische Krankheiten oder Beschwerden die psychischen Probleme. Dazu kommt, dass einige der Betroffenen wegen ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen als Hochrisikopatienten gelten. „Manche der Betroffenen haben dann aus Angst vor einer möglichen Infektion das Haus wochenlang gar nicht mehr verlassen und rutschten so in einen Teufelskreis“, erläutert Plaaß, dass manche Betroffene doppelt angeschlagen waren.

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Hier helfen die Gespräche innerhalb der Selbsthilfegruppe enorm. Doch Plaaß hatte zunächst keine guten Nachrichten. „Die Räume der Wirkstatt, wo wir unsere Zusammenkünfte bislang im geschützten Raum abhalten konnten, sind für unsere Treffen unter Coronabedingungen zu klein und nicht geeignet.“ Plaaß fragte bei verschiedenen Institutionen an. Im Ökumenischen Gemeindezentrum auf der Seebauernhöhe wurde er schließlich fündig. „Die beiden Kirchengemeinden waren sehr entgegenkommend und stellen uns ihre Räumlichkeiten bis auf Weiteres zur Verfügung“, freut sich Plaaß, der umgehend erste Gesprächsabende organisiert hat. Der erste findet bereits am heutigen Dienstag, 13. Oktober, statt.

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