Das Spiel auf der Orgel ist meist eine ziemlich einsame Angelegenheit. Zum Glück, möchte man dieser Tage meinen, denn so ist sichergestellt, dass zumindest Kantor Jochen Kiene nicht aus der Übung kommt. Und auch die Renovierungsarbeiten an der großen Orgel in der Lorenzkirche laufen trotz der Schutzmaßnahmen wegen des Coronavirus weiter, wie er berichtet.

Der Intonateur arbeitet an einer Holzpfeife im Pedal.
Der Intonateur arbeitet an einer Holzpfeife im Pedal. | Bild: Jochen Kiene

„Drei Orgelbauer sind im Moment in der Kirche am Werk. Das ist aber relativ unproblematisch, weil jeder weitestgehend für sich arbeitet und die Abstände dadurch ohnehin sehr groß sind“, so der Kantor.

Sortierte Register (die aus der Werkstatt in Leonberg kommen) warten auf den Einbau.
Sortierte Register (die aus der Werkstatt in Leonberg kommen) warten auf den Einbau. | Bild: Jochen Kiene

Aktuell seien die Instrumentenspezialisten dort wieder mit dem Einbau der knapp 4000 Pfeifen beschäftigt, die alle gereinigt, restauriert, gestimmt, und auch teilweise ersetzt wurden. Auch die neue elektronische Steuerung der Orgel, mit der Kiene in Zukunft arbeiten wird, ist bereits verbaut.

Das könnte Sie auch interessieren

So kommt es, dass zwar die Restaurationsarbeiten völlig im Zeitplan liegen, und damit auch die angepeilte Fertigstellung bis zu den Pfingsten klappen dürfte. Aber wann das Instrument schließlich feierlich eingeweiht werden kann, sei derzeit noch noch nicht absehbar, wie Kiene sagt.

Der Spieltisch der Orgel.
Der Spieltisch der Orgel. | Bild: Jochen Kiene

Er selbst sei bislang beim Üben aber kaum eingeschränkt, so der Kantor. „Orgel spielen kann man sehr gut alleine, von daher bin ich von den Kontaktverboten nicht stark betroffen.“ Anders gehe es da den Chören, mit denen er zusammenarbeitet. „Da sind Treffen momentan nicht möglich, auch weil viele Risikopersonen unter den Mitgliedern sind“, sagt er. So könne bis auf Weiteres nicht geprobt werden und für alle stehe derzeit die Unsicherheit im Raum, wann es wieder weitergehen kann.

Die umgebaute Trompete 8‘ im Schwellwerk.
Die umgebaute Trompete 8‘ im Schwellwerk. | Bild: Jochen Kiene

Diese Frage stellt sich auch bei der Orgel selbst, die jetzt mit ihren leergeräumten Kästen und dem meterhohen Gerüst davor einen ziemlich trostlosen Anblick bietet. Erst wenn alle Pfeifen wieder in den insgesamt 42 Registern stehen, kann auch Kiene wieder darauf vor Publikum spielen. Es ist ein Moment, auf den er sich jetzt schon freut. Nur wann es soweit sein wird, weiß im Augenblick noch niemand.

Das weitgehend leergeräumte Rückpositiv.
Das weitgehend leergeräumte Rückpositiv. | Bild: Jochen Kiene